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Verkehrsstudie: Bayerische Städte in Top 10 bei Stau-Wartezeiten | BR24

© dpa pa Matthias Balk

Stau in München ist für Autofahrer ein gewohntes Bild. Sie vergeuden nach einer US-Studie viel Zeit im Stau.

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Verkehrsstudie: Bayerische Städte in Top 10 bei Stau-Wartezeiten

Laut einer US-Studie haben Autofahrer in München 140 Stunden im Stau verbracht, in Nürnberg 107 Stunden. In der mittelfränkischen Metropole wäre das zum Vorjahr ein Rückgang von elf Prozent. Experten zweifeln an der Gewichtigkeit der Studie.

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Wie viel Lebenszeit vergeuden Autofahrer, wenn sie im Stau stehen? Diese Frage hat das US-Unternehmen INRIX mit dem sogenannten global traffic scoreboard untersucht. Für mehr als 200 Großstädte wurden rund um den Globus die durchschnittlichen Stauwartezeiten errechnet.

INRIX wertet jährlich weltweit Daten zum Straßenverkehr von Großstädten aus und kooperiert nach eigenen Angaben mit Automobilherstellern, Regierungen, Mobilfunkbetreibern und Entwicklern.

Unter der deutschen Top Ten sind auch zwei bayerische Großstädte: Platz zwei belegt – nach Berlin, aber noch vor Hamburg – München: 140 Stunden haben Autofahrer dort 2018 im Stau stehend verloren. Auf Platz neun landet, wie schon im Vorjahr, Nürnberg.

Nürnberg mit 11 Prozent Rückgang bei Stauzeiten

Bemerkenswert sind aus bayerischer Sicht aber die Zahlen für Nürnberg: Dort mussten Autofahrer zwar im Schnitt 107 Stunden einbüßen – das ist aber ein Rückgang von elf Prozent im Vergleich zu 2017.

Frank Jülich vom Verkehrsplanungsamt der Stadt Nürnberg beurteilt diese Zahlen vorsichtig. Bei solchen Auswertungen müsse vor allem zwischen den einzelnen Bereichen der Stadt unterschieden werden, was diese Studie aber nicht leiste. Eigene Untersuchungen der Stadt Nürnberg haben beispielsweise ergeben, dass die Zahl der Autos in der historischen Altstadt von 1991 bis 2018 von etwa 118.000 auf 74.000 täglich zurückgegangen sei.

Demgegenüber sei die Autobahn A73, der sogenannte Frankenschnellweg, im Nürnberger Stadtbereich aber immer noch zu 130 Prozent überlastet, weiß Frank Jülich vom Nürnberger Verkehrsplanungsamt. So habe es zwar eine Zunahme der Mobilität in Nürnberg gegeben, nicht aber mehr Autoverkehr.

"Es heißt: wer Straßen baut, wird Verkehr ernten. Das Gegenteil ist aber auch möglich", sagt Jülich. Eine Großbaustelle in Stein bei Nürnberg habe so zum Beispiel im vergangenen Jahr zu einem Rückgang der Fahrzeuge geführt: Die Bürger hätten sich auf die Verkehrsbehinderungen eingestellt und Alternativen genutzt.

Experten: Studien dieser Art nicht immer sehr aussagekräftig

Die Stadt Nürnberg, so Jülich, sehe die Ergebnisse der INRIX-Erhebung aber als Ansporn: Man habe in den vergangenen Jahren das Angebot an Alternativen zum Auto kontinuierlich verbessert. Dazu zählt das Nürnberberger Verkehrsplanungsamt etwa Fahrradwege, Carsharing oder den Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.

Auch der Verkehrsforscher Klaus Bogenberger von der Universität der Bundeswehr in München rät dazu, den Zahlen der US-Untersuchung nicht zu viel Gewicht zu geben. Unternehmen wie INRIX seien vor allem Datensammler. Das Problem bei dieser Art Studien sei die mangelnde Analyse der Daten: "Niemand sitzt da, schaut sich die Ergebnisse an und interpretiert sie", sagt Bogenberger.

Kommunen haben das Problem erkannt

Bogenberger zufolge haben die Kommunen das Problem erkannt: Anders als noch etwa vor zehn Jahren hätten viele Städte in Deutschland eine langfristige Agenda zur Staureduzierung entwickelt und die entsprechenden Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Mobilität geschaffen.

Die "INRIX global traffic scorecard" stellt bei allen deutschen Großstädten in den "Top Ten" eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr fest. Am stärksten ging die durchschnittliche Stauwartezeit demnach mit 16 Prozent in Hannover zurück, gefolgt von Stuttgart und Nürnberg.