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Verzögerung bei Impfterminen: Der Unmut wächst | BR24

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Bayerns Gesundheitsminister ist verärgert: Wegen fehlender Lieferungen mussten viele Impftermine verschoben werden - das gefährdet auch das Vertrauen der Menschen in das System.

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Verzögerung bei Impfterminen: Der Unmut wächst

Die Lieferschwierigkeiten von Biontech und Pfizer führen in Bayern zu Absagen von Impfterminen. Die Verärgerung in den Kommunen ist groß, der bayerische Gesundheitsminister sieht den Bund in der Pflicht.

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Von
  • Johannes Reichart

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek ist sauer: "Es ist extrem ärgerlich, wenn man sich vorstellt, dass wir letzten Freitag erfahren haben, dass Impfstoffmengen, die zugesagt waren, nicht kommen und wir gestern am späten Nachmittag dann erst gehört haben, um wie viel es sich überhaupt handelt." Das mache Planbarkeit fast unmöglich so Holetschek. "Und es zerstört auch ein Stück weit Vertrauen der Menschen in die Zuverlässigkeit des Systems", so Holetschek weiter. Das dürfe in Zukunft nicht mehr sein.

Holetschek kritisiert Impfstoff-Beschaffung

Keine zwei Wochen im neuen Amt landen beim Gesundheitsminister die Beschwerden wegen verschobener Impftermine aus ganz Bayern. Holetschek gibt die Kritik an den Lieferverzögerungen weiter nach Berlin: "Die Leute kommen ins Zentrum, stehen dann da, der Termin ist abgesagt. Das ist einfach ärgerlich und wir brauchen mehr Impfstoff. Und ein Stück weit rächt sich heute, dass am Anfang die Europäische Union nicht gleich mehr gekauft hat."

Holetschek macht deutlich: Nun liegt es an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, klare Ansagen zu machen und die Erwartungen der Bundesländer auch vor der EU und dem Hersteller Biontech zu artikulieren.

Gesundheitsministerium verweist auf Umbauarbeiten in Abfüllanlage

Auf Anfrage des BR verweist das Bundesgesundheitsministerium hinsichtlich der Verzögerungen auf die Umbauarbeiten von Pfizer in der Abfüllanlage in Puurs (Belgien). Deswegen sollten lediglich in der kommenden Woche weniger Impfdosen als geplant geliefert werden - statt der geplanten 667.875 Dosen sollen die Länder dann nur 485.550 Impfdosen bekommen.

Laut dem Bundesgesundheitsministerium rechne das Unternehmen aber am 1. Februar mit zwei Prozent, am 8. Februar mit elf Prozent, am 15. Prozent mit elf Prozent und am 22. Februar sogar mit 36 Prozent mehr Dosen als geplant. Die Berechnungen beruhten darauf, dass ab dieser Woche sechs statt bisher fünf Dosen aus einer Impfampulle (Vial) gezogen werden könnten. Doch auch nach der herkömmlichen Berechnung liege die Liefermenge ab Mitte Februar 13 Prozent über dem Plan.

München: Mehr als 1.000 Termine zur Erstimpfung abgesagt

Auch die Stadt München ist verärgert über die Lieferprobleme: Zum einen habe das Rathaus erst sehr spät detaillierte Informationen zu den Verzögerungen erhalten, nämlich erst am vergangenen Samstag. Darüber hinaus habe das Landesamt für Gesundheit (LGL) die Stadt angewiesen, die für den 19. und 22. Januar vorgesehenen Lieferungen nur für anstehende Zweitimpfungen zu verwenden, so das Gesundheitsreferat auf BR-Anfrage.

"An den vollstationären Pflegeeinrichtungen können deshalb neben Zweitimpfungen nur die Impf-Aufklärungsgespräche stattfinden, aber keine Erstimpf-Termine vereinbart werden", heißt es in der Antwort gegenüber dem BR. Rund 1.100 Termine zur Erstimpfung von Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und Rettungsdiensten mussten abgesagt werden.

BRK-Chef sorgt sich um Impfbereitschaft der Bevölkerung

Nachdem das bayerische Gesundheitsministerium gestern bekannt gegeben hatte, dass Bayern bis Mitte Februar rund 13 Prozent weniger Impfstoffdosen erhalten werde, sorgt sich der Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, Theo Zellner, um die Impfbereitschaft der Bevölkerung: "Das ist eine ungute Geschichte und erzeugt auch Unmut. Wir stellen eine gewisse Skepsis in dieser Situation fest und es ist auch kein Wunder, dass damit auch die Motivation nachlässt."

Es müsse dringend etwas getan werden, so Zellner. "Die Leute verstehen das ganz einfach nicht, dass man Termine hat und diese Termine dann abgesagt werden müssen". Dann müsse man wieder neu telefonieren und neue Briefe müssen geschrieben werden.

Seit 15. Dezember stünden die Impfzentren bereit, die Verzögerungen seien ärgerlich und unverständlich. "Tatsache ist, dass wir mehr Impfstoff bräuchten, dass alles bereitsteht, dass die Leute immer willig sind, dass auch geimpft werden könnte. Aber eben dieser Impfstoff nicht zur Verfügung steht", erklärt Zellner.

Rote Kreuz musste 10.000 Impftermine absagen

Schon 10.000 Impftermine musste das Rote Kreuz absagen, eine Vertröstung auf Mitte Februar ist in seinen Augen nicht hinnehmbar. "Berlin muss alles tun als Bundesrepublik Deutschland, dass man an der Stelle mit den Herstellern des Impfstoffs ganz einfach mehr Zugriff bekommt, um die unteren Ebenen bedienen zu können."

Alle Beteiligten erwarten nun, dass der Hersteller Biontech wahr macht, was er angekündigt hatte: ab dem 15. Februar deutlich mehr zu produzieren, um noch im ersten Quartal, also bis zum 1. April, alle zugesagten elf Millionen Impfdosen an Deutschland auszuliefern. Möglich machen sollen das auch weitere Werke des Herstellers im hessischen Marburg und in Halle, Westfalen.

Zudem werden seit der vergangenen Woche auch Impfdosen der Firma Moderna nach Bayern geliefert. Am 12.01. belief sich die Zahl auf 9.600 Dosen, in der kommenden Woche sollen weitere 14.400 Dosen dazu kommen. Geplant ist, dass in KW6 36.000 Dosen nach Bayern geliefert werden und in KW8 noch einmal 106.800.

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