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Verunsicherung über Corona-Krisenmanagement in Bayern | BR24

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In Deutschland liegt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen inzwischen bei 188. Die steigende Zahl sorgt für Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Apotheker und Ärzte sehen sich für die Beratung nicht ausreichend gerüstet.

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Verunsicherung über Corona-Krisenmanagement in Bayern

Veranstaltungen werden abgesagt, Schüler bleiben zu Hause, Menschen stehen unter Quarantäne - allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz steigt die Zahl der Corona-Infektionen, auch in Bayern. Zudem macht sich Verunsicherung über das Krisenmanagement breit.

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Die Zahl der gemeldeten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist in Bayern auf 22 gestiegen. Das Bayerische Gesundheitsministerium erklärte am Dienstagnachmittag, auch bei einem neuen Fall im Landkreis Passau würden "erforderliche Infektionsschutzmaßnahmen eingeleitet". Gleichzeitig gibt es von Ärzten Kritik am Umgang mit der Infektion.

Aufklärung über Service-Telefon

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) empfiehlt Patienten, die fürchten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, die Service-Telefonnummer 116 117 anzurufen. Dort werde abgeklärt, ob es sinnvoll und notwendig ist, einen Test auf die Infektion vorzunehmen. In diesem Fall würden Patienten vom Fahrdienst der KVB aufgesucht, um einen Testabstrich zu nehmen, sagte ein KVB-Sprecher dem BR.

Dieser Fahrdienst sei ausreichend mit Schutzmaterial ausgestattet, betonte die KVB. Vorher hatten vor allem Hausärzte beklagt, für den hohen Andrang seien die üblichen Vorräte an Schutzkleidung oder Gesichtsmasken nicht ausreichend. Von der Kassenärztlichen Vereinigung hieß es dazu, wenn die Patienten die empfohlenen Wege gehen, müssten die Materialien genügen.

Probleme mit der Service-Nummer

Allerdings berichten Patienten, es sei schwierig, bei der Nummer durchzukommen. Und es gibt auch Kritik an der Informationspolitik der offiziellen Stellen. Der Münchner Hausarzt Hannes Blankenfeld etwa beklagt, viele Informationen seien für Patienten schwer zu verstehen. Er habe auch von Kollegen erfahren, dass Patienten an offiziellen Beratungstelefonen Informationen bekämen, die nicht den offiziellen Empfehlungen zur Krankheitsprävention entsprächen.

So sei einem Patienten, der nach einem Aufenthalt im norditalienischen Mailand Krankheitssymptome verspürte, empfohlen worden, sich eine Woche krankschreiben zu lassen. Die empfohlene Isolationszeit bei Verdachtsfällen beträgt allerdings zwei Wochen.

Coronavirus als neue Herausforderung

Insgesamt zeige sich, dass das deutsche und bayerische Gesundheitswesen auf eine ganz neue Herausforderung wie es das neuartige Coronavirus darstellt, nur bedingt vorbereitet sei, meint der Münchner Hausarzt.

Es gebe keine zentral gesteuerten Abläufe, etwa um die Versorgung mit Schutzkleidung und Gesichtsmasken längerfristig sicherzustellen. Die Pandemie-Pläne seien in vielerlei Hinsicht realitätsfern. Deswegen sei zu befürchten, dass es bald noch stärkere Engpässe etwa bei Schutzmaterial geben werde.

Bayern-SPD kritisiert Informationspolitik

Auch die Bayern-SPD hatte bereits Kritik geäußert. Die Informationspolitik der bayerischen Staatsregierung zum Coronavirus sei unzureichend, beklagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Ruth Waldmann. Es werde gemauert, anstatt der Bevölkerung zu sagen, was gegen die neuesten Infektionsfälle unternommen werde.

"Das ist unverantwortlich. Das Virus ist da, das Thema ist da und die Menschen wollen jetzt wissen, woran sie sind und was die Staatsregierung unternimmt." Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin SPD-Fraktion im Landtag

Die SPD forderte darüber hinaus, Kliniken und Arztpraxen bei der Beschaffung notwendiger Schutzkleidung zu unterstützen. Auf solch einen Ansturm sei man nicht vorbereitet, erklärte Waldmann. Ärzte dürften in einer Epidemiesituation nicht im Stich gelassen werden.

Gesundheitsministerium weist Kritik zurück

Das bayerische Gesundheitsministerium wies die Kritik zurück. Die Aufforderung der SPD, Kliniken und Arztpraxen zu unterstützen, sei "überflüssig und irreführend". Derartige Unterstützungsmaßnahmen wurden bereits eingeleitet. "Denn es ist uns natürlich ein wichtiges Anliegen, dass medizinisches Personal gut ausgerüstet ist", hieß es vonseiten eines Ministeriumsprechers.

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