Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Südostlink: So wird ein Gleichstrom-Erdkabel verlegt | BR24

© BR

Mehr als 500 Kilometer Stromleitungen, weite Teile der Strecke als unterirdische Trasse. So soll der Südostlink aussehen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Südostlink: So wird ein Gleichstrom-Erdkabel verlegt

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat heute seine Trassenplanung für den sogenannten Südostlink vorgestellt. Die Stromtrasse soll eine unterirdische Verbindung zwischen Nord- und Süddeutschland herstellen. Wie wird so etwas gebaut?

Per Mail sharen

Es geht um rund 580 Kilometer Stromleitung zwischen Magdeburg und Landshut. Die Kabel sollen fast ausschließlich in der Erde verlegt werden. So sieht es ein politischer Kompromiss aus dem Jahr 2015 vor. In Bayern wird die Hochspannungs-Gleichstromleitung (HGÜ) von Tennet realisiert. Von dort stammen im Wesentlichen auch die folgenden technischen Informationen.

Ein Graben längs durchs Land

Insgesamt werden für Südostlink, so Tennet, vier stromleitende Kabel benötigt, jeweils zwei Plus- und zwei Minuskabel mit einem Durchmesser von bis zu 12 Zentimetern. In etwa 1,5 bis 2 Meter Tiefe werden sie verlegt. Jeweils ein Plus- und Minuskabel kommen dabei in 20 Zentimeter Abstand in einen Graben.

Der Großteil der Strecke wird dafür aufgegraben. Lediglich wenn die Leitungen Straßen, Gleise, Flüsse oder schützenswerte Bereiche queren, wird unterirdisch gearbeitet. Das geht bis zu einer Distanz von 800 Metern Länge.

Die Bautrasse des Südostlinks wird dabei rund 35 Meter breit sein, bei Südlink sind es bis zu 55 Meter, da doppelt so viele Kabel verlegt werden. Am Ende wird der sogenannte Schutzstreifen beim Südostlink gut 15 Meter breit sein, bei Südlink bis zu 34 Meter. Hier gelten dann später spezielle Vorgaben für die Nutzung. Der Boden darf entlang der Trasse zwar landwirtschaftlich genutzt werden, allerdings nicht mit tiefwurzelnden Gewächsen, beispielsweise Bäumen. Auch gebaut werden darf auf dem Schutzstreifen nicht.

Hinzu kommen in der Bauphase Wege für die Fahrzeuge und die Belieferung der Baustelle.

Keine Abzweigungen

Technische Gebäude, wie zum Beispiel sogenannte Konverter, gibt es unter anderem am Anfang und am Ende der Strecke. Sie stellen die Anbindung ans herkömmliche Netz sicher, wandeln also den Gleichstrom wieder in Wechselstrom um und umgekehrt. Abzweigungen sind bei Gleichstromleitungen im Verlauf der Trasse, im Gegensatz zu Wechselstromverbindungen, nicht vorgesehen. Das ist technisch zu aufwändig und damit in der Regel zu teuer. Für einen Konverter werden etwa sieben Hektar Fläche benötigt.

Gebraucht werden im Leitungsverlauf aber auch Repeaterstationen und Kabelabschnittsstationen, also weitere oberirdische Bauten. Tennet zufolge sollen diese aber in bestehende Infrastruktur eingebunden werden.

Magnetfeld entspricht dem Erdmagnetfeld

Wie jede stromführende Leitung haben auch Gleichstromleitungen ein elektromagnetisches Feld. Tennet zufolge entspricht das magnetische Feld einer Hochspannungs-Gleichstromleitung, direkt an der Erdoberfläche über der Leitung, in etwa der Stärke des Erdmagnetfelds. Gesetzliche Grenzwerte werden demnach deutlich unterschritten.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz geht davon aus, dass "bei den niedrigen Feldstärken in der Umgebung von HGÜ-Leitungen oder Konvertern keine gesundheitlich negativen Wirkungen zu erwarten sind".

Kritiker zweifeln unter anderem die Notwendigkeit an

Obwohl die Erdverkablung deutlich weniger Kritik auslöst als Freileitungen, gibt es Einwände gegen ihre Umsetzung. Manche Kritik ist grundsätzlicher Natur und stellt die Notwendigkeit der Trassen in Frage. Andere stören sich an technischen Details oder den Auswirkungen der Bauarbeiten.

Der Naturschutzbund NABU beispielsweise weist auf die Verdichtung von Flächen in der Bauphase hin. So seien Schwerlasttransporte für die Kabel und Verbindungseinrichtungen notwendig. Das könne zu irreparabler Sauerstoffarmut im Boden führen. Außerdem seien Moor- und Feuchtgebiete, sowie unzerschnittene naturnahe Wälder ungeeignet für Erdkabeltrassen.

Andere Kritiker wenden ein, eine dezentralere Energieversorgung würde den Bau der Leitungen grundsätzlich überflüssig machen. Außerdem würden die Trassen nicht nur Windstrom aus dem Norden transportieren, sondern auch Kohlestrom aus Ostdeutschland.