Ein Mädchen auf dem Schulweg wird von einem Autofahrer angesprochen.
Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann

Schulkinder sind in den vergangen Tagen mehrfach von Fremden angesprochen worden, meist steckt keine böse Absicht dahinter.

    "Verdächtiges Ansprechen" von Kindern: Wie reagiert man richtig?

    Immer wieder kursieren Meldungen, dass Kinder auf dem Schulweg von einem Fremden angesprochen wurden. So wie diese Woche in Cronheim bei Gunzenhausen. Oft steckt nichts dahinter. Dennoch sollten Eltern ihre Kinder vorbereiten. Die Polizei gibt Tipps.

    Am Freitagmorgen (20.01.) berichteten Kinder einer Lehrerin der Grundschule Gnotzheim von einem fremden - angeblich maskierten - Mann, der sie an einer Bushaltestelle in Cronheim angesprochen hatte. Die Schule reagierte sofort und informierte die Polizei. Auch unter den Eltern machte der Fall über die sozialen Medien schnell die Runde. In Oberfranken wurden ebenfalls in der vergangenen Woche mehrfach Grundschulkinder von einem Exhibitionisten belästigt. Die Polizei geht allen Fällen von "verdächtigem Ansprechen" nach, kann aber in der Regel Entwarnung geben.

    Fall in Cronheim hat sich gelöst

    So auch in dem Fall in Cronheim. Die Polizei überprüfte sofort den Schulweg, leitete Fahndungsmaßnahmen ein und sprach mit den betroffenen Kindern. Dabei kam heraus, dass sich der Fall nicht wie zunächst geschildert zugetragen hatte. Laut Ermittlungen der Polizei handelte es sich um einen Mann aus dem Ort, der nicht maskiert war und die Kinder aus einem nachvollziehbaren Grund angesprochen hatte. Die Schilderungen einer Schülerin eines ähnlichen Falls im wenige Kilometer entfernten Heidenheim werden noch geprüft.

    Fast täglich Meldungen über "verdächtiges Ansprechen"

    Auf Nachfrage des BR erklärt eine Sprecherin der Polizei Mittelfranken, dass fast täglich Meldungen eingingen, bei denen Kinder von Fremden angesprochen wurden. Die Polizei nimmt jeden einzelnen Fall ernst und ermittelt. Allerdings so Sprecherin Janine Mendel, sei ihr aus den vergangenen zehn Jahren kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Kind von einem Fremden in ein Auto gezerrt worden sei. In den allermeisten Fällen stecke keine kriminelle Absicht hinter dem Ansprechen von Kindern. Eltern seien aber inzwischen sehr aufmerksam – und es sei auch richtig, jeden Verdachtsfall der Polizei zu melden.

    Polizei sucht Exhibitionisten in Mittel- und Oberfranken

    Gleich zweimal hat sich in der vergangenen Woche ein Exhibitionist Schulkindern in Neunkirchen am Brand im Landkreis Forchheim genähert. Am Dienstag (17.01.) stellt er sich ohne Hose und Unterhose einer 10-Jährigen in den Weg. Am Freitag (20.01.) belästigte vermutlich derselbe Mann vier Grundschülerinnen einer dritten Klasse mit seinem Auftreten. Wiederum war er untenherum völlig nackt und nahm diesmal auch sexuelle Handlungen an sich vor. Auch in Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt wurden am vergangenen Mittwoch (18.01.) zwei Kinder von einem Exhibitionisten am Bahnhof belästigt, der ihnen auch noch folgte, als sie davonrannten. Die Polizei bittet in allen Fällen um Hinweise aus der Bevölkerung.

    Panikmache vermeiden

    Grundsätzlich weist die Polizeisprecherin aber auch darauf hin, dass sexueller Missbrauch von Kindern fast immer im persönlichen Umfeld durch vertraute Personen passiert. Wichtig sei, dass Eltern regelmäßig mit ihren Kindern über ihre Sorgen und Ängste sprechen und ihnen vermitteln, dass sie alles erzählen können. Wenn ein Kind von einer bedrohlichen Situation berichtet, sollten die Eltern dennoch Ruhe bewahren.

    Zunächst sollten sie aufmerksam zuhören, sich das Erlebte genau schildern lassen und dann die Polizei verständigen. Von einem Weiterverbreiten oder Warnungen über soziale Medien durch die Eltern rät die Polizei ab. Hier könnten die Schilderungen schnell außer Kontrolle geraten und Panik verbreiten. Diese sei dann auch für die Kinder ein schlechter Begleiter und würde sie stark verunsichern.

    Polizei: Kinder durch gute Vorbereitung schützen

    Das Wichtigste sei, dass die Kinder auf schwierige Situationen vorbereitet seien und wissen, wie sie reagieren können. Die Eltern sollten ihnen beibringen, dass Kinder die Bitten oder Aufforderungen von fremden Personen immer ablehnen können. Sie sollten laut und deutlich "nein" sagen, so dass auch Umstehende aufmerksam werden. Zudem sollten Eltern mit ihren Kindern besprechen, wo sie sich auf dem Schulweg Hilfe holen können, z.B. in Geschäften oder bei wem sie klingeln können. Die Kinder sollten möglichst in kleinen Gruppen unterwegs sein. Zudem würden Täter eher unsicher wirkende Kinder ansprechen, deshalb sei es wichtig, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken – eventuell sogar mit einem Selbstbehauptungskurs.

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