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Verfahren in München: HolidayCheck klagt gegen Fake-Bewertungen | BR24

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In einem Zivilprozess vor dem Münchner Landgericht zeichnet sich ein Erfolg für das Urlaubsportal Holidaycheck ab, dessen Vorstand gegen Fake-Bewertungen von Hotels zu Felde zieht. Die Kammer will ihr Urteil am 16. August verkünden.

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Verfahren in München: HolidayCheck klagt gegen Fake-Bewertungen

Vor dem Urlaub ist für viele der Blick auf die Hotelbewertung Standard. Doch was, wenn der Gastwirt die gute Note bei einer darauf spezialisierten Bewertungsfirma einfach kauft? Um diese Frage geht es in einem Verfahren vor dem Münchner Landgericht.

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Wie zuverlässig sind Hotel-Bewertungen im Netz? Darum geht es in einem Verfahren vor dem Münchner Landgericht. Das Urlaubsportal HolidayCheck hat die Firma Fivestar Marketing verklagt. Das Unternehmen soll gefälschte Hotel-Bewertungen verkauft haben.

Der Vorwurf: positive Fake-Bewertungen gegen Bezahlung

Das Unternehmen Fivestar Marketing wirbt mit angeblich seriösen Dienstleistungen. Doch die Justiz sieht das anders: Fivestar Marketing habe im Auftrag von Hoteliers positive Fake-Bewertungen über deren Unterkünfte schreiben lassen und dafür Geld erhalten. So lautet der Hauptvorwurf des Landgerichts München I.

Positive Fake-Bewertungen auf HolidayCheck.de veröffentlicht

Zum einen ist der Vorwurf, dass die Bewerter quasi von der Beklagten gekauft werden und auch bezahlt werden, zum anderen ist der Vorwurf, dass diese Bewerter dann eine interne Handlungsanweisung bekommen, dass die Bewertungen immer positiv sein müssen", erklärt Anne-Kristin Fricke, Sprecherin des Landgerichts München I, die detaillierte Klageschrift. Der dritte Vorwurf sei, dass die Bewerter niemals in den Unterkünften waren, die sie bewerteten.

Die positiven Rezensionen wurden auf dem Urlaubsportal HolidayCheck veröffentlicht. Das Unternehmen fand bei eigenen Recherchen heraus, dass eine Rezensentin gar keinen Buchungsnachweis für die Übernachtung im bewerteten Hotel besaß. Ein Hotel in Nordrhein-Westfalen gab zu, Bewertungen gekauft zu haben.

Verbraucherzentrale Bayern: "Verkaufte Bewertungen rechtswidrig"

Die Anwältin der beklagten Firma Fivestar Marketing gab beim mündlichen Termin vor dem Landgericht München I zu Protokoll, es gebe einen Pool von Bewertern, die für Rezensionen angeschrieben worden seien. Die Richter sind überzeugt, dass die Indizien ausreichen, um Fivestar Marketing die gefälschten Bewertungen nachzuweisen. Auch aus Sicht der Verbraucherzentrale Bayern ist das Geschäftsmodell mit verkauften Bewertungen eindeutig rechtswidrig.

Positiven Fake-Beurteilungen auch eine Folge von Verleumdungen

"Unternehmer hatten sich auch immer wieder mit sehr negativen Bewertungen auseinanderzusetzen, die gegebenenfalls auch missbräuchlich waren", sagt Julia Berger, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Dadurch habe sich auf der anderen Seite ein Geschäftsfeld aufgetan, dass positive Bewertungen zu generieren versuchte. Die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern beschreibt die einerseits sehr negativen, verleumderischen Bewertungen als auch eingekaufte positive Beurteilungen als zwei Seiten einer Medaille.

Mitte August will der Vorsitzende Richter möglicherweise das Urteil sprechen. Ein Problem könnte das Landgericht allerdings mit der Durchsetzung des Urteils haben. Fivestar Marketing hat seinen Firmensitz im mittelamerikanischen Belize.