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Verdi: Streikaufruf zum "Prime Day" von Amazon | BR24

© dpa/ Stefan Puchner

Die Flagge der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wehte bereits 2014 vor dem Amazon Logistikzentrum Graben (Schwaben).

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Verdi: Streikaufruf zum "Prime Day" von Amazon

"Prime-Day"-Aktion bei Amazon, gleichzeitig ruft Verdi zu bundesweiten Streiks auf: Auch im Logistikzentrum Graben bei Augsburg beteiligen sich die Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.

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Auch im siebten Jahr des Arbeitskampfes beim Versandriesen Amazon nutzt die Gewerkschaft Verdi dessen werbeträchtigen Sonderverkaufstag für Streiks. Zum sogenannten Prime Day haben auch Beschäftigte am Standort Graben bei Augsburg die Arbeit niedergelegt. Das Motto: Prime-Workers! Laut Angaben der Streikleitung folgten am Morgen etwa 300 Mitarbeiter dem Aufruf. Im Tagesverlauf würden rund 600 Beteiligte erwartet.

Ein Sprecher des Versandhändlers dagegen sprach von einer relativ geringen Streikbeteiligung. Er habe am Morgen etwa 120 Menschen gesehen, die sich vor dem Amazon-Standort in Graben versammelt hätten – nicht alle seien Mitarbeiter von Amazon gewesen. Einflüsse auf die Lieferprozesse habe der Streik in Graben nicht.

Streik der "Prime Workers"

Im vergangenen Jahr hätten sich deutschlandweit rund 2.400 Mitarbeiter an dem Streik beteiligt, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Seiner Einschätzung nach sei damit das Streikziel eines wirtschaftlichen Schadens erreicht worden. Amazon hatte mit Ersatzmannschaften den Betrieb aufrechterhalten. Auch Manager waren aufgefordert worden, selbst mit Hand anzulegen.

Bessere Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter

Hintergrund ist der seit 2013 schwelende Konflikt um einen Tarifvertrag für die bundesweit rund 16.000 Beschäftigten des US-Onlinehändlers. Zuletzt hatte es wegen langer Schichten und schwerer körperlicher bzw. psychischer Belastung Kritik seitens der Gewerkschaft gegeben. Verdi fordert vertraglich geregelte Maßnahmen zur Entlastung.

Verdi hatte zuletzt im Mai dieses Jahres die Beschäftigten an den Amazon Standorten Rheinberg und Werne (NRW), Bad Hersfeld (Hessen), Koblenz (Rheinland-Pfalz) und Leipzig (Sachsen) zu einem Streik aufgerufen. Neben besseren Arbeitsbedingungen fordert die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 163 Euro bzw. einen Euro mehr pro Stunde, so eine Sprecherin des Verdi Bundesvorstands in Berlin.

Bisherige Streiks ohne Einigung

Bislang war Amazon zu keinen Tarifverhandlungen bereit. Man könne auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein, hatte zuletzt eine Sprecherin betont. Das Unternehmen befürchte keine Auswirkungen der Streiks. Der weitaus größere Teil der Belegschaft würde regulär arbeiten.

In diesem Jahr weite Amazon seinen Einkaufs-Event "Prime Day" darüber hinaus auf 48 Stunden aus, teilte der Konzern mit. Bei der Aktion gäbe es in 18 Ländern Angebote nur für Mitglieder von Amazons kostenpflichtigem Abo-Dienst Prime. Sie wird am 15. Juli kurz nach Mitternacht beginnen und bis zum Ende des 16. Juli laufen, teilte der Konzern mit. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen weltweit mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar generieren können. Damals lief die Aktion 36 Stunden lang.

© BR/Johannes Hofelich

Gewerkschaftskundgebung vor dem Amazon-Standort bei Augsburg.