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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jens Büttner

Im Landkreis Starnberg und Kurorten wie Bad Füssing warten viele über 80-Jährige noch auf ihren Impftermin. Der Grund: Hier leben besonders viele Hochbetagte. Impfstoff ist generell knapp. Und: Impfdosen werden nach Bevölkerungszahl verteilt.

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Verteilung der Impfstoffe: Senioren brauchen weiterhin Geduld

Im Landkreis Starnberg und Kurorten wie Bad Füssing warten viele über 80-Jährige noch auf ihren Impftermin. Der Grund: Hier leben besonders viele Hochbetagte. Impfstoff ist generell knapp. Und: Impfdosen werden nach Bevölkerungszahl verteilt.

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Von
  • Monika Haas

Aktuell erhalten die Corona-Hotlines in Starnberg über 1.000 Anrufe pro Tag von verunsicherten Bürgerinnen und Bürgern – persönliche Termine können hier zwar nicht vergeben werden. Aber auch Helga Schreglmann hat schon viele Male versucht, in der Hotline durchzukommen, so wie ihre Tochter bislang erfolglos. Dabei wollte sie nur den Termin für ihre Covid-19 Impfung in Erfahrung bringen, für den sie schon lange online angemeldet ist.

"Warum ist da immerzu besetzt und ich werde nicht berücksichtigt bei der Terminvergabe - trotz Hochrisikogruppe?" Helga Schreglmann, Seniorin

Landkreis Starnberg mit überdurchschnittlich hoher Altersstruktur

Die Seniorin ist mehrfach vorerkrankt, kann seit Beginn der Pandemie ihr Haus nicht mehr verlassen und hat kaum soziale Kontakte. Eine Covid-Erkrankung wäre für sie lebensbedrohlich. Trotzdem ist kein Impftermin in Aussicht.

"Es ist zum Verzweifeln. Wir Älteren werden einfach zurückgesetzt, sofern wir nicht in einem Heim leben." Helga Schreglmann, Seniorin

Der Hauptgrund dafür, dass sie immer noch auf eine Terminzusage wartet und warum die Durchimpfung der Senioren über 80 noch immer andauert, ist die regionale Bevölkerungsstruktur: Im Landkreis Starnberg mit rund 136.000 Einwohnern leben überdurchschnittlich viele Hochbetagte, 11.000 Menschen fallen aufgrund ihres Alters (80 Jahre und älter) in die Gruppe der höchsten Priorisierungsstufe. Allerdings kommen dazu noch über 1.200 Altersheimplätze und Pflegeeinrichtungen, zehn Kliniken und Arztpraxen, mit Personal, das ebenfalls höchste Priorität bei der Corona-Impfung hat.

"Dafür ist einfach zu wenig Impfstoff da, um rasch voranzukommen. Insgesamt haben wir aber schon über 10.000 Impfungen absolviert. Wir kommen also Schritt für Schritt voran." Stefan Frey (CSU), Landrat Starnberg

Er weiß aber, dass trotz dieser Erfolge das Unverständnis wächst und auch die Sorge vieler betagter Menschen im Landkreis, bei der Impfterminvergabe beim Impfzentrum oder durch mobile Teams benachteiligt oder übersehen zu werden. Bislang sind erst 3.200 der über 80-Jährigen geimpft.

Keine Priorisierung der Impfstoffverteilung nach Altersstruktur

Dass sie ohne irgendeine greifbare Perspektive auf einen Termin warten, kritisieren auch Einwohner anderer Orte, die bei Senioren beliebt sind, wie beispielsweise Bad Füssing in Niederbayern.

Fakt ist: Die örtlichen Impfzentren können keine Priorisierung der Impftermine nach Alter vornehmen. Der Verteilungsschlüssel der Impfstoffdosen über die koordinierende Stelle Impfstoff (KOST) erfolgt strikt nach Bevölkerungsproporz, d.h. der Einwohnerzahl und dem gemeldeten Bedarf durch die Bezirksregierungen.

"Die Koordinatoren an den Regierungen übernehmen die jeweilige Zuteilung für die Impfzentren. Dadurch lassen sich regionale Gegebenheiten, wie beispielsweise das Vorhandensein von besonders vielen Pflegeeinrichtungen, in einem Landkreis berücksichtigen." Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Mangelverwaltung noch bis Anfang April

Der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU) hat allerdings erfolglos versucht, für seine vielen älteren Mitbürger mehr Impfdosen zu erhalten. Auch im Landkreis Miesbach fehlt bislang genug Impfstoff, um die komplette Kohorte der über 80-Jährigen mit Impfterminen gegen Covid-19 zu versorgen.

"Ich konnte bislang nie mehr Impfstoffe bestellen, damit ich gezielt Termine für ältere Menschen anbieten kann. Es gibt einfach viel zu wenig." Beate Faus, Leiterin Impfzentrum Miesbach

Algorithmus vergibt Impftermine

Der Algorithmus der Software, nach dem in Bayern Corona-Impftermine vergeben werden, ist auch für die Leitungen der bayerischen Impfzentren eine Blackbox. Bislang unterteilt das staatliche Online-Registrierungsportal BayIMCO (Bayerisches Impfmanagement gegen Corona) automatisch in über und unter 65-Jährige. Eine strikte Reihenfolge nach Geburtsjahr erfolgt dabei nicht. Zusatzdaten zu Vorerkrankungen oder die Einteilung in Risiko-Gruppen werden miteinberechnet, sind aber für die Mitarbeiter vor Ort weder einzusehen, noch zu verändern. Auch weil nicht ausreichend Impfstoff vorliegt, erhalten inzwischen viele deutlich Jüngere eine Impfung, während Hochbetagte weiter warten.

"Wir können nur Zeitfenster freigeben, abhängig von den Impfstoffdosen, die wir haben, also pro 15 Minuten werden zehn oder mehr Menschen eingeladen. Es ist uns aber nicht möglich, zu bestimmen, dabei nur über 80-Jährige zu impfen." Beate Faus, Leiterin Impfzentrum Miesbach

Auch Veränderungen in der Impfstrategie, wie die Priorisierung von Kita-Personal oder Lehrkräften verzögern die Terminvergaben entsprechend des gesetzlich vorgegebenen Stufenplans. Denn für diese sogenannten "Randschienen" mit erhöhtem Infektionsrisiko müssen die Mitarbeiter vor Ort manuell Daten eingeben, was Zeit und Kapazitäten bindet.

Höheres Tempo der Terminvergabe

Der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU) hofft deshalb, dass der Impfstoff von Astrazeneca bald das Impf-Tempo erhöht, nachdem er jetzt auch für über 65-Jährige empfohlen ist. Damit steht ihm in Kürze deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung, auch für mobile Impfteams.

Das Corona-Impfzentrum in Miesbach plant Erweiterungen und will schon bald bereit sein, um bis zu 850 Menschen pro Tag zu immunisieren. Alle bayerischen Landkreise rechnen ab Anfang April mit deutlich größeren Impfstoffmengen.

"Wir hoffen, dass dann auch die Hausärzte bald impfen können, weil sie dann auch die Menschen erreichen, die bettlägerig oder hochbetagt und nicht mobil sind." Stefan Frey (CSU), Landrat Starnberg

AHA-Regeln weiterhin notwendig

Allerdings müssen dazu noch verwaltungsrechtliche Fragen geklärt werden. Helga Schreglmann hofft, dass ihre Hausärztin sie bald impfen kann, wenn auch Astrazeneca für sie geeignet erscheint. Mit knapp 80 Jahren und stark erhöhten Gesundheits-Risiken will sie mithilfe ihrer Tochter einen Antrag bei der neu eingerichteten Bayerischen Impfkommission stellen. Um doch noch eine Chance zu bekommen, als Härtefall schon in absehbarer Zeit in der Impf-Reihenfolge vorzurücken.

Weiterhin ist in Bayern aber grundsätzlich eine besondere Rücksichtnahme und die strikte Einhaltung der AHA-Regeln im Umgang mit Seniorinnen und Senioren nötig, denn eine Corona-Infektion bleibt für die Altersgruppe bis zur Impfung lebensbedrohlich.

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