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Verheiratete Priester - das Ende der katholischen Kirche? | BR24

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Verheiratete Priester - das Ende der katholischen Kirche?

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    Verheiratete Priester - das Ende der katholischen Kirche?

    Papst Franziskus will in Kürze darlegen, ob es in bestimmten Fällen verheiratete Priester geben kann. Viele Katholiken in Deutschland wünschen sich das. Die wenigsten wissen: Es gibt bereits verheiratete Priester - in der katholischen Kirche.

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    Verheiratete Priester bedeuteten nichts anderes, als dass die Kirche aufhöre zu existieren – das behauptete am Mittwoch Gloria von Thurn und Taxis in einem Interview mit Sandra Maischberger in der ARD. Damit sprang die bayerische Fürstin dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zur Seite, der sich kürzlich ebenfalls in Sachen Pflichtzölibat zu Wort gemeldet und dieses verteidigt hatte.

    Papst Franziskus will in Kürze über Zölibat entscheiden

    Hintergrund der neuerlichen Aufregung um das Zölibat ist: Noch bis Ende Januar soll ein Dokument erscheinen, in dem Papst Franziskus im Nachgang zur Amazonas-Synode darlegen will, ob er in bestimmten Ausnahmefällen verheiratete Priester zulassen würde. Das hatte die Mehrheit der Synodenteilnehmer vorgeschlagen, um den mitunter krassen Priestermangel in den Amazonasgebieten zu mildern.

    Viele Katholiken hierzulande würden sich eine solche Lockerung des Pflichtzölibats auch in Deutschland und dem Rest der Weltkirche wünschen. Was die wenigsten wissen: Es gibt sie bereits, die verheirateten Priester innerhalb der katholischen Kirche - und zwar ganz legal, schon seit Jahrhunderten.

    Zölibat oder Ehe: Priester in katholischer Ostkirche darf wählen

    Einer von ihnen ist Vladimir Viitovitch. Er ist katholischer Priester in München, verheiratet und Vater von zwei Kindern im Teenageralter. Der Ukrainer musste sich nicht zwischen seinem Beruf und einer Frau entscheiden, da er Priester in der griechisch-katholischen Kirche ist. Das ist eine mit Rom unierte, also dem Papst unterstehende Teilkirche innerhalb der katholischen Kirche mit rund viereinhalb Millionen Gläubigen.

    Sie gehört zu den katholischen Ostkirchen - und damit zu den Kirchen, die nicht dem lateinischen, sondern dem byzantinischen Ritus folgen. Und zur byzantinischen Tradition gehört es seit dem 7. Jahrhundert, dass Priester die Wahl haben zwischen dem Zölibat oder einem Leben als Ehemann und Familienvater.

    Katholische Kirche hat zwei unterschiedliche Rechtssysteme

    "Im Osten hat man sich seit jeher dazu bekannt, dass es neben dem zölibatären Priestertum auch ein verheiratetes Priestertum gibt", sagt Thomas Kremer, Professor für Theologie des christlichen Ostens an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die katholische Kirche habe ein doppeltes Rechtssystem: das eine für die römisch-katholische Kirche, das andere für die katholischen Ostkirchen, erklärt Kremer. "Und dieses Rechtssystem für die katholischen Ostkirchen sieht diese Möglichkeit ganz ausdrücklich vor, und sie ist im Leben dieser Kirchen auch ganz tief verwurzelt."

    Mehr als 90 Prozent aller griechisch-katholischen Priester entscheiden sich gegen das Zölibat. Eine Entscheidung, die sie vor ihrer Weihe treffen müssen. Auch Pfarrer Andrej Radek, Kaplan in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirchengemeinde in München, der Vladimir Viitovitch bei der Seelsorge unterstützt, hat sich für die Ehe entschieden.

    "Viele Gläubige fragen zuerst: Sind Sie verheiratet?"

    Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur für viele Gläubige in der überwiegend jungen und wachsenden ukrainischen Gemeinde ein Thema, sondern auch für die beiden Pfarrer. Andrej Radek hat mit seiner Frau Julia einen zehnmonatigen Sohn, mit dem er genügend Zeit verbringen möchte. Dass Gefühl, dass er sich deshalb weniger gut um seine Gemeinde kümmern kann, hat er nicht - im Gegenteil:

    "Viele Menschen, die zu mir kommen, fragen erst: Sind Sie verheiratetet? Und erst dann erzählen sie mir bestimmte Probleme, weil sie das Gefühl haben, ich kann sie verstehen." Pfarrer Andrej Radek

    Verheiratete Priester auch in römisch-katholischen Pfarreien tätig

    Verheiratete griechisch-katholische Priester sind in Deutschland vereinzelt auch als Pfarrer in römisch-katholischen Pfarreien tätig. Einer derzeit auch im Bistum Eichstätt – mit außerordentlicher Genehmigung. Denn bisher setzen die deutschen Bischöfe für die Seelsorge lieber die zölibatär lebenden Priester aus den Ostkirchen ein.

    Wohl aus Angst vor einem Dammbruch sagt der Theologe Thomas Kremer: "Von daher ist das vor allem eine Vorsicht, die man walten lässt, hinsichtlich der Frage, ob man da derjenige sein möchte, der diese Fakten schafft." Es könne natürlich auch sein, dass die Motivation darin bestehe, das Zölibat als verbindlich für alle römisch-katholischen Priester zu erhalten und dass man befürchte, dass dieses Ansinnen dadurch vielleicht ausgehöhlt werde, sagt der Theologe.

    Das Zölibat als Option, nicht als Pflicht. Das ist innerhalb eines Teils der katholischen Kirche längst ein bewährtes Modell. Ob es der Vatikan auch für die römische Westkirche einführt?