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Verdi kündigt neue Warnstreiks am Augsburger Uniklinikum an | BR24

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Archiv: Warnstreik am Uniklinikum

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    Verdi kündigt neue Warnstreiks am Augsburger Uniklinikum an

    Verdi will die Augsburger Uniklinik Anfang nächster Woche bestreiken. Es könne nicht sein, dass die Belegschaft wegen der Pandemie schlechte Arbeitsbedingungen akzeptieren müsse, so die Gewerkschaft. Kritik an den Plänen kommt von der Klinikleitung.

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    Es ist wie immer bei Innenveranstaltungen in Corona-Zeiten: Als erstes müssen sich alle in eine Gästeliste eintragen, auf dem Empfangstisch stehen Desinfektionsmittel-Spender und natürlich sind alle um den nötigen Abstand bemüht.

    Doch auch in der Pandemie muss das Streikrecht gelten, auch an der Augsburger Uniklinik - das macht die Gewerkschaft Verdi bei dieser Pressekonferenz am Mittwoch deutlich. Und das heißt konkret: Verdi ruft für Montag (19.10.) und Dienstag (20.10.) zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.

    Verdi: Haben uns Streikzeitpunkt nicht ausgesucht

    Ein Klinik-Streik mitten in der Pandemie? "Wir haben uns den Streitzeitpunkt nicht ausgesucht", sagt Tim Graumann von Verdi Augsburg dazu. Die Gewerkschaft habe schon früh im Jahr versucht, die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst voranzubringen. Die Arbeitgeberseite hat die Sache aber aus seiner Sicht verschleppt. Das Recht auf Streik sei jedenfalls ein Grundrecht – auch in Corona-Zeiten.

    Notfallversorgung laut Verdi auch bei Streik gesichert

    Es könne nicht sein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wegen der Pandemie schlechte Arbeitsbedingungen hinzunehmen hätten, so Graumann. Die Gewerkschaft ist überzeugt, dass Streikaktionen auch jetzt durchführbar seien.

    Das Klinikum habe ausreichend Zeit, um gegebenenfalls Patienten auf andere Stationen zu verlegen. Die Erfahrung zeige, dass das auch kurzfristig möglich sei. Und für Patienten, die nicht verlegt werden könnten, gibt es dem Verdi-Vertreter zufolge eine Notfallversorgung. Diese sei jederzeit garantiert.

    Gewerkschaft will vier Stationen an Uniklinik Augsburg bestreiken

    Neben Graumann sitzt Renate Demharter auf dem Verdi-Podium, Oberärztin und Personalrätin am Uni-Klinikum. Sie ergänzt, dass die Streikleitung auch die aktuelle Corona-Entwicklung im Blick habe. Sollte die Zahl der Covid-19-Patienten kommende Woche einen kritischen Wert erreichen, könnte der Warnstreik demnach abgebrochen werden.

    Gleiches gelte etwa bei einer etwaigen Massenkarambolage auf der Autobahn. In diesem Fall würde sofort die übliche OP-Kapazität wiederhergestellt, so Demharter. Nach ihren Worten sollen schwerpunktmäßig vier Stationen bestreikt werden: die Gefäßchirurgie, die Gastroenterologie, die Geriatrie und Allgemeinmedizin sowie die Kardiologie.

    Gefährden Streiks an Augsburger Uniklinik das Patientenwohl?

    Die Klinik sagt, dass durch den Warnstreik 207 Betten nicht versorgt würden. Darunter seien über 40 Überwachungsbetten von Herz-Patienten und die gesamten Betten der Geriatrie. Das Verhalten der Gewerkschaft sei "verantwortungslos". Planbare Operationen müssten erneut ausfallen: "Das bedeutet nicht, dass das beliebig verschiebbare Eingriffe sind", sagt Michael Beyer, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Klinik: "Wir reden hier auch von schwerkranken Tumorpatienten."

    Die Klinikleitung habe immer betont, dass sie großes Verständnis habe und es unterstütze, wenn die Mitarbeitenden für die Verbesserung der Rahmenbedingungen vor allem für Pflegekräfte einträten. "Aber ein zweiter Streik innerhalb weniger Tage mit diesen Ausmaßen und in Anbetracht der eskalierenden Pandemiesituation – das ist völlig unangemessen und der falsche Zeitpunkt", so Beyer weiter.

    Verdi weist Kritik der Klinikleitung zurück

    Aus Sicht von Verdi stellt sich die Situation anders dar: Das Klinikum, so die Gewerkschaft, habe insgesamt 1.402 Betten auf den Normalstationen. Der angekündigte Streik betreffe etwas mehr als 200 Betten. Das sei einem Warnstreik angemessen. "Das wichtigste ist aber: Uns geht es nie um 'nicht versorgte' Betten, sondern immer um die Patienten, die darin liegen."

    Laut Verdi sind Streiks in einzelnen Stationen geplant, nicht aber in ganzen medizinischen Bereichen: "Damit stellen wir sicher, dass kein medizinischer Bereich von den Streikmaßnahmen überlastet wird und für jeden medizinischen Bereich genügend Fachpersonal bereit steht, um eine Notversorgung sicher zu stellen." Die Aussage Beyers zu Tumorpatienten bezeichnet Verdi als "reine Polemik". Die Krebsabteilungen seien nämlich durch die Notdienstvereinbarung vom Streik ausgenommen.

    Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Geld

    Hintergrund ist der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst. Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, mindestens aber 150 Euro. Von Pflegerinnen und Pflegern ist bei dem Verdi-Termin am Mittwoch zu hören, dass sie schon in normalen Zeiten am Limit arbeiteten. Und während der Pandemie gelte das erst recht. Jetzt sei es an der Zeit, dass dem Applaus vom Frühjahr Taten folgen.

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