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Viele Gastarbeiter-Senioren leben in Armut | BR24

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Als die Gastarbeiter in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, wurden sie freudig begrüßt. Sie haben jahrzehntelang hart gearbeitet. Im Alter reicht die Rente vieler Gastarbeiter der ersten Generation nicht zum Leben.

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Viele Gastarbeiter-Senioren leben in Armut

Die Altersarmut in Deutschland wächst. Dabei sind Migranten fast drei Mal so häufig von Armut bedroht. Sie hatten schlechter bezahlte Jobs und konnten deshalb weniger in die Rente einzahlen.

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Die Zahl der als arm geltenden Senioren in Deutschland wächst seit Jahren. Im Jahr 2018 galten 15 Prozent der Senioren in Deutschland als arm, geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Senioren, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, haben dabei ein deutlich höheres Armutsrisiko als der Rest der Bevölkerung.

In Nürnberg und Fürth Tausende betroffen

Im Ballungsraum Nürnberg beziehen rund 8.000 Senioren Hilfe vom Staat, weil ihre Einkünfte nicht zum Leben reichen. In Nürnberg beziehen knapp sieben Prozent der Senioren Leistungen aus der Grundsicherung. Der Anteil der Deutschen liegt dabei bei knapp vier Prozent, der Anteil der Migranten bei 26 Prozent der jeweiligen Altersgruppe. "Altersarmut ist ein zunehmendes Problem", sagt der Leiter des Nürnberger Seniorenamtes Dieter Roßner dem Bayerischen Rundfunk.

Gastarbeiter hatten schlechter bezahlte Jobs

Dass Migranten häufiger von Altersarmut betroffen sind, hat mehrere Gründe. So hatten Gastarbeiter meistens die schlechter bezahlten Jobs. Außerdem waren sie häufiger in Fabriken tätig, die während des Strukturwandels geschlossen wurden. Tausende verloren bei Grundig, AEG und MAN in den 1990-er Jahren ihre Arbeit und konnten anschließend entsprechend weniger in die Rente einbezahlen.

Kaum Einkommen außer Rente

Viele Gastarbeiter lebten zudem jahrzehntelang in der Erwartung, bald in die Heimat zurückzukehren. Sie investierten deshalb deutlich seltener in Wohneigentum. Während nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung rund 55 Prozent der Deutschen eigene Immobilien besitzen, ist das bei Gastarbeitern etwa aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei bei nur 23 Prozent der Fall. Viele Rentner haben neben der eigentlichen Rente noch Einkünfte aus Kapitalanlagen, Vermietung oder Betriebsrenten, so die Deutsche Rentenversicherung. Der Großteil der früheren Gastarbeiter muss dagegen lebenslang steigende Mieten bezahlen.

Hohe Dunkelziffer bei Altersarmut

Tatsächlich dürften noch viel mehr Senioren arm sein, als die offizielle Statistik ausweist. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verzichtet über die Hälfte der Anspruchs-Berechtigten auf Hilfe vom Staat. Während Senioren mit hohem Bildungsniveau öfter noch die Anträge auf Grundsicherung ausfüllen, ist das am seltensten bei alleinstehenden und verwitweten Menschen über 80 Jahren der Fall.

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