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Gesägtes Holz liegt übereinander geschichtet auf einem Stapel.

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    Verordnung zum Holzeinschlag: Eine "unglückliche" Entscheidung

    Eine Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministerium sorgt bei den bayerischen Waldbauern und der gesamten Holzwirtschaft für Ärger. Das Papier schränkt den Einschlag von Fichten bis Ende September ein - trotz angespannter Situation am Holzmarkt.

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    Von
    • Florian Kienast

    Die Verordnung, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am 14. April unterzeichnet hat, verfügt, dass bei der Fichte der Holzeinschlag auf 85 Prozent reduziert wird. Das gilt rückwirkend für den Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021 – also für das sogenannte Forstwirtschaftsjahr 2021. Grundlage der Berechnung, wieviel Holz Forstbetriebe ernten dürfen, sind die Jahre 2013 bis 2017. Aus der Holzmenge, die in diesen Jahren geerntet wurde, werden die 85 Prozent errechnet. Was nicht angerechnet wird, ist Schadholz, etwa durch den Borkenkäfer, Schneebruch oder Sturmschäden.

    Die Kleinen trifft es am meisten

    Dass diese Verordnung ausgerechnet jetzt in Kraft gesetzt wird, ärgert vor allem die kleinen Waldbauern. Johann Stadler von der Forstbetriebsgesellschaft Eichstätt vertritt mehr als 2.200 Waldbesitzer. Da der Holzpreis aktuell sehr gut ist, könnten diese Waldbesitzer jetzt das Geld, das sie in den vergangenen Jahren investiert oder wegen des schlechten Preises verloren haben, wieder einnehmen.

    Das allerdings dürfte dank der neuen Verordnung nun schwer werden. Grund dafür ist die sogenannte Bemessungsgrundlage. Denn kleine Betriebe ernten nicht jedes Jahr kontinuierlich Holz. Mal ist es mehr, mal weniger. Betriebe, die in den Jahren 2013 bis 2017 in erster Linie Pflegemaßnahmen durchgeführt haben und nicht viel geerntet haben, stehen jetzt vor einem Problem.

    Mathematisch ausgedrückt: 85 Prozent von nichts ist nichts.

    Von den guten Preisen sind sie somit abgeschnitten und können so auch nicht zur Entspannung am Holzmarkt beitragen. Auch wenn sie einige wenige Festmeter ernten könnten – für geringe Mengen lohnt sich dann wiederum der Einsatz von Lohnunternehmern nicht – das Holz bleibt im Wald. Große Betriebe, wie etwa die Bayerischen Staatsforsten ernten jedes Jahr kontinuierlich ähnliche Mengen an Holz. Sie können 15 Prozent weniger Ernte verschmerzen und über den hohen Holzpreis leicht ausgleichen.

    Holzwirtschaft noch mehr unter Druck

    Unverständnis über die Maßnahme aus Berlin herrscht auch beim Bayerischen Verband der Holzwirtschaft. Sprecherin Melinda Hannemann sieht die gesamte Lieferkette beim Holz dadurch noch mehr unter Druck. Sägewerke suchen schon seit Wochen händeringend nach Holz. Der Preis steigt immer weiter. Denn im aktuellen Bauboom in Deutschland werden auch viele Holzhäuser gebaut. Dazu kommt, dass viele Menschen im Lockdown ihre Gärten und Terrassen renovieren – auch dazu braucht es Holz. Zudem werden auch mehr Möbel gekauft. All das führe dazu, dass die Nachfrage nach Holz riesengroß ist. Die Verordnung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium sei, so der Verband, in dieser Situation, vorsichtig gesagt, unglücklich.

    Eigentlich sollte die Verordnung Waldbauern nützen

    Dass es diese Verordnung gibt, liegt in der Krise des Holzmarktes in den vergangenen Jahren begründet. Nach den großen Stürmen, den massiven Schäden durch Borkenkäfer und ungewöhnlich viel Schneebruch war zu viel Holz auf dem Markt. Noch im vergangenen Sommer stapelten sich die Fichtenstämme in ganz Bayern – niemand wollte sie. Die Folge: der Preis für das Holz konnte häufig gerade noch die Kosten für die Ernte decken, manchmal auch nicht. In dieser für die Holzwirtschaft prekären Situation begann das Bundeslandwirtschaftsministerium an der "Verordnung über die Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags" zu arbeiten. Allerdings: da sie erst jetzt in Kraft gesetzt wurde, kommt sie schlichtweg zu spät. Statt den Waldbauern und der Holzwirtschaft zu nutzen, schadet sie nun.

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