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Verschärfte Testpflicht sorgt für Staus an Grenzübergängen | BR24

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An einigen Grenzübergängen zwischen Tschechien und Bayern haben sich am Morgen Staus gebildet. Vor allem Grenzgänger aus Tschechien wollten Corona-Schnelltests durchführen lassen wollten, bevor sie zur Arbeit nach Deutschland fahren.

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Verschärfte Testpflicht sorgt für Staus an Grenzübergängen

An einigen Grenzübergängen zwischen Tschechien und Bayern ist es aufgrund der verschärften Testpflicht zu Staus gekommen. Vor allem Pendler aus Tschechien wollten vor Arbeitsbeginn Schnelltests machen. Langsam normalisiert sich die Lage wieder.

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Von
  • Rudolf Heinz
  • Renate Roßberger
  • Guido Fromm
  • BR24 Redaktion

Nachdem sich der Verkehr Montagfrüh am Grenzübergang Furth im Wald wegen der verschärften Corona-Testpflicht für Grenzpendler gestaut hatte, normalisiert sich die Lage allmählich. Bis gegen 9 Uhr hatten Autos über mehrere Hundert Meter bis nach Tschechien hinein gestanden.

Grund dafür war aber nicht nur, dass sich viele Pendler aus Tschechien vor der Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz in Deutschland noch einem Schnelltest unterziehen wollten, sondern auch, dass einige, die schon ein negatives Ergebnis in der Tasche hatten, einfach nicht durchkamen, weil es zu wenige freie Fahrbahnen gab. Die Folge: Wartezeiten von eineinhalb bis zwei Stunden - zum großen Teil im Auto, für Testwillige aber rund 30 Minuten bei minus drei Grad im Freien vor dem Testzentrum.

In Waldmünchen im Oberpfälzer Landkreis Cham standen bereits kurz nach 6 Uhr etwa 300 Fahrzeuge, in Furth im Wald um die 400, teilte ein Polizeisprecher mit. Der Rückstau reichte bis nach Tschechien. An der Teststation selbst standen zu diesem Zeitpunkt bereits 200 Menschen.

Söder bleibt konsequent

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist in einem Telefonat mit dem tschechischen Regierungschef Andrej Babis am Montag nicht von der Corona-Testpflicht für Einreisende abgerückt. Es sei ein konstruktiver Austausch gewesen, sagte ein bayerischer Regierungssprecher anschließend. Söder habe aber zum Ausdruck gebracht, dass der Freistaat auf der Testpflicht bei der Einreise nach Bayern bestehe. Gleichwohl sei man zuversichtlich, dass sich die Lage an der Grenze normalisiere.

Kapazitäten sollen erhöht werden

Der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) kündigte bereits an, dass man die Kapazitäten vor Ort noch einmal erhöhen wolle, um die Tests in den kommenden Tagen zügiger abwickeln zu können. Insgesamt sei er mit dem Verlauf des bisherigen Tages aber nicht unzufrieden.

Seit dem Wochenende müssen Einreisende aus Tschechien ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen, das nicht älter als 48 Stunden sein darf. Für Pendler bedeutet das: zwei bis drei Tests pro Woche, was viele - so die Reaktionen am Montag - als Schikane empfinden.

Testpflicht - Belastung für Firmen

Auch Richard Brunner von der Geschäftsstelle Cham der IHK Regensburg sprach von einer enormen Belastung für Firmen in der Oberpfalz: Buslinien würden ausfallen, weil Busfahrer nicht da seien, Handwerker auf Baustellen fehlen, wenn sie statt am Arbeitsplatz im Stau oder in der Warteschlange an der Teststation stehen.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich die Wirtschaft mehr Planbarkeit wünsche. Im aktuellen Fall sei die Regelung erst am Freitag angekündigt worden und über das Wochenende in Kraft getreten - "und am Montag soll es funktionieren." Faktisch sei die Vorgabe, dass sich tschechische Mitarbeiter bis zu dreimal pro Woche testen lassen sollen, auch fast nicht umsetzbar. Brunner nannte es dennoch beachtlich, was am Grenzübergang Furth im Wald seit Freitag auf die Beine gestellt worden sei.

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Die verschärften Einreiseregeln für Grenzgänger und Pender aus Tschechien haben am Montagmorgen zu Staus geführt.

Dagegen lief der Tag am Grenzübergang Schirnding im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel, wo am Sonntag großer Andrang herrschte, etwas ruhiger an. Die Station sei seit 5 Uhr in Betrieb und es habe zunächst keine Verkehrsbehinderungen gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Er gehe davon aus, dass sich die meisten Pendler bereits am Wochenende haben testen lassen.

In Niederbayern gab es am Morgen zwar Schlangen vor den Teststationen - jedoch lief alles "gesittet" ab, so die Polizei. Ab 5 Uhr war der Parkplatz der Teststation in Bayerisch Eisenstein im Kreis Regen voll. Mehrere tschechische Pendler parkten entlang der B11. Es habe aber kein Verkehrschaos gegeben. Die Leute standen "geduldig" teils zwei Stunden lang in der Kälte an, heißt es. Am Grenzübergang Philippsreut, wo der Landkreis Freyung-Grafenau seine Teststation gar nicht abgebaut hatte, war es auch voll, aber deutlich entspannter als an manch anderen Übergängen. Der Landkreis hatte die Teststation außer der Reihe schon am Samstag und Sonntag geöffnet. Mehr als 1.200 PCR-Abstriche wurden dort schon am Wochenende gemacht.

Tschechien gilt als Hochinzidenzgebiet

Weil Deutschland Tschechien auf die Liste der Hochrisikogebiete gesetzt hatte, dürfen auch regelmäßige Grenzgänger und Grenzpendler nur noch mit einem höchsten 48 Stunden alten negativen Corona-Test aus Tschechien einreisen. Das bedeutet: Einige benötigen mehrere Tests pro Woche. Bisher mussten sich Grenzgänger und Pendler nur einmal pro Woche testen lassen, aber auch erst wieder seit einer Woche. Davor waren die Tests wochenlang nur freiwillig, nachdem die Testpflicht durch die Klage von zwei österreichischen Schülern gekippt worden war.

Landkreise richten Schnelltest-Stationen ein

Um das dadurch deutlich erhöhte Testvolumen bewältigen zu können, haben einige Landkreise an der Grenze Schnellteststationen errichtet. Der Landkreis Cham tat dies an den Übergängen Furth im Wald und Waldmünchen, der Landkreis Tirschenreuth in Waldsassen, der Landkreis Regen in der Arberlandhalle in Bayerisch Eisenstein. Allein in Bayerisch Eisenstein sind am Montagvormittag vom Roten Kreuz rund 500 Schnelltests gemacht worden. Alle hatten ein negatives Testergebnis. Das gab das Landratsamt Regen bekannt. Wegen des großen Andrangs am Morgen wird die Station in der Eisensteiner Arberlandhalle am Montagnachmittag zwischen 16 und 18 Uhr, also zum Feierabend der meisten Pendler, noch einmal geöffnet. Ob es weitere Zusatz-Testangebote für Pendler in den nächsten Tagen gibt, wird im Lauf des Tages entschieden.

Zusätzlich zu den Schnelltest-Stationen sind die bestehenden Teststationen geöffnet, wie zum Beispiel in Schirnding, Tirschenreuth oder Philippsreut im Landkreis Freyung-Grafenau.

Getestete müssen umgehend weiterfahren

Um Staus zu minimieren, sollen getestete Pendler anschließend sofort weiterfahren. Sie bekommen ihr Ergebnis aufs Handy, dürfen dann aber bei einem positiven Ergebnis ihre Arbeit nicht antreten, sondern müssen wieder nach Hause oder zum PCR-Test. In Furth im Wald sorgen Security-Mitarbeiter dafür, dass alles geordnet abläuft und die Wartenden an der Teststation zum Beispiel die Abstände einhalten.

Tausende Tests in jeder Woche

Die Grenzlandkreise hoffen, dass die tschechischen Beschäftigten in nächster Zeit auch die Testmöglichkeiten im eigenen Heimatland nutzen, damit die Kapazitäten reichen. Alleine in Niederbayern und der Oberpfalz gibt es rund 17.000 tschechische Pendler. Allerdings ist ein Teil davon, vor allem die Beschäftigten aus den geschlossenen Bereichen Gastronomie und Tourismus, derzeit nicht im Dienst.

Auch deutsche Pendler müssen sich testen lassen

Die 48-Stunden-Testpflicht gilt auch für Deutsche, die nach Tschechien zur Arbeit pendeln. Betroffen sind davon vor allem Selbständige und Führungskräfte in den tschechischen Zweigwerken deutscher Firmen. Viele von ihnen lassen sich aber beim Hausarzt testen und fahren auch nicht täglich hin und her.

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Die Schlange der Testwilligen wuchs am Morgen stetig an.

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Ein Schild weist den Testwilligen den Weg.

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Die Teststation wurde in einem ehemaligen Abfertigungsgebäude des Zolls eingerichtet.

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