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Verschwörungstheorien zu Corona: "Das ist ein idealer Nährboden" | BR24

© dpa-Bildfunk

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Verschwörungstheorien zu Corona: "Das ist ein idealer Nährboden"

Parallel zum Coronavirus verbreiten sich auch die Verschwörungstheorien. Zum Beispiel, dass das Virus gar nicht existieren würde. Der Augsburger Journalist und Autor Bernd Harder gibt Antworten, wer hinter solchen Verschwörungstheorien steckt.

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"Das Coronavirus wurde bewusst von den Chinesen geschaffen. Das Virus soll die Bevölkerung in Deutschland dezimieren, um Platz für Zuwanderer zu schaffen." Solche Verschwörungstheorien geistern aktuell zum Coronavirus durch die Welt. Der Augsburger Journalist und Autor Bernd Harder im Interview.

Herr Harder, was sind das für Menschen, die solche Verschwörungstheorien in die Welt setzen?

Bernd Harder: "Die Leute, die das bewusst verbreiten, die haben ganz gezielte Interessen. Die wollen diese Angst und diese Verunsicherung, die wir alle spüren, noch weiter anheizen aus verschiedenen Gründen. Viele, die medizinische Unwahrheiten verbreiten, die wollen einfach ihre eigenen Produkte verhökern. Da ist immer irgendein Shop im Hintergrund, für Nahrungsergänzungsmittel oder für sonst was. Andere Leute wollen ganz gezielt destabilisieren. Die sehen jetzt ihre große Stunde kommen, um den für sie verhassten Staat und die Lügenmedien, wie sie sie nennen, komplett zu Destabilisieren und sich dann als starker Mann aufspielen zu können."

Nutzt es etwas, wenn man sich mit diesen Menschen auseinandersetzt? Haben Sie das schon mal versucht?

Bernd Harder: "Oh gewiss, Ja. Also mit Leuten, die da wirklich zutiefst daran glauben, oder mit den Protagonisten, die das in Umlauf bringen, ist jede Diskussion vollkommen sinnlos. Da kann man mit Argumenten überhaupt nix machen. Mit Leuten, die das nebenbei mitkriegen bei Facebook, da kann man es natürlich versuchen. Ich denke, das Wichtigste, was man im Moment tun muss: Man darf auf keinen Fall nur das glauben, was der eigenen Meinung entspricht. Klar, wir würden alle gerne lesen, dass das alles völlig harmlos ist, dass es keine Ausgangssperre gebe, dass das alles ganz schnell vorbei ist. Aber das gibt es eben nicht. Es gibt in einer so komplexen Situation keine einfachen Antworten, und wir sollten jedem Misstrauen, der behauptet, er hat einfache Antworten."

© BR

Bernd Harder zu Verschwörungstheorien

Jetzt ist die eine Seite sind die Menschen, die solche Verschwörungstheorien in die Welt setzen. Es braucht aber auch eine andere Gruppe, damit sowas auf fruchtbaren Boden fällt. Gibt es denn Menschen, die besonders empfänglich sind für solche Botschaften?

Bernd Harder: "Das wenige, was man aus der Psychologie über Verschwörungsgläubige weiß, ist, dass es tatsächlich so eine gewisse seelische Disposition dafür gibt. Das sind in aller Regel Menschen, die sich isoliert und machtlos fühlen und die so ein bisschen die Kontrolle über ihr Leben verloren haben. Also die nicht mehr so richtig verstehen, was eigentlich um sie herum vor sich geht, die mit dieser ganzen Komplexität nicht zurechtkommen. Und da sucht man dann eben nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen. Und dafür sind Verschwörungstheorie natürlich perfekt."

Ist das Corona Virus ein besonders guter Fall damit sich solche Verschwörungstheorien bilden können?

Bernd Harder: "Es ist natürlich ein idealer Nährboden. Wir haben eine sehr komplexe, sehr unübersichtliche Situation, die sich jeden Tag ändert. Die Ärzte und die Wissenschaftler können auch nicht so ganz genau vorhersagen, was eigentlich passieren wird. Und wir alle haben natürlich ein bisschen Angst, was da jetzt passiert und wie das weitergehen soll. Und diese drei Sachen Angst, Unsicherheit und Komplexität das ist der ideale Nährboden dafür."

Jetzt gibt es Menschen, die sind natürlich auch ein bisschen ängstlich. Was würden Sie dehnenden raten? In Bezug auf Verschwörungstheorien?

Bernd Harder: "Man tut sich gerade, wenn man vielleicht ein bisschen ängstlich und unsicher ist, überhaupt keinen Gefallen, diese Verschwörungstheorien oder Fake News zu konsumieren. Das ist natürlich klar, dass jeder von uns im Moment versucht, sich möglichst umfassend zu informieren. Jeder will hier einen Informationsvorsprung haben. Jeder will ja mehr wissen als die anderen. Aber die große Gefahr darin ist halt nicht, dass wir zu wenig wissen, sondern dass wir zuviel wissen. Deshalb ist weniger eigentlich eher mehr. Sich nicht verrückt machen lassen, nicht den ganzen Tag am Internet hängen, nicht alles in Echtzeit verfolgen, sondern vielleicht einfach mal zwei Stunden spazieren gehen und dann mit der Nachbarin darüber reden, ob die das genauso für plausibel hält."

Bernd Harder ist Journalist, Autor und Experte in Sachen Verschwörungstheorien.