BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

"Vergelt's Gott, lieber Georg": Bewegendes Requiem für Ratzinger | BR24

© BR

Trauerfeier in Regensburg für den verstorbenen Domkapellmeister Georg Ratzinger. Rund 200 Trauergäste durften im Dom dabei sein - einer allerdings konnte das Ganze nur per Bildschirm im Vatikan verfolgen.

9
Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Vergelt's Gott, lieber Georg": Bewegendes Requiem für Ratzinger

Weggefährten und Kirchenvertreter haben Abschied vom früheren Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger genommen. Der emeritierte Papst Benedikt der XVI. verfolgte das Requiem in Rom am Bildschirm. Er schickte einen warmherzigen Gruß.

9
Per Mail sharen

Erzbischof Georg Gänswein kämpfte mit den Tränen und musste mehrfach innehalten, als er im Regensburger Dom den Brief verlas, den er aus Rom mitgebracht hatte - den Abschiedsgruß des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an seinen älteren Bruder. "Am Schluss möchte ich dafür danken, dass ich in den letzten Tagen seines Lebens noch einmal mit ihm zusammen sein durfte", las Benedikts Privatsekretär mit brüchiger Stimme aus dem Schreiben vor. "Als ich am Montag, den 22. Juni, morgens bei ihm mich verabschiedete, wussten wir, dass es ein Abschied aus dieser Welt für immer sein würde".

An dem Requiem konnte Benedikt der XVI. nicht persönlich teilnehmen. Nach Angaben des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer verfolgte er die Trauerfeier aber per Livestream im Internet. Durch seine warmherzigen Abschiedsworte war er trotzdem in Regensburg präsent: "Vergelt's Gott, lieber Georg, für alles, was du getan, erlitten und mir geschenkt hast".

© BR

Erzbischof Georg Gänswein kämpfte mit den Tränen und musste mehrfach innehalten, als er im Regensburger Dom den Brief verlas, den er aus Rom mitgebracht hatte - den Abschiedsgruß des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an seinen älteren Bruder.

Benedikt XVI. besuchte Bruder kurz vor dessen Tod

Der frühere Pontifex war im Juni überraschend nach Regensburg gereist, um seinen schwer erkrankten Bruder zu besuchen. Er blieb fünf Tage, um Abschied zu nehmen - im festen Glauben daran, "dass der gütige Gott, der uns auf dieser Welt dieses Zusammensein geschenkt hat, auch in der anderen Welt regiert und uns dort ein neues Miteinander schenken wird", wie der 93-Jährige schrieb.

Seit seinem Rücktritt im Jahr 2013 lebt Benedikt XVI. in einem Kloster im Vatikan. Dort hatte ihn Georg Ratzinger immer wieder besucht. Die Brüder standen sich sehr nahe.

"Seine heitere Geselligkeit, sein Humor"

Benedikt erinnerte in seinem Brief auch an die Musikalität seines Bruders und die Freude, mit der dieser sein Amt als Domkapellmeister ausgeführt habe. Weitere Eigenschaften seien seine "heitere Geselligkeit, sein Humor, seine Freude an den guten Gaben der Schöpfung" gewesen. "Zugleich aber war er ein Mann des direkten Wortes, indem er seine Überzeugung offen aussprach", beschrieb der emeritierte Papst seinen Bruder.

Mehr als 20 Jahre habe Georg Ratzinger in "weitestgehender Blindheit" gelebt und sei so von einem guten Teil der Wirklichkeit ausgeschlossen gewesen."Dieser große Verzicht war immer schwer für ihn, aber er hat ihn auch stets von innen her angenommen und bestanden", schilderte Benedikt in dem Brief. Im Letzten aber sei sein Bruder doch "ein Mensch Gottes" gewesen. Auch wenn er seine Frömmigkeit nicht gezeigt habe, so sei sie doch die Mitte seines Lebens gewesen.

Bischof Voderholzer würdigt Ratzingers Menschlichkeit

Der Regensburger Bischof Voderholzer würdigte die Menschlichkeit und das musikalische Können des langjährigen Domkapellmeisters. Dabei verwies der Bischof darauf, dass Ratzinger Fehler aus seiner Zeit an der Spitze der Domspatzen eingeräumt und dafür um Vergebung gebeten habe.

Der heutige Leiter der Domspatzen, Christian Heiß, bezeichnete seinen Vor-Vorgänger als Ausnahmemusiker. Ratzinger habe von seinen Sängern immer das bestmögliche erwartet und sei bei allem Erfolg bescheiden geblieben. Er bezeichnete Ratzinger als verschmitzten Erzähler mit erstaunlichem Gedächtnis. Dieser habe ehemalige Chorknaben auch nach Jahrzehnten noch an ihrer Stimme erkannt.

Domspatzen sangen zu Ehren des ehemaligen Leiters

Der Sarg und ein großes Porträtfoto Georg Ratzingers vor dem Altar waren mit weißen Rosen und gelben Gerbera geschmückt. Ein Ensemble der Regensburger Domspatzen, die Ratzinger an dieser Stelle so oft dirigiert hatte, sang: "Denn er hat seinen Engeln befohlen" von Felix Mendelssohn Bartholdy nach Psalm 91. Manch' Trauergast war dabei zu Tränen gerührt - es war das Werk, das Ratzinger 1994 bei seinem Abschied von den Domspatzen im Dom dirigiert hatte.

Letzte Ruhestätte im Stiftungsgrab der Domspatzen

Unter den Trauergästen waren der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, der frühere Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sowie Gloria von Thurn und Taxis. Nach dem Requiem, bei dem wegen der Corona-Situation die Zahl der Plätze eingeschränkt war, wurde Ratzinger im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen auf dem Unteren Katholischen Friedhof beigesetzt.

Georg Ratzinger war am vergangenen Mittwoch im Alter von 96 Jahren gestorben.

© Uwe Moosburger/Bistum Regensburg

Gegen 12.30 Uhr wurde Georg Ratzinger am Unteren katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

© Uwe Moosburger/Bistum Regensburg

Gegen 12.30 Uhr wurde Georg Ratzinger am unteren katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

© Uwe Moosburger/Bistum Regensburg

Gegen 12.30 Uhr wurde Georg Ratzinger am unteren katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!