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Reform der Notfallversorgung: Verhaltene Reaktionen aus Bayern | BR24

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Zu viele Menschen benutzen die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Deshalb will Gesundheitsminister Spahn, CDU, die Versorgung von Notfallpatienten reformieren. So sollen die Nummern 112 und 116 117 eins werden. Die Reaktionen aus Bayern sind verhalten.

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Reform der Notfallversorgung: Verhaltene Reaktionen aus Bayern

Zu viele Menschen benutzen die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Deshalb will Gesundheitsminister Jens Spahn die Versorgung von Notfallpatienten reformieren. So sollen die Nummern 112 und 116 117 eins werden. Die Reaktionen aus Bayern sind verhalten.

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Etwa 3.000 mal am Tag klingelt in der Integrierten Leitstelle in München das Telefon. Viel zu tun für Florian Hellmaier und seine Kollegen:

"Wir merken das natürlich hier auch, der Trend der Bürgerinnen und Bürger, dass eben zunehmend der dauerverfügbare Rettungsdienst gerne auch für Bagatellfälle in Anspruch genommen wird, was uns bisweilen sicherlich auch hier und da mal an Grenzen bringt." Brandrat Florian Hellmeier, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle in München

Genau deshalb findet Hellmaier die Idee aus dem Gesundheitsministerium im Prinzip gut – aber es müsse doch organisatorisch vieles vorher geklärt werden, bevor die 112 für akute Notfälle und die Telefonnummer 116 117 für den Bereitschaftsdienst zusammengelegt werden können.

Bayern hat bereits 108 Bereitschaftspraxen

"Die Frage ist für uns, wie viel wird jetzt kaputt gemacht von dem, was hier schon gut funktioniert", gibt Wolfgang Krombholz, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), zu Bedenken. Er verweist darauf, dass im Freistaat sehr viel schon so funktioniert, wie es der Vorschlag aus Berlin gerne haben möchte.

"So dass ich also eigentlich sage: Für Bayern brauchen wir kein Gesetz." Wolfgang Krombholz, KVB

In Bayern gebe es derzeit knapp 110 Arztpraxen, die Patienten außerhalb der Sprechstunden versorgen. Laut Krombholz funktioniert das gut, das höre die Kassenärztliche Vereinigung zumindest von den Kollegen und von den Krankenhäusern, mit denen die Bereitschaftspraxen auch Vereinbarungen haben.

Kassenärztechef warnt vor Stau bei Notrufnummer

Ein Problem sieht aber auch Krombholz, wenn alle Anrufe von beiden Nummern zusammenlaufen:

"Wenn nämlich viele, die nicht so krank sind, anrufen, dann ist da ein Flaschenhals. Das heißt, die Leitungen werden belegt und der wirklich Dringende bleibt außen vor." Wolfgang Krombholz, Vorstandschef der KVB

Das sei der Grund gewesen, weswegen die KVB bisher die Trennung der beiden Nummern bevorzugt hat. Wenn jetzt die beiden Nummern, 112 und 116 117, "irgendwie zusammengeschaltet werden sollen", müsse im Detail noch überlegt werden, wie das gut organisiert werden kann.

Wichtig sei auch, dass entsprechendes Fachpersonal am Telefon die Einschätzungen vornimmt.

München: Rund vier Prozent der 112-Anrufer keine Notfälle

Im Moment ist es so, dass etwa vier Prozent der Anrufer, die bei Florian Hellmaier in der Münchner Leitstelle landen, so wenig dringend sind, dass sie an die 116 117, also den Bereitschaftsdienst, weitergegeben werden. Dort müssen allerdings sämtliche Angaben noch einmal aufgenommen werden.

Vorschlag: Ein Anruf, zwei Stellen

Hellmaier stellt sich eher vor, dass es einen zentralen Meldungseingang gibt, also eine zentrale Anlaufstelle für die Bürger. Aber die weitere Bearbeitung müsse getrennt bleiben. Koordination, Terminvergaben für die Bereitschaftspraxen, aber auf der anderen Seite auch die Koordination der zeitkritischen Hilfe, Rettungsdienst und Feuerwehr.

Kurz: ein Anruf, aber weiterhin zwei Stellen, in denen das Anliegen bearbeitet wird.

Noch ist der Vorschlag aus Berlin eine sogenannte Arbeitsvorlage. Geht es nach den Fachleuten in Bayern, ist daran tatsächlich noch ein bisschen was zu bearbeiten.

Innenminister Herrmann kritisiert Spahns Pläne

Auch Bayerns Innenminister Herrmann, CSU, sieht noch Nachbesserungsbedarf. Grundsätzlich begrüßt er den Entwurf von Minister Spahn, so Herrmann im Rundschau Magazin im BR Fernsehen. Aber bei einer Reihe von Punkten zeigt er sich skeptisch.

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Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) will die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlasten. Dazu sollen künftig schon die Rettungsleitstellen entscheiden, ob ein Patient in die Notaufnahme gebracht werden muss.