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Ein Landwirt aus Birnfeld im Landkreis Schweinfurt baut nun Soja an.

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    Viel Arbeit, wenig Ertrag: Landwirt sucht nach Soja-Paten

    In Deutschland werden Soja-Produkte zum Großteil aus Südamerika und den USA importiert. Soja selbst anzubauen, lohnt sich für deutsche Bauern kaum. Ein Landwirt aus dem unterfränkischen Birnfeld will das ändern und hat sich etwas einfallen lassen.

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    Von
    • Alisa Wienand

    Andreas Gerner steht mitten auf seinem Acker in Birnfeld im Landkreis Schweinfurt. Der 36 Jahre alte Landwirt bückt sich, pflückt eine braune Hülse und öffnet sie. "Die sind reif", sagt er. "Wäre es nicht nass, könnte ich mit der Ernte loslegen." Seit sieben Jahren baut Gerner nun schon Soja-Bohnen an – immer auf einer Fläche zwischen 10 und 15 Hektar. Das Problem dabei: Finanziell lohnt sich der Soja-Anbau für den Landwirt kaum.

    Landwirt will Rodung der Regenwälder verhindern

    Die Ernte ist nicht besonders ertragreich. Sowohl die Böden als auch das Klima in Birnfeld sind nicht optimal für den Anbau der eiweißreichen Bohnen. Mit Mais oder Raps verdient Gerner deutlich mehr. Beim Soja-Anbau muss er jedes Jahr drauflegen. Trotzdem will er an den Soja-Bohnen festhalten. Und das hat vor allem einen Grund: In Südamerika werden Regenwälder abgeholzt und brandgerodet, um industriellen Soja-Anbau zu ermöglichen. "Damit das aufhört, müssen Länder, die Soja verbrauchen, auch mal darauf kommen, es selbst zu produzieren", sagt Gerner.

    Patenschaften für den Soja-Anbau

    Deshalb will er weiterhin Soja anpflanzen – und den Anbau rentabel machen. Der junge Landwirt hat deshalb ein Patenschaft-Programm ins Leben gerufen. Für jeden Paten, der 50 Euro zahlt, pflanzt Gerner im nächsten Jahr Soja-Bohnen auf 1.000 Quadratmetern. Bisher hat er schon 46 Patenschaften vergeben. Rund fünf Hektar Soja sind damit für nächstes Jahr schon sicher. Einer der Paten ist Jochen Siebenbürger. Er unterstütze das Projekt, weil sowohl die Böden als auch die Landwirte etwas davon hätten. Auch Stefan Lindner ist Soja-Pate. Seine Motivation: "In Brasilien muss für uns kein Regenwald gerodet werden."

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    Landwirt Andreas Gerner sucht nach Soja-Paten

    Kein lukratives Geschäftsmodell

    Dass Andreas Gerner jetzt pro Hektar zusätzlich zum Verkaufswert 500 Euro einnimmt, ist jedoch nicht so lukrativ, wie es zunächst scheint. "Reich werde ich dadurch nicht", sagt der Landwirt. Mithilfe der Patenschaften verdiene er genauso viel wie für andere Pflanzen, die ertragreicher sind. Gerner hofft, dass sich seine Idee verbreitet. Einen Landwirt aus Werneck hat er schon inspiriert: Rainer Reuß baut im ersten Jahr Soja-Bohnen an. Dass der Anbau nicht rentabel ist, hat er schnell gemerkt. Deshalb überlegt nun auch er, Patenschaften anzubieten.

    Bund Naturschutz sieht Patenschaften kritisch

    Kritisch sieht Erich Rößner vom Bund Naturschutz Schweinfurt das Projekt. "Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt er. Es seien gewaltige Mengen im Spiel. Der Soja-Anbau in Deutschland habe zwar zugenommen – seien es 2012 noch 5.000 Hektar gewesen, würden die Bohnen mittlerweile auf 29.000 Hektar angebaut. Trotzdem sei der Großteil der Soja-Produkte Importware. Doch Rößner sieht auch einen Vorteil beim Patenschaft-Projekt: Was die brennenden Wälder betreffe, sei es ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändern muss.

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