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Ein Hund

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    Viel Zeit für Hund und Katz: Sind Heimtiere Krisengewinner?

    Offenbar wünschen sich im Moment viele Menschen ein Haustier: Die Nachfrage an Hunden und Katzen ist in vielen bayerischen Tierheimen seit Beginn der Corona-Beschränkungen stark gestiegen. Ist das eine gute Nachricht für Heimtiere? Fraglich.

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    Von
    • Julia Mumelter

    Zwischen den Zwingern im Tierheim in München-Riem ist es in diesen Wochen ruhiger als sonst. Normalerweise kommen zahlreiche Freiwillige, um mit den Hunden Gassi zu gehen, und auch Besucher können vorbeischauen, wenn sie sich für ein Tier interessieren. Wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen ist all das zurzeit nicht mehr möglich.

    Alle sind zu Hause und wollen einen Hund

    Auf der anderen Seite laufen im Büro die Telefone heiß und die Mailpostfächer über: Es häufen sich die Anfragen zur Adoption von Hunden und Katzen.

    "Gerade in der Anfangszeit, als Herr Söder die Ausgangsbeschränkungen ausgerufen hat und viele im Homeoffice waren und die Schulen dicht waren, da hatten wir sehr viele Anfragen. Den typischen Satz, den wir tagtäglich gehört haben, der war: Wir sind jetzt ja alle zu Hause, wir hätten jetzt Zeit für ein Tier. Wir wollen einen Hund!" Dalia Zohni, Tierheimleiterin München-Riem

    Wichtig: Nie aus der Laune heraus handeln

    Ein Hund oder eine Katze sollte aber auf keinen Fall aus einer Laune heraus angeschafft werden, mahnt die Tierheimleiterin. Langeweile während der Ausgangssperre sei die falsche Motivation für die Anschaffung eines Haustiers. Darum führen Mitarbeiter des Tierheims ausführliche Vorgespräche mit den Interessenten.

    Dabei versuchen sie herauszufinden, wie die Motivationslage tatsächlich ist und ob die potentiellen Herrchen oder Frauchen auch bereit sind, sich dauerhaft ums Tier zu kümmern. Wegen Corona laufen diese Gespräche nun oft telefonisch ab, Termine gibt es nur noch nach vorheriger Anmeldung. Bei der Vermittlung muss es also einen Vertrauensvorschuss geben.

    Einer der Hunde aus dem Tierheim, der jetzt dank der Corona-Krise neue Besitzer gefunden hat, ist Kira, eine Kangal-Hirtenhündin. Sie ist ziemlich groß, hat helles, flauschiges Fell und wiegt rund 50 Kilo. Alexandra Jajcevic und Martin Fendrich sind ihre neuen Besitzer und haben schon lange mit dem Gedanken gespielt, sich einen Hund anzuschaffen.

    Eingewöhnung in der Quarantäne

    Als das junge Paar wegen der Corona-Einschränkungen zu Hause saß, kam dann die Entscheidung, sich einen Hund aus dem Tierheim zu holen.

    "Wann hat man denn so viel Zeit, sich einen Hund zu holen und den einzugewöhnen? Wir saßen beide zu Hause, sind ins Internet gegangen und haben nach Hunden aus dem Tierheim geschaut. Wir haben Foto für Foto studiert und haben die Kira gefunden." Alexandra Jajcevic, Neue Hundebesitzerin

    Frauchen und Herrchen auf Dauer?

    Vier Wochen lang hatten sie die Hündin nun in Probezeit, bei sich daheim, in der Nähe von Garmisch. Heute sind sie zurück im Tierheim, um den Vertrag zu unterschreiben. Sie verpflichten sich damit, die Hündin dauerhaft bei sich aufzunehmen.

    Im Tierheim freut man sich über das große Interesse, das bei vielen durch die Corona-Beschränkungen ausgelöst wurde. Die Tierheimleiterin bleibt aber vorsichtig: Wie geht es weiter, wenn die Corona-Beschränkungen einmal vorbei sind? Wer versorgt das Tier, wenn die Kinder wieder in der Schule und die Erwachsenen bei der Arbeit sind? Schnell könnte da das süße Zamperl zur Last werden und die frisch gebackenen Frauchen und Herrchen das Interesse verlieren.

    "Das wäre ein großes Problem für die Tiere, denn die haben ja auch Emotionen. Wenn sie ein paar Wochen oder Monate in einem Zuhause sind, dann bauen sie eine Bindung auf. Wenn sie dann wieder weggegeben werden, dann tut ihnen das überhaupt nicht gut. Das sollte auf keinen Fall passieren." Dalia Zohni, Tierheimleiterin München Riem

    Kiras neues Zuhause

    Für Hirtenhündin Kiras neue Herrchen, Alexandra Jajcevic und Martin Fendrich, kommt das aber nicht in Frage. Mehrfach haben sie zugesichert, dass sie die Entscheidung für ein Tier nicht aus einer spontanen Laune heraus gefällt haben. Sie wollen Hündin Kira dauerhaft ein neues Zuhause bieten und für sie da sein, auch wenn die Corona-Einschränkungen wieder vorbei sind.