BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Patrick Pleul
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Patrick Pleul

Wegen Corona ist in Nürnberg die Zahl der Todesfälle gestiegen. Statistiker sprechen von "Übersterblichkeit".

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Viele Todesfälle: Übersterblichkeit in Nürnberg durch Corona

In Nürnberg steigt die Zahl der Todesfälle. Im Dezember sind fast doppelt so viele Menschen gestorben wie im Vorjahr. Statistiker sprechen in diesem Zusammenhang von Übersterblichkeit. Der Grund dafür: die vielen Corona-Toten in der Stadt.

3
Per Mail sharen
Von
  • Michael Reiner

Schon beim Blättern in der Tageszeitung wird es deutlich: Sieben oder acht Seiten Todesanzeigen in den vergangenen Wochenendausgaben – viel mehr als normal. Laut Standesamt Nürnberg sind im Dezember 2020 fast doppelt so viele Menschen gestorben wie im Vorjahr – das bedeutet Übersterblichkeit. Ein Begriff, der alle Emotionen ausblendet, und nur die Zahlen beschreibt. Diese müssten zwar noch langfristig interpretiert müssen, sagt Nürnbergs Gesundheitsreferentin Britta Walthelm. "Aber ich denke, es deutet jetzt schon alles auf eine Übersterblichkeit in Anführungszeichen hin."

Viele Todesfälle in Nürnberger Pflegeheimen

Auch wenn die Zahl der Infektionen mit Covid-19 in Nürnberg derzeit wieder sinkt, die Zahl der Todesfälle bleibt hoch. Vor allem die Situation in den Alten- und Pflegeheimen macht der Gesundheitsreferentin zu schaffen. Aktuell spricht sie von rund 500 Infektionsfällen in Nürnberger Heimen. "Ich denke, so ungefähr 50 Prozent der Todesfälle sind im Moment auf Pflegeheime zurückzuführen", sagt sie.

Kühlcontainer am Krematorium

Die hohe Zahl an Todesfällen bringt auch das Krematorium am Nürnberger Westfriedhof an die Grenzen seiner Kapazität. Walthelm, die auch für die Nürnberger Friedhöfe zuständig ist, hat deshalb kurz vor Weihnachten zwei Kühlcontainer aufstellen lassen. In diesen können Särge bis zur Verbrennung zwischengelagert werden. Derzeit sinke die Auslastung der Container. Ein positives Zeichen, so Walthelm. "Aber wir beobachten die Lage natürlich sehr angespannt, weil das Standesamt sagt, dass wir im Moment noch konstant hohe Todesfallzahlen haben."

Chefarzt: Die Menschen sterben an und nicht mit Corona

Auch Professor Joachim Ficker schaut sich die Statistiken an. Aber nur abends zu Hause. Im Nürnberger Klinikum sieht der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin die Patienten vor sich, die auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Und diesen Kampf auch immer wieder verlieren. Die Diskussion, ob jemand an Corona oder mit Corona gestorben ist, kann er nicht nachvollziehen.

"Wir beobachten ja unter Umständen über ein, zwei Wochen, dass jemand immer kränker wird, immer schwächer wird, immer schlechter Luft bekommt. Wir sehen, wie sich die Virus-Pneumonie ausbreitet. Und dann, wenn der Patient daran stirbt, was leider immer wieder vorkommt, dann kann ich auch mit Sicherheit sagen: Dieses Virus hat ihn das Leben genommen. Er ist nicht mit Corona gestorben, sondern an Corona gestorben." Professor Joachim Ficker, Chefarzt Klinik für Innere Medizin am Klinikum Nürnberg

Coronavirus nimmt Menschen das halbe Leben

Beim Blick auf die Statistik kann der Arzt in der ersten Welle im vergangenen Frühjahr eine leichte Übersterblichkeit feststellen. Derzeit, in der zweiten Welle, deuten die Zahlen auf eine deutliche Übersterblichkeit hin. Bei ihm auf der Intensivstation liegt das Alter der Patienten deutlich unter 60 Jahren. "Wir haben ja auch einzelne Patienten, die im mittleren Lebensalter und auch im jüngeren Lebensalter sterben. Und da sind Menschen dabei, denen nimmt das Virus das halbe Leben."

© BR24
Bildrechte: BR24

Im Krematorium im Nürnberger Westfriedhof werden mehr Tote verbrannt als im Vorjahr. Die Stadt Nürnberg meldet eine Verdopplung der Todesfälle. Fast die Hälfte sei mit oder an dem Corona-Virus gestorben.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!