BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Peter Allgaier / BR
Bildrechte: Peter Allgaier / BR

Kinder zapfen Wasser am Sportheim in Silheim

Per Mail sharen

    Verunreinigtes Wasser in Bibertal: Gemeinde schafft Abhilfe

    Seit Tagen darf in zwei Ortsteilen von Bibertal weder Leitungswasser getrunken noch geduscht werden, weil es mit Bakterien verunreinigt ist. Die Gemeinde versucht jetzt die Not der Bürger durch mehrere Maßnahmen zu lindern.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Allgaier
    • BR24 Redaktion

    Eigentlich hätten sich die Leute hier waschen können, sagt Bernd Weidler. Der zweite Vorstand des FC Silheim läuft durch die Umkleidekabine der Fußballmannschaft und deutet auf vier Duschen. Doch die Infektionsschutzverordnung erlaubt es nicht.

    Jetzt führt ein Schlauch aus dem flachen Gebäude hin zu einem Hahn, von dem an diesem Nachmittag Bürger Wasser abzapfen. Fast im Fünf-Minuten-Takt fahren die Autos vor, einige haben Flaschen, andere gleich ganze Kanister mitgebracht. Dabei darf das Wasser in Silheim, einem Ortsteil der Gemeinde Bibertal, doch wegen Bakterienbefalls eigentlich gar nicht mehr genutzt werden?

    Sportheim wird nicht durch betroffene Leitung versorgt

    Das Sportheim ist jedoch nicht an die Dorfleitung angeschlossen, sondern wird vom Pumpwerk in Pfaffenhofen versorgt, erklärt Weidler: "Das hatte man damals so gebaut, weil viel Wasser gleichzeitig entnommen werden kann."

    Jetzt sind die Silheimer froh um diese Lösung - auch Christa Weber, die samt ihren Enkeln gekommen ist. Mit einem gelben Trichter füllen sie Flaschen auf, insgesamt neun Liter. "Wir sind wirklich sparsam geworden, die Hände waschen wir uns jetzt mit Regenwasser aus der Tonne", sagt Weber. Wie begehrt das geworden ist, was sonst wie selbstverständlich aus dem Hahn läuft, zeigt sich auch im Nachbarort Kissendorf.

    Autoschlange vor der Mehrzweckhalle

    Eine Autoschlange hat sich vor der Mehrzweckhalle gebildet. Die Feuerwehr verlädt Sprudelkisten von einem Laster direkt in den Kofferraum der Fahrzeuge, denn wegen Corona soll niemand sein Auto verlassen. "Wir kalkulieren mit zwei Litern täglich pro Person", sagt Bürgermeister Roman Gepperth. Er versucht das Leben der Bürger in diesen Tagen so erträglich wie möglich zu machen.

    Duschen an der Autobahn oder im Gasthof

    Im ehemaligen Asylcontainer in Bühl können die Bürger jetzt wieder ihre Wäsche waschen. Vier Maschinen stehen dort zur Verfügung. Und sogar das Duschen ist wieder möglich - zum Beispiel in einem Hotel an der A8 oder auch im Landgasthof Waldvogel in Leipheim.

    Stapel von Handtüchern liegen am Eingang, eine junge Frau verteilt Zimmerschlüssel. "Wir haben nicht gedacht, dass es so gut angenommen wird", sagt Stefanie Pröbstle, die Inhaberin des Gasthofs. 25 Zimmer stehen zur Verfügung und die werden an diesem Abend rege genutzt. "Es ist schön endlich wieder frisch zu sein," sagen Leute, die von oben wieder nach unten ins Foyer kommen. Nach jedem Aufenthalt werden die Zimmer gründlich gereinigt und desinfiziert, alle Kosten trägt die Gemeinde.

    Metzgerei muss geschlossen bleiben

    Mit dem Duschen hatte Hans Duft in den vergangenen Tagen keine Probleme, das konnte er bei seiner Tochter erledigen. Doch ihn plagen ganz andere Sorgen. Die Jalousien seiner Metzgerei sind heruntergelassen, die Auslage ist leer. Duft musste seinen Laden schließen. Denn wer mit Fleisch zu tun hat, braucht ständig frisches Wasser, erklärt er. Sei es um Messer oder Maschinen zu reinigen oder auch Eis herzustellen, das für die Wurstproduktion benötigt wird.

    Nur noch ein paar verpackte Würste hängen am Haken, sie sind so konserviert, dass sie auch ein paar Wochen überstehen. "Der Großteil der Waren verdirbt leider", sagt Duft. "Den kann ich eine oder zwei Wochen später nicht mehr meinen Kunden anbieten." Er hofft nun, dass die Behörden das Trinkwasserproblem so schnell wie möglich in den Griff bekommen.

    Wasser in Bibertal ist mit Bakterien verunreinigt

    Etwa 600 Haushalte in den Ortsteilen Kissendorf und Silheim sind derzeit betroffen, nachdem es in der vergangenen Woche zu mehreren Wasserrohrbrüchen in Bibertal gekommen war. Der anfängliche Verdacht, der Geruch könnte von einer Verunreinigung mit einem chemischen Stoff kommen, zum Beispiel Eisen oder Mangan, bestätigte sich bei einer Wasseranalyse jedoch nicht.

    Nach Angaben von Bürgermeister Roman Gepperth wurden Enterokokken und Pseudonomas nachgewiesen. Beide Bakterienarten können gerade bei Menschen mit einer Immunschwäche zu einer Lungenentzündung oder Herzerkrankungen führen. Die nächste Versorgung mit Trinkwasser soll laut einer Ankündigung der Gemeinde Bibertal am Montagabend auf dem Parkplatz der Grundschule Kissendorf stattfinden.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!