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"Verwaiste Eltern": Trauerbegleitung für Mütter und Väter | BR24

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Können Eltern, die ein Kind verloren haben, wieder glücklich werden? Wie geht man um mit dem Schmerz? Und wie können Freunde und Bekannte helfen? BR-Reporterin Katharina Pfadenhauer im Gespräch mit Susanne Lorenz vom Verein "Verwaiste Eltern".

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"Verwaiste Eltern": Trauerbegleitung für Mütter und Väter

Es ist das schlimmste vorstellbare Ereignis für die meisten Mütter und Väter: der Tod ihres Kindes. Der Verein "Verwaiste Eltern" bietet professionelle Trauerbegleitung an, damit ein glückliches Leben irgendwann wieder möglich ist.

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Vermutlich können Menschen, die nicht das gleiche Schicksal erlebt haben, niemals verstehen, wie jemand leidet, der sein eigenes Kind verloren hat. Aller Trost, das viele Mitgefühl, die Empathie: nicht ausreichend. Das wissen auch die Trauerbegleiter des Vereins "Verwaiste Eltern" - und zwar oft aus eigener Erfahrung.

Trauerbegleiter wissen, wovon sie sprechen

Aufzeigen von neuen Wegen, Bewältigung von Folgeproblemen, Erfahrungsaustausch, das ist das Ziel des Vereins – wenngleich das Feld unerschöpflich scheint. Die Mitglieder des Vereins "Verwaiste Eltern sind professionell ausgebildete Trauerbegleiter und haben oft selbst das gleiche Schicksal erlebt: Sie sind verwaiste Eltern.

"Viele unserer Trauerbegleiter sind für andere ein Kraftquell und Inspiration", sagt Susanne Lorenz. Die Sozialpädagogin leitet die Münchner Geschäftsstelle von "Verwaiste Eltern". Nebenbei ist sie ehrenamtlich als Sterbebegleiterin in Münchner Hospizen tätig. Vergangenes Jahr hat sie die Ausbildung dazu gemacht.

Trauer ändert sich mit der Zeit

"Am Anfang meint man, den Tod des Kindes niemals überstehen zu können. Aber die Trauer wandelt sich, man lernt mit ihr zu leben", sagt Lorenz. Wichtig sei, in dieser Zeit auch für sich selbst zu sorgen und die eigenen Energiereserven immer wieder aufzuladen.

Trauer, das ist ein sich ständig ändernder Prozess, weiß Lorenz – erstmal geht es ums blanke Überleben, irgendwann um den Mut, die Wirklichkeit zu akzeptieren und Gefühle zuzulassen, später lernt man, sich anzupassen und versucht Verbundenheit zu spüren, bis man es irgendwann schafft, weiterzuleben.

Der Trauer Zeit einräumen

Wenn man der Trauer Zeiten einräumt und Raum gibt, beispielsweise durch Rituale, kann man sie ein bisschen leichter steuern, sagt Susanne Lorenz. "Wieder glücklich sein, das kann man schaffen, das ist möglich."

Was helfe, sei der Austausch zwischen den Betroffenen. "Damit sie erst einmal wissen, dass sie nicht alleine sind", so Lorenz. Die Gespräche würden sie oft entlasten, weil sie die traumatischen Erfahrungen für einen Moment abgeben können.

Verschiedene Angebote bieten Halt

In München bietet der Verein neben offenen Gruppen, Einzelberatungen, Selbsthilfegruppen und telefonischer Beratung auch ein Trauercafé, Wanderungen, Führungen, Lesungen und andere Veranstaltungen an.

63 Ehrenamtliche sind für Verwaiste Eltern im Einsatz. Finanzielle Unterstützung bekommt der Verein unter anderem durch das Münchner Sozialreferat, die Erzdiözese München-Freising und den Freistaat.