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Verschoben: Wiesen-Walzen heuer bis 1. April erlaubt | BR24

© BR/Christine Schneider

Im Frühjahr walzen Landwirte ihre Wiesen, um Maulwurfshügel einzuebnen, nach dem Winter den Boden wieder zu glätten und Unkraut zu minimieren. Im neuen Artenschutz-Gesetz ist das aber nur bis 15. März erlaubt. Jetzt wurde der Termin flexibilisiert.

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Verschoben: Wiesen-Walzen heuer bis 1. April erlaubt

Im Frühjahr walzen Landwirte ihre Wiesen, um Maulwurfshügel einzuebnen, nach dem Winter den Boden wieder zu glätten und Unkraut zu minimieren. Im neuen Artenschutz-Gesetz ist das aber nur bis 15. März erlaubt. Jetzt wurde der Termin flexibilisiert.

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Den vorverlegten Termin für das Ende des Wiesen-Walzens am 15. März gibt es aufgrund des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" im letzten Jahr. Nach fast 1,75 Millionen Unterschriften übernahm die Staatsregierung mit einem Federstrich alle Forderungen der Umweltschützer und machte sie zum sogenannten "Versöhnungsgesetz".

Die Begründung für den Termin am 15. März: Nester von Wiesenbrütern wie dem Brachvogel oder dem Kiebitz müssen geschützt werden. Auch Amphibien wie Frösche und Kröten sollen bei ihren Wanderungen nicht getötet werden.

Problem: Im März liegt stellenweise noch Schnee

Die Landwirte haben aber schon damals bei der Diskussion mit den Umweltschützern am sogenannten Runden Tisch heftig kritisiert, dass ein fixer Termin wie der 15. März zu starr ist. Man müsse ihn flexibilisieren, forderte damals auch Landwirtin Monika Mayer aus dem Oberallgäu. Denn im März liegt mancherorts noch Schnee. Dennoch kam der Termin ins Gesetz.

Auch im Allgäu bei Biobäuerin Monika Mayer liegt im März meist noch Schnee. Sie walzt jedes Frühjahr rund ein Drittel ihrer 35 Hektar Wiesen - wenn auch nur dort, wo es notwendig ist. Sie stimmt das Gewicht der Walze auf den Boden ab, indem sie sie mit Wasser füllt: Je trockener der Boden ist, desto schwerer macht man die Walze - bis zu 4,5 Tonnen.

Vor dem 15. März konnte die Landwirtin aber noch nie walzen, sondern meist erst gegen Ende des Monats. Heuer sind die Wiesen zwar fast überall schneefrei, aber es ist viel zu nass, um mit dem Traktor und der schweren Walze die Flächen zu befahren. Man würde sonst den Boden schädigen.

Walzen der Wiesen ist wichtig

Im Winter hebt sich durch den Frost der Boden etwas an. Mit der Walze werden die Wurzeln der Gräser wieder fest mit dem Erdreich verbunden und können so besser wachsen. Die Walze minimiert auch Unkräuter wie Ampfer und beseitigt vor allem die Hügel von Maulwürfen und Wühlmäusen. Denn sonst kann bei der Mahd Erde ins Futter gelangen.

Regierungsbezirke dürfen Stichtag fürs Walzen flexibel gestalten

Ein einheitlicher Termin für ganz Bayern am 15. März ist unsinnig, das gestehen mittlerweile auch die Initiatoren des Volksbegehrens ein. Das strikte Datum wurde zu voreilig festgelegt, erkennt auch Matthias Luy vom Landesbund für Vogelschutz an. Grundsätzlich sei die Regelung aber sinnvoll: "Es geht darum, die Tiere draußen zu schützen vor dem Plattwalzen."

Die praktische Umsetzung des Walzverbotes wird jetzt über eine Allgemeinverfügung geregelt: Die einzelnen Regierungsbezirke können den Stichtag nach hinten verschieben. Für heuer haben inzwischen alle sieben bayerischen Bezirke den 1. April festgelegt. Ausgenommen sind allerdings alle Wiesenbrütergebiete, die in Karten des Landesamts für Umwelt online eingesehen werden können.

Monika Mayers Wiesen sind davon nicht betroffen. Sie kann mit der jetzigen allgemeingültigen Regelung gut leben: "Es wäre fatal gewesen, wenn jeder einzelne Landwirt einen Antrag hätte stellen müssen, das wäre ein Bürokratie-Monster geworden."

Diskussionen ums Schleppen und Striegeln

Während die Landwirte jetzt erstmal zufrieden sind, sieht Matthias Luy vom Landesbund für Vogelschutz allerdings ein anderes Problem. Während das Walzen heuer also ab dem 1. April bis zur ersten Mahd verboten ist, bleiben andere Techniken erlaubt, um Unebenheiten in der Wiese zu beseitigen: Striegeln und Schleppen.

In vielen Gebieten wird laut dem Vogelschutzexperten Matthias Luy nicht gewalzt, sondern die Landwirte schleppen die Wiesen mit Kettengehängen am Traktor ab. Das habe die gleiche Wirkung wie das Walzen, sagt Luy: "Gelege von Vögeln und Amphibien wie Grasfrösche oder Erdkröten werden zerdrückt.

Sollte das Artenschutz-Gesetz irgendwann nachgebessert werden, würde Matthias Luy auch das Wiesenschleppen und Striegeln ab einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr verbieten. Fraglich ist, warum man das nicht schon vor einem Jahr beim Volksbegehren mit berücksichtigt hat.

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