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Viel zu viele Babykatzen: Notstand in bayerischen Tierheimen | BR24

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Ilona Wojahn ist Vizepräsidentin des bayerischen Tierschutzbunds und leitet ein Tierheim in Niederbayern. Sie kennt die Sorgen der bayerischen Tierheime.

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Viel zu viele Babykatzen: Notstand in bayerischen Tierheimen

Katzenschwemme, Platzprobleme, Helfer am Limit - die Situation in Bayerns Tierheimen ist kritisch. Die Urlaubszeit ist dabei aber nicht mehr das größte Problem. Die Tierabgaben werden immer mehr.

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Die Urlaubszeit ist derzeit nicht das größte Problem in den bayerischen Tierheimen. Immer weniger Vierbeiner werden einfach ausgesetzt. Dennoch bleibe die Situation in vielen Einrichtungen angespannt, wie Ilona Wojahn, Vizepräsidentin des bayrischen Tierschutzbundes und Leiterin des Tierheims in Reisbach (Lkr. Dingolfing-Landau), im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagt.

Viele Tierbesitzer würden verantwortungsvoll handeln und kurzfristig versuchen, Pensionsplätze und eine Betreuung für ihre Tiere zu bekommen. Doch so kurzfristig sei das nach Wojahn kaum möglich, weil die Kapazitäten überall gering seien.

"Ich verstehe die Leute nicht: Gleich am Anfang des Jahres nutzt man die Frühbucherrabatte und bucht einen ganzen Urlaub, aber keiner denkt dran, dass man sich da auch schon mal darum kümmert, wo denn mein Tier in der Zeit unterkommt." Ilona Wojahn, Vizepräsidentin des bayrischen Tierschutzbundes

Katzenbabys als Herausforderung

Die größte Herausforderung für bayerische Tierheime stellen zur Zeit Katzen dar, wie Wojahn erzählt: "Alle Tierheime sind im Moment überflutet von Katzen, vor allem Babykatzen." Im Reisbacher Tierheim sind zur Zeit knapp 100 Katzen untergebracht, in Plattling (Lkr. Deggendorf) knapp 90. Jeweils die Hälfte davon sind Babykatzen. Aufwändig, findet Wojahn, die an hohe Kosten beim Spezialfutter denkt. Außerdem müssen die Jungkatzen, die meist ohne Mütter ins Tierheim kommen, da diese entweder zusammengefahren wurden oder ihre Jungen verstoßen haben, mit der Flasche aufgezogen werden. Das bedeutet wiederum Zeitaufwand für das Tierheimpersonal.

Unüberlegte Anschaffung, keine Kastration und "animal hoarding"

Wojahn kennt die Gründe für die Katzenschwemme: Zum einen werden immer mehr Tiere abgegeben, weil die Halter sich unüberlegt Vierbeiner anschaffen und die Arbeit dahinter nicht sehen. Zum anderen sind viele Katzen nicht kastriert, wodurch die Geburtenzahlen gerade in den Städten explodierten. Gleichzeitig werden immer mehr Zwei- und Vierbeiner von den Behörden abgegeben. Besonders problematisch sei das "animal-hoarding", berichtet Wojahn. Der Begriff beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem Halter Dutzende Katzen, Hunde oder Papageien auf engstem Raum zusammenpferchen. Bei Kontrollen finden die Veterinärämter häufig katastrophale Zustände vor.

Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer und Katzenstreichler

Die Tiere, die letztlich ins Tierheim kommen, brauchen Zuwendung, Ablenkung und Zeit. Oft fehlt vor allem letztere in Tierheimen, das Personal ist überlastet. Nach Wojahn sei es die beste Hilfe für Tierheime, direkt dort nachzufragen, ob Unterstützung erforderlich ist - gerade in Zeiten von Katzenschwemmen oder einem großen Tieraufkommen.

"Da hilft uns jede ehrenamtliche Hand viel, damit wir die Arbeit bewältigen können und ausreichend Zeit für die Tiere haben. Sie sollen nicht verwahrlosen, sie sollen beschäftigt werden und Zuwendung bekommen." Ilona Wojahn, Vizepräsidentin des bayrischen Tierschutzbundes

Besonders freue man sich in den Tierheimen auch über Katzenstreichler, die vorbeischauen. So könne bei den Tieren Vertrauen zum Menschen aufgebaut werden.