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Verkaufsoffene Sonntage: Streit in Fürth und Donaustauf | BR24

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Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr erlaubt das Ladenschlussgesetz in Bayern. Wirtschaftsminister Aiwanger will die Regelung für mehr offene Geschäfte an Sonntagen ausweiten. Doch die Allianz für freie Sonntage ist dagegen.

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Verkaufsoffene Sonntage: Streit in Fürth und Donaustauf

Für viele Geschäftsleute und Städte sind verkaufsoffene Sonntage ein Gewinn, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Die "Allianz für freie Sonntage" hingegen kämpft dagegen an. Beispiele aus Donaustauf und Fürth.

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Nur vier Mal im Jahr sind sie möglich, die verkaufsoffenen Sonntage. Und das auch nur zu bestimmten Anlässen wie zum Beispiel bei einem Markt. Für viele Einzelhändler sind es umsatzstarke Tage. Doch Sonntagsschützer wollen keine Ausnahmen vom "freien Sonntag". In Fürth hat die "Allianz für freie Sonntage" - ein Zusammenschluss aus Kirchen und Gewerkschaften - kürzlich einen verkaufsoffenen Sonntag gekippt. Im oberpfälzischen Donaustauf betonen Händler ihre positiven Erfahrungen mit dem verkaufsoffenen Sonntag.

Verkaufsoffener Sonntag in Donaustauf

Sonntagmittag: Die Donaustaufer feiern Markt-Tag. Auf der Hauptstraße herrscht buntes Treiben. Und auch die Geschäfte im Ort haben heute ausnahmsweise geöffnet. Denn mit dem Markt-Tag geht ein verkaufsoffener Sonntag einher. Für Petra Koch, die in Donaustauf einen kleinen Laden für Geschenkartikel hat, eine tolle Sache. Und ein gutes Geschäft: "Es ist auf jeden Fall ein Gewinn für uns. Mit Sicherheit. Vor allem, weil halt auch mal Leute von außerhalb kommen, die dann auf solche Läden aufmerksam werden, was man sonst nicht so hat. Viele fahren halt einfach nur durch. Und jetzt hat man mal die Gelegenheit, in aller Ruhe einzukaufen, zu bummeln, gucken, was es gibt."

Werbeeffekt für Geschäftsleute

Donaustauf ist nur eine kleine Marktgemeinde vor den Toren Regensburgs, mit nur einer Handvoll Geschäften. Verkaufsoffene Sonntage sind hier eine Ausnahme. Der Werbeeffekt sei aber dringend notwendig, wie Rita Henke erklärt. Zusammen mit anderen Geschäftsleuten hat sich die Reisebüroinhaberin für einen verkaufsoffenen Sonntag einmal im Jahr eingesetzt, um was zu tun gegen das Geschäftesterben in den kleinen Städten. Man wolle die Leute dazu zu bringen, dass sie im Ort einkaufen statt im Internet.

Kein verkaufsoffener Sonntag am 14. Juli in Fürth

In Fürth gab es bis vor kurzem noch vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr. Einer davon hätte am 14. Juli stattfinden sollen, anlässlich des Fürth Festivals, doch dazu kommt es jetzt nicht. Denn die Allianz für freie Sonntage – ein Zusammenschluss aus Kirchen und Gewerkschaften – hat Beschwerde bei der Regierung von Mittelfranken eingelegt, weil der verkaufsoffene Sonntag rund um ein Festival nicht anlassbezogen sei.

Die Allianz hat von der Regierung Recht bekommen; das reicht ihr aber nicht: Sie will null verkaufsoffene Sonntage. Den Gegenvorschlag der Stadt Fürth, auf drei verkaufsoffene Sonntage zu reduzieren und sie auf den Innenstadtbereich zu beschränken, lehnt die Allianz ab, erklärt ihr Sprecher Norbert Feulner.

Beim Sonntag geht es ums Prinzip

"Wir sind nicht bereit, den Sonntag quasi zu verhandeln. Wir sind nicht in einer Verhandlungssituation. Wir wollen ihn gänzlich schützen. Und ein freier Sonntag ist für uns auch ein selbstbestimmter Sonntag, ohne Zwänge von außen. Leider kommt der Sonntag als wirklich freier Tag unter die Räder." Norbert Feulner, Sprecher der Allianz für freie Sonntage

Zwar begrüßt man das Entgegenkommen der Stadt Fürth, so Feulner weiter. Allerdings: Der Allianz für einen freien Sonntag geht es dabei ums Prinzip. Umsatzinteressen der Einzelhändler oder auch Shopping-Interessen der Kundinnen und Kunden dürften laut Feulner nicht die Voraussetzung sein, um sonntags aufzumachen.

Nicht alle leiden unter Sonntagsarbeit

Für Gerd Wagner, Inhaber eines kleinen Kunstwerkbetriebes und Sprecher der Einzelhändler in Fürth, wäre es fatal für die Geschäfte in der Fürther Innenstadt, alle verkaufsoffenen Sonntage abzuschaffen. Die Stadt müsse dem "Sog von Nürnberg" etwas entgegensetzen. Durch den Wegfall der verkaufsoffenen Sonntage würde ein wichtiger Werbeeffekt wegfallen.

Dass seine Mitarbeiter unter dem zusätzlichen Arbeitstag leiden, glaubt Wagner nicht, ganz im Gegenteil. An dem Sonntag zum Fürth Festival habe er keine komplette Mannschaft in seinem Laden gebraucht, da habe es auch einmal "ein langes Gesicht" gegeben. "Die anderen sagen: Schade, hätte ich gern mitgenommen", erzählt Gerd Wagner.

Klage in Fürth nicht ausgeschlossen

Eine Einigung in Fürth ist nicht in Sicht. Schlimmer noch: Der Konflikt könnte sich zu einem Rechtsstreit verschärfen, warnt Horst Müller, CSU, Wirtschaftsreferent der Stadt.

"Wir bieten nach wie vor drei verkaufsoffene Sonntage an. Alle andere wäre für die Stadt Fürth und für die Einkaufsstadt Fürth außerordentlich negativ. Und ich hoffe halt, dass die Sonntagsallianz noch zu Besinnung kommt. Falls das nicht passiert, könnte es, was ich nicht will, auf eine Klage hinauslaufen." Horst Müller, CSU, Fürther Wirtschaftsreferent

Weiter südöstlich in Bayern, in Donaustauf, geht gerade der Markt-Tag zu Ende. Für Ladenbesitzerin Koch hat sich der offene Sonntag ausgezahlt. Sie wünscht sich mehr solche Tage.

"Vier Mal im Jahr ist jetzt auch nicht so viel, dass es so ins Gewicht fallen würde. Also ich finde, es ist ein Gewinn. Nicht nur für die Geschäftsleute, auch für den Ort überhaupt." Petra Koch, Geschäftsinhaberin

Ladenschlussgesetz erlaubt vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr

Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr erlaubt das Ladenschlussgesetz in Bayern - theoretisch, denn nicht immer werden sie von den Behörden genehmigt. Der bayerische Wirtschaftsminister will die Regelung zum verkaufsoffenen Sonntag ausweiten.

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Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr erlaubt das Ladenschlussgesetz in Bayern - theoretisch, denn nicht immer werden sie von den Behörden genehmigt. Der bayerische Wirtschaftsminister will die Regelung zum verkaufsoffenen Sonntag ausweiten.