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Bildrechte: Montage: colourbox.com/Evgeny Karandaev; Bioland, EU, BRD, Naturland, Demeter

Bio-Siegel: Deutschland, EU, Bioland, Naturland, demeter

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    Vielfalt der Bio-Siegel: Was steckt hinter welchem Logo?

    Bio-Siegel gibt es schon seit Jahrzehnten. Zunächst die Logos der Anbauverbände, vor 20 Jahren wurde das deutsche Bio-Siegel eingeführt, später das der EU. Sie alle weisen auf biologische Erzeugung hin, dennoch gibt es Unterschiede.

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    Von
    • Michael Kraa

    Wer als Verbraucher besonderen Wert auf eine nachhaltige Produktion seiner Lebensmittel legt, auf schonenden Landbau und möglichst artgerechte Tierhaltung, der greift immer häufiger zu Bio-Produkten. Gekennzeichnet werden die in Deutschland mit dem sechseckigen staatlichen Bio-Siegel. Eingeführt wurde das schlichte grün-schwarz-weiße Symbol im Jahre 2001, weil bis dahin zahlreiche Firmen und Anbieter mit den Bezeichnungen "bio" oder, auf Englisch, "organic" geworben hatten und keiner mehr so recht wusste, welche Kriterien die Produkte jeweils erfüllten.

    EG-Öko-Verordnung als Basis

    Das staatliche Bio-Siegel steht seitdem für solche Produkte, die nach den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Diese definiert Mindestkriterien für die Produktion von Lebensmitteln. So sind etwa im Landbau keine synthetischen Pflanzenschutzmittel, sogenannte Pestizide, erlaubt. Die Haltung von Tieren soll "über die Tierschutzstandards der Union für die Tierhaltung im Allgemeinen hinausgehen", der Tierbestand ist an Flächen gebunden, der Anfall von Stickstoff pro Fläche ist ebenfalls begrenzt.

    Neues EU-Siegel seit 2010

    Seit 2010 ist innerhalb der EU ein neues Logo Pflicht: Das EU-Bio-Siegel, ein aus kleinen Sternen geformtes Blatt auf grünem Grund. Das EU-Logo garantiert dabei das Gleiche wie das deutsche Bio-Siegel: Die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung. Das alte deutsche Siegel ist seitdem nur noch freiwillig, wird aber häufig zusammen mit dem EU-Logo verwendet.

    Bio-Siegel der Anbauverbände Bioland, Naturland und demeter

    Produzenten, die sich selber andere oder strengere Vorschriften gegeben haben als die der EG-Ökoverordnung, setzen zusätzlich zum deutschen und zum EU-Siegel auf eigene Kennzeichnungen ihrer Produkte. So findet sich auf vielen Produkten neben dem deutschen und dem EU-Bio-Siegel auch noch das eines Anbauverbandes wie zum Beispiel Bioland, Naturland oder demeter.

    Diese gehen in ihren Anforderungen über die Regelungen der EU hinaus. So ist beispielsweise die Fütterung von Tieren mit Silage nach EG-Öko-Verordnung ganzjährig möglich, bei den drei großen Anbauverbänden darf diese nicht das ganze Jahr gefüttert werden. Stattdessen muss im Sommer Grünfutter angeboten werden.

    Große Unterschiede beim Umgang mit Tieren

    Deutliche Unterschiede zwischen der EG-Ökoverordnung und den Regeln der Anbauverbände zeigen sich auch beim Umgang mit Nutztieren. Tierwohlkontrollen, die die Ökoverordnung nicht regelt, sind bei den Anbauverbänden vorgeschrieben: Bei Naturland und Bioland jährlich, bei demeter sind Stichproben vorgesehen.

    Ein wichtiger Unterschied betrifft auch das heikle Thema Tiertransporte. Auch diese sind in der EG-Ökoverordnung nicht geregelt, abgesehen von der Formulierung, die Dauer von Tiertransporten müsse "möglichst kurz gehalten werden". Die drei großen Anbauverbände dagegen beschränken die Transporte: Bioland auf maximal vier Stunden und 200 Kilometer, Naturland auf vier Stunden am Stück und eine Gesamtzeit von höchstens acht Stunden sowie ebenfalls 200 Kilometer. Bei demeter heißt es: "Ethische Einsichten gebieten es, das jeweilige Tier vom Transport bis zur Schlachtung in einer solchen Weise zu behandeln, dass Angst, Stress, Durst und Schmerzen des Tieres soweit wie möglich vermieden werden. Transportwege sollen so kurz wie möglich sein und deshalb die Tiere aus der Umgebung beschafft werden."

    Vielfalt der Verbände

    Neben den großen Anbauverbänden Bioland, Naturland und demeter gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe weiterer, teilweise auch regionaler Verbände. Einen guten Überblick über diese Verbände und die verschiedenen Regelungen bietet eine Übersicht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Darin werden die wichtigsten Unterschiede zwischen den Verbänden und der EG-Ökoverordnung aufgezeigt, aber auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Verbänden. Eine gute Informationsquelle sowohl für Verbraucher, die sich ganz genau informieren möchten, wie die Erzeuger produzieren, als auch für Landwirte, die sich für die Mitgliedschaft in einem Verband interessieren.

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