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Versetzter Gesundheitsamts-Chef kritisiert Staatsregierung | BR24

© BR/Barbara Leinfelder

Der Chef des Aichacher Gesundheitsamtes, Dr. Friedrich Pürner, wird ans LGL abgeordnet.

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    Versetzter Gesundheitsamts-Chef kritisiert Staatsregierung

    In Medien und sozialen Netzwerken kritisiert Friedrich Pürner Teile des bayerischen Anti-Corona-Kurses - nun wurde der bisherige Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg versetzt. An ihm solle ein Exempel statuiert werden, beklagt der Arzt.

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    Von
    • Eva Lell

    Der Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg, Friedrich Pürner, hat seine Abordnung an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) als "Strafversetzung" bezeichnet. Wörtlich sagte Pürner in einer virtuellen Pressekonferenz am Freitag: "Mit dieser Strafversetzung soll ein Exempel statuiert werden. Das ist meine persönliche Meinung, so empfinde ich das. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, dass sich keine weiteren Amtsärzte mehr beschweren über Vorgänge und Maßnahmen."

    Er komme zu dieser Einschätzung, weil die Abordnung so schnell ging und weil keiner ihm sagen könne, welche Aufgabe er am LGL übernehme, erklärte Pürner. Er hatte in der Vergangenheit auf Twitter und in vielen Medien, auch im BR, mehrfach den Anti-Corona-Kurs der Staatsregierung teilweise kritisiert. Beispielsweise mahnt er zur Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen und kritisiert den gegenwärtigen Fokus auf die Inzidenzwerte. Pürner fordert, mehr auf Gebote statt Verbote zu setzen. Er bezweifelt außerdem die Wirksamkeit von "Community-Masken", also sogenannten Alltagsmasken etwa aus Stoff.

    Staatssekretär: "Spannende Herausforderung" für Pürner

    Bayerns Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek, CSU, sprach im BR dagegen von einer "spannenden Herausforderung" für Pürner. Er betonte, dass keine disziplinarischen Maßnahmen eingeleitet worden seien. Vielmehr brauche man für das neue Sachgebiet am LGL einen erfahrenen Arzt, der bereits ein Gesundheitsamt geleitet habe und auch das Landesamt kenne.

    Dass das Sachgebiet so schnell aufgebaut werden muss, begründet Holetschek damit, dass in Corona-Zeiten sich Dinge sehr schnell änderten. Der öffentliche Gesundheitsdienst werde nun ausgebaut und dafür brauche es ein entsprechendes Sachgebiet am LGL. Vor einigen Tagen hatte Holetschek bereits gesagt, man solle sich angesichts gestiegener Corona-Zahlen "auf die Sache konzentrieren, statt eine Personalie hochzuspielen, an der es nichts hochzuspielen gibt".

    FDP: "Exempel an einem Söder-Kritiker statuiert"

    Unterstützung bekommt Pürner von AfD und FDP im Landtag. Aus der AfD-Fraktion hieß es, es könne nicht sein, dass in Bayern, in einem demokratischen Rechtsstaat, die Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wird. Der FDP-Gesundheitsexperte Dominik Spitzer teilte schriftlich mit: Viele Menschen würden die Versetzung so einschätzen, "dass hier ein Exempel an einem Söder-Kritiker statuiert werden soll. Solche Muskelspiele sind in Pandemiezeiten absolut unangebracht. Sie sind Wasser auf die Mühlen der Corona-Leugner, die den Staat ohnehin als repressiv wahrnehmen."

    Für seine Äußerungen bekommt Pürner im Internet viel Beifall von Corona-Leugnern. Dazu sagte der 53-Jährige vor einigen Wochen: "Man kann sich nicht aussuchen, wer einen benutzt. Ich distanziere mich ausdrücklich von diesen Gruppierungen, vor allem von der AfD."

    Pürner: "Überdramatisierung" der Lage

    Pürner betonte bei der heutigen virtuellen Pressekonferenz, er habe zu keiner Zeit die Strategie der Staatsregierung komplett in Frage gestellt. Er wolle eine fachliche Diskussion, ohne in die Ecke der Corona-Leugner gestellt zu werden. Pürner betonte: "Ich habe die Wahrheit nicht gepachtet". Gleichzeitig sprach er von einer "Überdramatisierung" der Lage. Er wolle mehr Eigenverantwortung der Bürger, etwa bei der Frage, ob in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen sei.

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