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Viele Tierschutzverstöße in bayerischen Schlachthöfen | BR24

© pa/dpa

Schweine-Schlachterei

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    Viele Tierschutzverstöße in bayerischen Schlachthöfen

    Zahlreiche Schweineschlachtbetriebe in Bayern haben gegen Tierschutzrecht verstoßen. Dies geht aus einer Dissertation hervor, die BR Recherche und Süddeutscher Zeitung vorliegt. Von Eva Achinger und Ingo Lierheimer

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    Die Autorin der Dissertation hatte im Zeitraum von 2014 bis 2015 20 große Schlachtbetriebe in ganz Bayern im Hinblick auf Tierschutz untersucht. Diese Untersuchung, die BR Recherche und der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wurde vom Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegeben und entstand in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Von den 20 Betrieben haben nur zwei das Tierschutz-Audit bestanden. In allen anderen gab es Missstände.

    Weniger als 75 Prozent erfüllen Vorgaben der Betäubung

    Um den Tierschutz in bayerischen Schlachthöfen sei es nach den Befunden aus dem Bericht nicht gut bestellt. Das sagt Matthias Moje vom Max-Rubner-Institut in Kulmbach. Er kommt in seiner Analyse der Dissertation für den BR zum Ergebnis, dass über die Hälfte der untersuchten Schlachtbetriebe weniger als 75 Prozent der gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Betäubung erfüllten. Das, so Moje, müsse für die bayerischen Behörden ein Alarmsignal gewesen sein. Die Studie wurde im März 2016 veröffentlicht und liegt dem Ministerium sowie dem LGL vor.

    Kontrolle durch amtliche Tierärzte funktioniert nicht

    Alle Betriebe sind der behördlichen Kontrolle unterworfen. Hier vermutet Matthias Moje, ein Experte für Tierschutz, das Problem. Augenscheinlich funktioniere die Kontrolle durch amtliche Tierärzte nicht. Anders ließe sich das Ergebnis der Untersuchung nicht erklären, so Moje.

    Das Bayerische Verbraucherschutzministerium reagierte auf eine Anfrage der Landtags-Grünen zur Dissertation mit den Worten:

    "In der Tat sind dabei viele Tierschutzmängel vorgefunden worden, die wir keinesfalls erwartet hätten." Bayerisches Verbraucherschutzministerium

    Ministerin kündigt erneut Reformen an

    Auf Anfrage des BR erklärte das Verbraucherschutzministerium am Freitag, dass die "festgestellten Mängel durch bauliche Veränderungen, Schulungen des Personals, technische Anpassungen von Geräteeinstellungen, Wartungen bzw. Neuanschaffung von Geräten und Änderungen in Betriebsabläufen behoben [wurden]. Für umfänglichere bauliche Maßnahmen können noch Fristen laufen."

    Opposition kritisiert "Salamitaktik"

    Der verbraucherpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, kritisierte die Reaktion der Ministerin als unzureichend: Die übliche Salamitaktik, so von Brunn, werde hier nicht helfen. Immerhin sei mit den Schlachthöfen nun schon der dritte Skandal im Lebensmittelbereich aufgetaucht - nach Bayern-Ei und der Metzgerei Sieber.

    Erst diese Woche hatte BR Recherche gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung Verstöße gegen Tierschutz-Vorschriften am Schweineschlachthof in Landshut aufgezeigt.