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Verhaltenskodex im Bistum Passau: "Fühle mich stigmatisiert" | BR24

© pa/dpa/Armin Weigel

Dom St. Stephan in Passau

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Verhaltenskodex im Bistum Passau: "Fühle mich stigmatisiert"

Der neue Verhaltenskodex des Bistums Passau zur Prävention von Missbrauch und Grenzüberschreitungen wirft viele Fragen auf. Ein Pfarrer moniert, er fühle sich unter Generalverdacht gestellt. Es gibt aber auch Lob für die Anweisung von Bischof Oster.

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Gemischte Reaktionen auf den Verhaltenskodex für Mitarbeiter des Bistums Passau: Inhaltlich sind die Pfarrer aus den Gemeinden Ruhstorf an der Rott, Tittling und Haidmühle damit einverstanden. Allerdings werfe das Papier viele Fragen auf, die noch zu klären seien.

Kann es künftig noch Ministranten-Zeltlager geben? Oder darf ein Pfarrer beispielsweise mit einer befreundeten Familie und deren Kindern überhaupt noch in den Urlaub fahren? Auf Fragen wie diese müssten in den kommenden Wochen Antworten folgen, fordern sie.

"Unter Generalverdacht gestellt"

Kritik äußert Alois Kaiser, Pfarrer in Haidmühle (Lkr. Freyung-Grafenau): "Ich habe von dem Kodex erst heute aus der Zeitung erfahren. Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem Inhalt. Aber ich fühle mich stigmatisiert und unter Generalverdacht gestellt." Auch Josef Tiefenböck, Pfarrer aus Ruhstorf, hat es heute der Zeitung entnommen. Ein Schreiben des Bistums liegt ihm nicht vor. "Das kann aber auch daran liegen, dass ich noch nicht alle Mails der letzten Woche durchgearbeitet habe", sagt er.

Bischof handelt aktiv

Was er positiv sieht: Dass Passaus Bischof Stefan Oster von sich aus agiert. "Er wartet nicht, bis ein Papier aus Rom vorliegt, er handelt aktiv." Inhaltlich sei für ihn ohnehin vieles schon selbstverständlich.

"Vieles von dem, was ich gelesen habe, gilt schon. Wenn ich zum Beispiel mit meinen Ministranten zum Kegeln gehen, dann nehme ich immer eine Frau mit, zum Beispiel eine Mutter oder eine Gemeindereferentin." Josef Tiefenböck, Pfarrer aus Ruhstorf

Dem schließt sich Fabian Feuchtinger, Pfarrer aus Tittling, an. In Präventionskursen seien die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten und Jahren schon geschult und sensibilisiert worden. Was der neue Verhaltenskodex im Detail für die täglich Arbeit bedeutet, werde hoffentlich in den kommenden Monaten geklärt.

Vor jeder Berührung muss nach dem Einverständnis gefragt werden

Um Missbrauch und Grenzverletzungen zu verhindern, hat das Bistum Passau für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einen Verhaltenskodex veröffentlicht. Die Vorschriften gelten für rund 10.000 Beschäftigte in Einrichtungen von Kirche und Caritas sowie mindestens noch einmal so viele Ehrenamtliche. Untersagt sind diesen künftig unter anderem gemeinsame Urlaube mit Minderjährigen oder regelmäßige private Einladungen. Vor jeder Berührung muss nach dem Einverständnis gefragt werden. Körperkontakt ist nur erlaubt, wenn es um Trost, Erste Hilfe oder Pflege geht.

Schulung für Mitarbeiter geplant

Einzelne Minderjährige dürfen von Kirchenmitarbeitern keine finanziellen Zuwendungen, Belohnungen oder unangemessenen Geschenke erhalten. Mutproben sollen unterbunden werden, auch wenn die Schutzperson dieser zugestimmt hat. Zur Einführung des Regelwerks gibt es für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit Kindern zu tun haben, verpflichtende Schulungen.

© B5 Nachrichten

Um Missbrauch und Grenzverletzungen zu verhindern, hat das Bistum Passau für seine Mitarbeiter einen Verhaltenskodex veröffentlicht. Darin werden unter anderem gemeinsame Urlaube oder Übernachtungen mit Minderjährigen untersagt.