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VfL Frohnlach: Wenn Corona den Amateurfußball bedroht | BR24

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Die Corona-Pandemie macht den Sportvereinen zu schaffen, viele stecken in finanziellen Nöten und kämpfen gegen das drohende Aus. Auf der Suche nach Unterstützern zeigen sich viele Amateurvereine kreativ, wie das Beispiel des Vfl Frohnlach zeigt.

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VfL Frohnlach: Wenn Corona den Amateurfußball bedroht

Mehr als 40 Jahre lang sponsert ein lokales Unternehmen den VfL Frohnlach – doch dann kommt Corona. Jetzt kämpft der Sechstligist ums Überleben. Während Spieler und Trainer auf ihr Gehalt verzichten, läuft der Spendenmarathon nicht wie gewünscht.

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Die Schreie des Konditionstrainers hallen über das ganze Gelände. Den Oberkörper nach vorne gebeugt, die Hände auf einer Mauer gestützt, schwitzt die Erste Mannschaft des VfL Frohnlach in der prallen Sonne. Das wiederaufgenommene Training symbolisiert zwar einerseits, dass beim abstiegsbedrohten Landesligisten nach der coronabedingten Zwangspause wieder ein kleines Stück Normalität eingekehrt ist. Doch der Weg zu alter Stärke wird für den VfL ein schwerer. Denn die Corona-Pandemie nagt an der Existenz des Vereins.

VfL Frohnlach: 100 Jahre Tradition in Gefahr

Das Vereinsgelände des Klubs, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag feierte, liegt etwa 15 Kilometer südöstlich von Coburg. Hier ist neben dem Trainingsplatz auch die Heimspielstätte des VfL Frohnlach. Quasi sinnbildlich ziehen sich sichtbare Risse durch die Tafel, auf der in schwarzen Lettern "Willig-Schillig-Stadion" prangt. Der Name Schillig und der VfL waren bis zuletzt untrennbar.

Jahrzehntelang kickte der VfL in der Bayernliga

1980 stieg der VfL Frohnlach in die Bayernliga, die bis dato höchste Amateuerspielklasse des Landes, auf. Mit kleineren Unterbrechungen hielt sich der Verein dort gut 25 Jahre. Unter anderem der später als HSV-Urgestein bekannt gewordene Harald Spörl ging bereits für den Vfl Frohnlach auf Torejagd.

Hauptsponsor Schillig hinterlässt Finanzloch

Rund 40 Jahre lang hat der lokale Polstermöbelhersteller als Sponsor dafür gesorgt, dass der Verein immer genügend Geld hatte. So zumindest erklärt es Christian Tremel, Sportlicher Leiter des VfL. Das finanzielle Polster existiert nun aber nicht mehr: Die Firma Schillig will künftig kein Geld mehr in den Verein stecken. Als Grund habe das Unternehmen die Corona-Pandemie angegeben, so Tremel.

Kein Spielbetrieb, keine Ticketeinnahmen

Schilligs Rückzug schmälert die Finanzen des VfL Frohnlach empfindlich. Denn dem Verein fehlen bereits seit Monaten die Einnahmen wegen des stillgelegten Spielbetriebs in Bayern. Die verkauften Tickets und Stadionwürste braucht der Klub nicht nur, um das Stadion und das Trainingsgelände instand zu halten. Auch im Amateurfußball werden Spieler und Trainer bezahlt – in Frohnlach verzichten sie bereits seit März auf ihr Gehalt.

Crowdfunding: Erfolgsrezept in Bamberg, fragiles Konstrukt beim VfL

Dieses Schicksal teilt sich der VfL mit vielen Amateurvereinen, die in diesen Zeiten kreativ werden müssen. Ähnlich wie der FC Eintracht Bamberg hat deshalb auch der VfL Frohnlach ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen. Doch die Spendenbereitschaft ist knapp eine Woche vor Ablauf der Frist überschaubar: Von den angepeilten 10.000 Euro fehlen noch fast 8.000. Warum die Ausbeute so mager ist, kann sich Tremel nicht erklären. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als zu hoffen.

Verein muss sich bei Sponsoren breiter aufstellen

Unabhängig vom Ausgang der Spendenaktion muss sich beim VfL künftig etwas ändern. Bisher war der Verein Dank der Unterstützung von Schillig finanziell stets abgesichert, meint Tremel. Auch wenn es gerade schwierig sei, überhaupt Sponsoren aufzutreiben, brauche der Verein jetzt mehr denn je davon. Erst dann kann aus dem Stück Normalität beim VfL Frohnlach wieder Alltag werden.

© BR/Lasse Berger

Derzeit geschlossen: Wann der VfL Frohnlach wieder mit Heimspielen Geld verdienen kann, ist unklar.

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