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Videos sollen Senioren in Corona-Zeiten aufmuntern | BR24

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In Pflegeheimen haben Senioren wegen der Corona-Krise weniger Besucher als sonst. Gegen die Vereinsamung der Patienten engagiert sich der Landkreis Rhön-Grabfeld mit der Initiative "kurz mal vorbeigeschaut".

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Videos sollen Senioren in Corona-Zeiten aufmuntern

Wegen der Corona-Pandemie haben die Bewohner von Pflegeheimen viel weniger Besuche. Dies kann ihre Psyche stark belasten. Dagegen möchte nun der Landkreis Rhön-Grabfeld etwas unternehmen. Selbstgedrehten Videos sollen Senioren aufmuntern.

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Gabi Gröschel zieht sich extra ihre Tracht an. Dann stellt sie eine Vase mit einem frisch gepflückten Blumenstrauß auf ihren Wohnzimmertisch. Anschließend setzt sie sich auf das Sofa und sucht in einem Taschenbuch einen passenden Text heraus. Mit ihrem Handy will sie ein kurzes Video aufnehmen. Gabi Gröschel wohnt im unterfränkischen Mühlbach, einem Ortsteil von Bad Neustadt. Ihre 15-jährige Enkelin Elena hilft ihr beim Filmen mit dem Smartphone. "Am besten setzt Du Dich noch bisschen in die Mitte", bittet Elena ihre Oma, während sie den Bildausschnitt im Display kontrolliert. Der Videoclip soll schon bald Seniorinnen und Senioren in Pflegeheimen aufmuntern.

Die Videos kommen auf eine Homepage des Landratsamtes

Elena startet die Aufnahme. Ihre Oma Gabi lächelt in die Handy-Kamera und beginnt mit ihrem Mundartvortrag: "Ich hab´ jetzt a Gedichtle herausgesucht vom Hans Heiligenthal. Des is vom Spessart hinne raus." Schon öfters hat Gabi Gröschel solche Mundart-Gedichte vorgetragen, zum Beispiel auf Geburtstagsfeiern. "Doch mia hat in mei Labe, ke Mensch a Habe gabe." Mit diesem Satz beendet Gabi Gröschel nach einer knappen Minute das Mundartgedicht. Gespannt schaut sie sich mit ihrer Enkelin das Ergebnis an. "Ich finde, das passt so", meint Enkelin Elena. Mit Omas Handy geht Elena auf eine bestimmte Homepage des Landkreises Rhön-Grabfeld. Dann lädt sie den Mundart-Clip darauf hoch. Das dauert nur wenige Minuten.

Videos sind für eine neue Kampagne des Landkreises Rhön-Grabfeld

Jeder kann solch ein Video aufnehmen und hochladen. Dies ist durch eine neue Kampagne möglich. Sie trägt den Namen: "Kurz mal vorbeigeschaut...". Das Amt für Senioren und Menschen mit Behinderung im Landratsamt Rhön-Grabfeld hat die Kampagne entwickelt. Daran war auch das BayernLab Bad Neustadt beteiligt. Die Verantwortlichen wollen über soziale Netzwerke möglichst viele ansprechen, sich an der Video-Kampagne zu beteiligen. "Ladet eure Videos einfach auf https://cloud.rhoen-grabfeld.de/u/d/456fe92aa5e648e7bdab/ hoch", schreiben sie beispielsweise auf facebook. Das Thema darf sich jeder selbst aussuchen. Wichtig ist den Verantwortlichen der Kampagne, dass die hochgeladenen Clips einen Bezug zur Region haben. Somit könnte solch ein Video über Hausmusik oder eine Wanderung handeln.

Die Videos sollen Senioren den Tag "versüßen"

Seniorinnen und Senioren in Pflegeheimen würden sich über die Videos freuen. Dies kann Manuela Trost bestätigen. Sie ist Ergotherapeutin im St. Niklas Seniorenheim in Mellrichstadt. Mit einem Tablet setzt sie sich neben die 85-jährige Regina Gottwald. Zusammen gehen sie auf die Homepage "Kurz mal vorbeigeschaut...". Dort suchen sie sich das Mundart-Video von Gabi Gröschel aus. Manuela Trost spielt es ab. "Es hat e mal en gabe…", tönt es aus dem Tablet-Lautsprecher. Die Seniorin blickt gespannt auf das Display. Am Schluss des Mundart-Gedichts kichert Regina Gottwald. "Es hat mir sehr gut gefallen", sagt sie zu ihrer Ergotherapeutin. "Weil mich die Sprache an meine Heimat erinnert hat." Manuela Trost ist zufrieden. "Mit solchen Videos kann man den Bewohnern den Tag ein wenig versüßen", sagt sie.

Die Kampagne ist ein Pilotprojekt

Die Kampagne "Kurz mal vorbeigeschaut…" ist ein Pilotprojekt. Das Landratsamt Rhön-Grabfeld hat dafür sieben Tablets angeschafft und an fünf Pflegeheime verteilt. Die Tablets können die Heimbewohner nun auch für Video-Anrufe nutzen. "Wegen Corona sind die Besuchszeiten sehr eingeschränkt.", erklärt Manuela Trost. Die Bewohner würden sich darum immer mehr in ihre Zimmer zurückziehen. Dann könnten sie geistig verarmen. "Sie würden psychisch auffällig werden, würden mehr in die Depression verfallen", befürchtet die Ergotherapeutin. Schon bald möchte das Landratsamt Rhön-Grabfeld alle Pflegeheime mit Tablets ausstatten und somit noch vielen Heimbewohnern den Alltag versüßen.

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