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Viele Regeln, wenig Ruhm: Bauern unter Druck | BR24

© BR / Anton Rauch

Kühe im Stall von Hans Rauchenberger

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Viele Regeln, wenig Ruhm: Bauern unter Druck

Bei vielem, was sie tun, fühlen sich Bauern an den Pranger gestellt. Zu schaffen machen ihnen dazu die aus ihrer Sicht überbordende Bürokratie - und manchmal auch campende Stadtmenschen. Wir haben drei Betriebe in Oberbayern besucht.

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Bayerische Bauern klagen, dass sie ihre Arbeit unter immer schwieriger werdenden Bedingungen versehen müssten. Nicht nur würden die Auflagen des Gesetzgebers immer strenger, auch die steigenden Anforderungen aus der Gesellschaft machten ihnen das Leben schwer. Gerade bei den Touristen fehle jedes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Bauern.

Touristen wollen Kulisse ohne Kuhdung und Traktorlärm

Das weiß auch Hans Rauchenberger, der bei Lenggries 30 Kühe hält. Für die Urlauber in der Region ist das grasende Vieh ein beschaulicher Anblick. Sie genießen die Bergbauern-Idylle - doch das Verständnis für die Arbeit, die dahinter steckt, fehle bei vielen, so Rauchenberger.

"Wir haben alle Almen, wo wir auf Forstwegen unterwegs sind, wo viele Wanderer sind. Die haben oft kein Verständnis. Wir haben Almwiesen, da müssen wir auch sonntags mal mit Traktor und Ladewagen fahren. Dann stellen sich Wanderer in den Weg. Sie blockieren einfach den Weg und du musst ewig rumdiskutieren, hast aber deine Arbeit." Hans Rauchenberger

Touristen ohne Verständnis für das Vieh

Rauchenberger und viele seiner Berufskollegen leben auch vom Tourismus. Sie haben Mieter oder bieten Fremdenzimmer und Ferienwohnungen an. Viele Stammgäste kommen. Doch so gern sie die Kühe auf den Almen sehen, einzelne Gäste mäkeln an der Arbeit herum. Die Leute wollten es sauber, so Rauchenberger - miste eines der Tiere beim Gang auf die Weide auf die Straße, werde der Bauer sofort angegangen.

Andererseits lassen Freizeitsuchende ungeniert ihre Hunde auf den Almweiden laufen. Bauer Rauchenberger hat seit über 20 Jahren eine Wiese am Bach gepachtet. Inzwischen wurde daneben ein Campingplatz eingerichtet. Zunächst dachte er sich nicht viel bei der neuen Nachbarschaft.

"Aber wenn 25 Leute dort campen, dann haben sie 30 Hunde dabei. Jeder lässt die Hunde laufen auf meiner Wiesen. Die scheißen da rein, die trampeln durch meine Wiese. Da ist überhaupt kein Gefühl, dass wir da für unser Vieh Futter ernten, das sauber sein sollte." Hans Rauchenberger

Bauernverband: Bürger beklagen sich zunehmend über Landwirte

Bei den Bauern habe insgesamt der Frust zugenommen über Unverständnis für ihre Arbeit, das sagt auch Markus Drexler vom Bayerischen Bauernverband. Es gebe eine wachsende Distanz zwischen den Menschen, die auf den Feldern arbeiten oder in den Stall gehen und dem überwiegenden Anteil der Bevölkerung, die keine Erfahrungen in dem Bereich haben.

"Wir haben immer wieder E-Mails von Verbrauchern, die sich über ganz normale Dinge in der Landwirtschaft aufregen wie Mäh- oder Erntearbeiten, besonders am Wochenende. Dabei ist es der besondere Einsatz von Bauern, zu arbeiten, auch wenn andere Freizeit haben, weil es die Versorgung der Tiere und Erntearbeiten oft erfordern." Markus Drexler, Sprecher Bayerischer Bauernverband

Reglementierungen und überbordende Bürokratie

Seit 2017 gilt die derzeitige Düngeverordnung, wonach Landwirte die in den Ställen anfallende Gülle mindestens sechs Monate lagern können müssen. Betriebe mit besonders vielen Tieren sogar neun Monate. Viele Landwirte sind daher gezwungen, eine größere Güllegrube zu bauen - und müssen dabei sich mit neuen Vorschriften herumschlagen.

Danach muss das gesamte Betonbauwerk mit einer wasserundurchlässigen Teichfolie komplett eingepackt werden. Doch wie genau, ist offenbar noch nicht überall geklärt. Hans Rauchenberger jedenfalls weiß von Berufskollegen aus dem Zuchtviehverband, dass in manchen Landkreisen ein regelrechter Antragsstau herrscht. Seit längerer Zeit würden gar keine Baugenehmigungen für Güllebehälter mehr erteilt.

Bergbauernarbeit richtet sich nach dem Wetter

Über die Maßen reglementiert sei die Landwirtschaft - mit Vorschriften, Fristen und Stichtagen für die Arbeit draußen, findet Hans Rauchenberger. Doch die Arbeit hängt für Bauern stärker vom Wetter ab als vom Kalender. Mehr Flexibilität sei da notwendig, wenn Vorschriften erlassen werden und wenn es gilt, sie umzusetzen. Hecken etwa dürfen bayernweit nur bis zum 30. März geschnitten werden. Aber 2019 lag im Landkreis Miesbach Anfang März noch ein Meter Schnee, kritisiert Rauchenberger.

Sorge um Verbot der Anbindehaltung

Wenn die Kühe von Milchbäurin Maria Waldherr nicht auf der Weide sind, stehen sie noch angebunden im Stall. Kommt ein Verbot, wann kommt ein Verbot, muss sie möglicherweise einen Laufstall bauen? Das sind die Fragen, die sie umtreiben. Denn bis 2030 soll es keine ganzjährige Anbindehaltung mehr geben. Dann müsse man größer bauen, sorgt sich die Milchbäurin, das werde mehr oder weniger gefordert. Statt für zehn oder zwanzig müsse man dann halt für dreißig, vierzig, fünfzig Kühe bauen - und eine Million oder mehr ausgeben, die gar nicht wieder erwirtschaftet werden könne.

Auch beim Wolf fühlen sich die Bauern übergangen

Wie Maria Waldherr treibt auch Benedikt Oswald seine zehn Kühe auf die Weide in der nahe gelegenen Jachenau. Ihn treibt die Sorge um, dass ein Wolf eines Tages seine Kühe und Kälber reißen könnte.

"In München, fünfter Stock Hochhaus, ja da gefallt mir der Bär und der Wolf auch. Bei uns draußen, wenn du leben musst, da kann ich zusperren." Benedikt Oswald

Mit seiner Weidehaltung jedenfalls wäre es vorbei, wenn der Wolf umgeht. Da ist sich der Almbauer sicher. Irgendwann werde es ihm und seinen Berufskollegen langen, sagt Oswald. Wenn der Wolf und alles Mögliche andere wichtiger seien, dann sperrten sie halt irgendwann zu.

© BR

Touristen lieben grasende Kühe auf Almwiesen, doch für die Arbeit der Bauern haben sie zum Teil wenig Verständnis. Auch mit überbordender Bürokratie haben sie zu kämpfen. Ein Besuch bei Almbauern in Lenggries.