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Versuch in Corona-Zeiten: Lüften, wenn die Ampel Rot zeigt | BR24

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Regelmäßiges Lüften soll verhindern, dass sich Schüler im Klassenzimmer mit Corona infizieren. Am Nürnberger Melanchtongymnasium werden nun Sensoren getestet, welche die Aerosol-Konzentration in der Raumluft messen.

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Versuch in Corona-Zeiten: Lüften, wenn die Ampel Rot zeigt

Fenster auf, kalte Luft rein: Um die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen, soll in Bayerns Klassenzimmern alle 45 Minuten gelüftet werden. Viele fragen: Ist das überhaupt nötig? Messgeräte in Klassenzimmern sollen diese Frage beantworten können.

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Von
  • Eleonore Birkenstock

Das Gerät sieht unscheinbar aus und ist kleiner als ein Handy: Das Messgerät, das Peter Heumann von der Firma Rehnig an der Wand befestigt, ist weiß und hat ein graues Display. In den kommenden Wochen soll in jedem der fünfzig Unterrichtsräume im Nürnberger Melanchthon-Gymnasium eines dieser Geräte hängen.

Gerät misst CO2-Gehalt und Aerosol-Partikel

Auf dem Display des Messgerätes ist die Raumtemperatur zu sehen, aber auch eine Kurve mit einer Zahl darüber. Diese Zahl zeigt den Wert "parts per million". Dabei handelt es sich um die Aerosolpartikel, die sich in der Luft befinden. Das sind die feuchten Teilchen in der Luft, die zum Beispiel den Corona-Virus übertragen können. Sensoren in dem Messgerät sollen die Konzentration dieser Partikel in der Luft erfassen.

Warnung bei zu hohem Aerosol-Wert

Übersteigen die Aerosole im Raum einen Grenzwert, zeigt das Gerät eine Warnung an. Dann weiß die Klasse, dass sie die Fenster aufmachen müssen und lüften müssten. Die Warnung wird aber auch per Datenübermittlung in das Büro des Direktors übertragen. Hermann Lind, Leiter des Melanchthon-Gymnasiums, sieht dann auf seinem Bildschirm, in welchem Raum die Fenster geöffnet werden müssen.

Zielgenaues Lüften mit der Ampel

Sollte in einem Klassenzimmer der Grenzwert überschritten werden, springt auf dem Bildschirm des Schuldirektors die Ampel für den Raum von Grün auf Orange, bei einem kritischen Wert auf Rot. Mit diesem System könne man gezielt lüften, erklärt der Schulleiter des Melanchthon-Gymnasiums. "Das verschafft uns Sicherheit", so Lind.

Messgeräte zeigen an, wann Zeit ist zum Lüften

Die Firma Rehnig aus Neustadt an der Aisch stellt die Messgeräte zur Verfügung. Normalerweise stellt die Firma Geräte her, die die Feuchtigkeit oder den Schimmelbefall in Wohngebäuden messen. Auch Rauchmelder gehören zum Produktportfolio. Rehnig beschäftigt sich vor allem um die digitale Erfassung und Übertragung der gemessenen Daten.

Aerosol-Modellprojekt soll ein Jahr lang laufen

Nun wollen Unternehmen, Melanchthon-Gymnasium und die Stadt Nürnberg dieses Messsystem ein Jahr lang testen. Für das Modellprojekt haben die drei Beteiligten einen Vertrag unterzeichnet. Eine erste Bewertung wird es in drei bis sechs Monaten geben, sagt Michael Kaiser vom Schulreferat Nürnberg. "So können wir diesen Versuch jetzt als Einzelversuch laufen lassen", so Kaiser.

Auch in den anderen Nürnberger Schulen soll gemessen werden

Die weiteren 140 Schulen in Nürnberg bekommen mobile CO2-Messgeräte für die Klassenzimmer. Bis Weihnachten sollen 4.800 dieser Geräte in den Klassenzimmern stehen. "Dort findet keine Datenübertragung statt, sondern nur der Lehrer vor Ort sieht: Jetzt muss ich lüften", erklärt Michael Kaiser vom städtischen Schulreferat. Außerdem habe die Stadt Luftreinigungsgeräte bestellt, die in Turnhallen und Klassenzimmern, die sich schwer lüften lassen, aufgestellt werden sollen. Kaiser geht davon aus, dass diese im Januar bereitstehen.

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