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Immer wieder sind in Niederbayern tote Wildvögel aufgetaucht. Sie alle wurden offenbar vergiftet. Um den Tätern auf die Spur zu kommen, hat die Polizei eine einmalige Absuchaktion in den betroffenen Bereichen gestartet und dabei Hinweise gefunden.

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Vergiftete Greifvögel: Polizei startet große Absuchaktion

Immer wieder sind in Niederbayern tote Wildvögel aufgetaucht. Sie alle wurden offenbar vergiftet. Um den Tätern auf die Spur zu kommen, hat die Polizei eine einmalige Absuchaktion in den betroffenen Bereichen gestartet und dabei Hinweise gefunden.

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Von
  • Sarah Beham
  • BR24 Redaktion

Eine bislang einmalige Absuchaktion für den Natur- und Artenschutz fand am Mittwoch in Niederbayern statt. Grund war eine Serie von vergifteten Greifvögeln. Wie ein Pressesprecher der Polizei dem BR auf Anfrage sagte, habe es so eine Aktion noch nicht gegeben.

Elf tote Vögel seit Januar

Seit Ende Januar wurden in den Landkreisen Straubing-Bogen, Dingolfing-Landau und Deggendorf mehrere tote Greifvögel gefunden. Die Polizei spricht von insgesamt elf Vögeln, die meisten davon Mäusebussarde und eine Rabenkrähe. In den betroffenen Landkreisen suchte die Polizei gestern zusammen mit der Bereitschaftspolizei mit Aufspürstöcken und Drohnen nach Hinweisen und Spuren, die auch zum möglichen Täter führen könnten.

Mutmaßlicher Giftköder gefunden

Während in Straubing und Plattling nichts gefunden wurde, stieß die Polizei in Dingolfing auf eine tote Amsel und einen verdächtigen Gegenstand, wie es heißt. Der Kadaver und der Gegenstand - der laut Polizeisprecher ein kugelförmiger, chemischer Giftköder sein könnte - wurden zur Untersuchung in die tierärztliche Fakultät nach Oberschließheim gebracht.

Polizei will ein Zeichen setzen

Wie es vom Polizeipressesprecher heißt, habe man mit der Aktion auch ein Zeichen gesetzt: Der Täter merke vielleicht, "dass nicht nur wir dran sind, sondern auch die Naturschützer. Wenn der Täter merkt, die Luft wird dünner, zieht er sich vielleicht zurück." Auf Anfrage sagte der Pressesprecher, dass einem Täter, der Greifvögel wie Mäusebussarde vergifte, eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine hohe Geldstrafe drohen könnte.

Lob von Naturschützern

Die Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) begrüßt die Polizeipräsenz, weil nun klar sei, "dass die ermittelnden Behörden auch bei Vergehen gegen Wildtiere ganz genau hinschauen und sich somit der oder die Täter in Wald und Feldflur nicht mehr in Sicherheit wiegen können." Auch der LBV lobt den Einsatz. Mit der Aktion habe man ein Zeichen gegen Naturschutzkriminalität gesetzt.

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Polizist durchsucht Büsche und Dickicht.

Carbofuran-Vergiftung bestätigt

Von den bisher gefundenen Greifvögeln bestätigte sich laut Polizei in einem Fall eine Vergiftung mit einem Carbofuran-haltigen Präparat. Carbofuran ist eigentlich ein Insektenvernichtungsmittel. Es wirkt als Kontaktgift und ist seit 2007 in der EU verboten, da es auch für den Menschen gefährlich sein kann. Bei zwei weiteren Fällen müsse ebenfalls von einer Vergiftung ausgegangen werden. Die anderen Greifvögel werden noch untersucht.

Spaziergänger sollen sofort die Polizei rufen, sollten sie tote Greifvögel oder mögliche Giftköder finden. Zudem bittet die Polizei weiterhin um Hinweise im Zusammenhang mit der Serie der vergifteten Greifvögel. Der LBV und die GLUS haben für Hinweise 5.000 Euro ausgesetzt.

Viele Wildtiertötungen bleiben ungeklärt

Die Aufklärung solcher illegaler Wildtiertötungen ist schwierig. Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos. Das muss sich aus Sicht der Naturschützer ändern.

LBV und GLUS haben deshalb 2019 das gemeinsame Projekt "Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!" ins Leben gerufen. In einer bayernweiten Datenbank werden alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität gespeichert. Als erste Anlaufstelle für betroffene Behörden und die Öffentlichkeit soll die Datenbank fachliche Unterstützung bieten und als Melde- und Informationsplattform dienen.

Mit ihrer Hilfe soll außerdem die langfristige Weiterverfolgung einzelner Fälle sichergestellt werden. Die Dokumentation von Fällen illegaler Vergiftung von Vögeln wird seit diesem Jahr vom Bayerischen Landesamt für Umwelt mit Mitteln des Umweltministeriums finanziert.

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