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Vergewaltigung nach K.O.-Tropfen? Frau kämpft um Prozess | BR24

© picture alliance/Sven Hoppe/dpa

Nina Fuchs (l), Petitionsstarterin, und Lewamm Ghebremariam, Campaignerin, stehen am 16.04.2019 vor der Generalstaatsanwaltschaft.

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Vergewaltigung nach K.O.-Tropfen? Frau kämpft um Prozess

Eine junge Frau ist überzeugt, mit K.O.-Tropfen willenlos gemacht und vergewaltigt worden zu sein. Doch ein Gerichtsverfahren wird eingestellt. Jetzt kämpft die Münchnerin mit einer Online-Petition und einer juristischen Beschwerde um einen Prozess.

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Mehr als 90.000 Menschen haben die Online-Petition von Nina Fuchs unterschrieben. Mit dieser und einer juristischen Beschwerde kämpft die 36-jährige Münchnerin für die Eröffnung eines Prozesses wegen Vergewaltigung. Sie ist sich sicher, dass sie im April 2013 mit K.O.-Tropfen willenlos gemacht und dann vergewaltigt wurde.

Unterschriften an Generalstaatsanwaltschaft übergeben

Nina Fuchs übergab der Generalstaatsanwaltschaft in München am Dienstag die Unterschriften zu dem fast auf den Tag genau sechs Jahre alten Fall. "Ich habe große Hoffnung, dass die Generalstaatsanwaltschaft sich wieder für die Eröffnung des Verfahrens entscheidet, dass es endlich einen Prozess gibt", sagt Fuchs.

Aktuell werde die ebenfalls von Fuchs eingereichte juristische Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens geprüft, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Thomas Weith. Die Petition an sich hat rechtlich keine Bedeutung, doch Weith versicherte bei der Übergabe: "Wir werden uns intensiv mit der Sache beschäftigen." Mit einer Entscheidung über die Beschwerde sei in zwei bis drei Wochen zu rechnen.

💡 Was sind K.O.-Tropfen?

Weit über 100 unterschiedliche Wirkstoffe können als K.O.-Tropfen missbraucht werden. Alle diese Substanzen haben eines gemeinsam: Sie wirken betäubend und beeinträchtigen das Gedächtnis. Therapeutisch werden sie oft als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt. Von K.O.-Tropfen spricht man, sobald Straftäter die Substanzen dazu benutzen, ihre Opfer wehrlos zu machen, um sie etwa sexuell zu missbrauchen. Dazu mischen sie die Tropfen heimlich und überdosiert in Speisen oder Getränke. K.O.-Tropfen kann man in Getränken nicht sehen, riechen oder schmecken. Meist setzt die Wirkung innerhalb von wenigen Minuten ein und kann bis zu mehreren Stunden andauern. Meist können sich die Opfer anschließend an nichts oder nur sehr wenig erinnern.

Zuerst K.O.-Tropfen dann Vergewaltigung?

Die 36-Jährige ist überzeugt, bei einem Münchner Discobesuch in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2013 mit K.O.-Tropfen willenlos gemacht und dann in einem Park in München vergewaltigt worden zu sein. Jahre später wurde ein Verdächtiger anhand seiner DNA-Spuren gefunden. Doch die ermittelnde Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mangels Erfolgsaussichten ein. Die Begründung: Die Frau könne sich nur bruchstückhaft an die Tat erinnern und der Mann schweige zu den Vorwürfen.

"Ich war sehr fassungslos und habe ein ganz großes Gefühl von Ohnmacht empfunden – Verzweiflung, Wut und auch ganz ganz großes Unverständnis, weil die Begründung für mich einfach nicht nachvollziehbar ist." Nina Fuchs

Dass gerade ihre Erinnerungslücken ein Argument dafür waren, das Verfahren einzustellen, kann Nina Fuchs nicht nachvollziehen. Das sei doch ein "Freifahrtschein für jeden Täter", sagt sie.

"Man sorgt dafür, dass das Opfer Erinnerungslücken hat, und schon wird das Verfahren eingestellt – das ist keine besonders gute Botschaft, die da nach draußen geht." Nina Fuchs

Münchnerin will "zumindest einen fairen Prozess"

Die Münchnerin hat große Hoffnung, dass die Generalstaatsanwaltschaft zu ihren Gunsten entscheidet und es doch noch zu einem Prozess kommt. Selbst wenn es am Ende einen Freispruch geben sollte, "dann gab es zumindest einen fairen Prozess, und ich habe alles versucht, was in meiner Macht stand."