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Isar bei Freising
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Arne Wilsdorff
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Isar bei Freising

Das Landratsamt Freising hat im Fall der mit Chemikalien belasteten Fische im Landkreis Vorwürfe zurückgewiesen, es habe die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert. Für eine Information der Öffentlichkeit, zu der auch die Kunden eines Betriebs zählten, hätten die gesetzlichen Voraussetzungen hier nicht vorgelegen, so die Behörde.

Fische galten nicht als gesundheitsschädlich

Nach dem Auftauchen der verseuchten Fische seien vergangenen Herbst umgehend drei Fischzuchtbetriebe gesperrt worden. Man habe die Sperrungen angeordnet, nachdem das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in untersuchten Fischen der Betriebe einen Gehalt an Leukomalachitgrün festgestellt hatte. Damit hätten diese Fische zwar nicht als gesundheitsschädlich, aber auch nicht mehr als verkehrsfähig gegolten.

Umweltausschauss diskutiert Vorgehen

Der Umweltausschuss des bayerischen Landtags hatte sich am Vormittag mit dem Fall belasteter Fische im Landkreis Freising beschäftigt. Das Landratsamt wusste seit September darüber Bescheid. Öffentlich wurde das Problem aber erst nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks vorige Woche. Neue Recherchen des BR ergaben, dass die Dimension der Verunreinigungen mit Malachitgrün noch größer ist.

Giftige Fische auch in der Isar

Dass jetzt auch in der Isar Forellen gefunden wurden, die mit dem verbotenen Tiermedikament Malachitgrün belastet sind, nimmt Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) jetzt zum Anlass, den Fall genauer untersuchen zu lassen. Er fordert Aufklärung vom zuständigen Landratsamt. Für ihn ist klar, "dass man erst die Daten zusammentragen muss". Darauf aufbauend erwartet Glauber vom Landratsamt "einen umfänglichen Bericht", wie alles verlaufen sei.

Opposition fordert umfassende Untersuchung und Aufklärung

Der SPD geht das nicht weit genug. Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn will, dass die Öffentlichkeit besser informiert wird.

Außerdem fordert der SPD-Landtagsabgeordnete, die Fische in Moosach und Isar müssten umfassend auf Malachitgrün-Verunreinigungen untersucht werden. "Damit man tatsächlich auch feststellen kann, wie groß der Schaden ist und wie viele Fische dieses Malachit in sich haben, diesen verbotenen Stoff; und dann müssen Maßnahmen ergriffen werden."

Auch die Grünen verlangen Aufklärung. In einer Pressemitteilung erklärt die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Rosi Steinberger, die Bevölkerung habe ein Recht zu erfahren, wenn Speisefische in den Umlauf gelangt sind, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen.

Freisinger Landtagsabgeordneter kritisiert Landratsamt

Der Freisinger Landtagsabgeordnete Benno Zierer (Freie Wähler) wirft dem Landratsamt mangelnde Kommunikation vor. Dort heißt es, man habe die Bevölkerung nicht über den Malachitgrün-Fund informiert, weil keine Gesundheitsgefahr bestanden habe.

"Leider Gottes war die Informationspolitik vom Landratsamt absolut mangelhaft." Benno Zierer, Landtagsabgeordneter (Freie Wähler)

Umweltminister Glauber will jetzt die Ausschussmitglieder ans Landesamt für Lebensmittelsicherheit einladen, damit ihnen dort erklärt wird, warum die Behörden nicht gewarnt haben, obwohl für Malachitgrün ein sogenannter Nulltoleranz-Grenzwert gilt. Die gefundenen Fische hatten Werte bis zu 3.000 Mikrogramm pro Kilogramm.

Malachitgrün belastete Fische: Was das Landratsamt verschwieg

Anfang September 2018 stießen Kontrolleure im Landkreis Traunstein auf Fische, die mit Malachitgrün belastet sind. Die Spur führt nach Freising. Das dortige Landratsamt informiert am 6. September die Staatsanwaltschaft Landshut, am 10. September werden erste Proben in einem Fischzuchtbetrieb genommen, der zu der Zeit auf dem Freisinger Volksfest einen Steckerlfischstand betreibt. Vier Tage später liegt ein erster Befund vor.

Alle untersuchten Forellen sind belastet. Der Betrieb wird gesperrt, der Verkauf gestoppt. Mutmaßlicher Verursacher aber ist ein anderer Fischzuchtbetrieb, er hat das verbotene Tierarzneimittel angeblich versehentlich verwendet. Die Behörden untersuchen insgesamt 400 Fische aus sechs Betrieben. Der höchste gemessene Wert liegt bei 3.000 Mikrogramm pro Kilogramm. All das findet im Verborgenen statt. Erst nach mehrfachen Nachfragen des Bayerischen Rundfunks räumen die Behörden die Verunreinigungen der Fische und des Flussbetts der Moosach ein.

Wie der BR gestern exklusiv erfahren hat, schwimmen verunreinigte Fische inzwischen auch in der Isar bei Moosburg. Der Tiergesundheitsdienst Bayern hat bei zwei Regenbogenforellen Werte von 336 Mikrogramm Malachitgrün pro Kilo festgestellt.