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Verbraucherschützer fordern bindendes Tierwohl-Siegel bei Milch | BR24

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Die Verbraucherzentrale Bayern fordert eine einheitliche, staatliche Kennzeichnung von Tierwohl auf Milchpackungen. Denn bislang seien viele Kunden im Supermarkt ratlos angesichts der vielen Labels und Siegel aus der Privatwirtschaft.

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Verbraucherschützer fordern bindendes Tierwohl-Siegel bei Milch

Die Verbraucherzentrale Bayern fordert eine einheitliche, staatliche Kennzeichnung von Tierwohl auf Milchpackungen. Denn bislang seien viele Kunden im Supermarkt ratlos angesichts der vielen Labels und Siegel aus der Privatwirtschaft.

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Es soll einheitlich und verpflichtend auf jede Milchpackung: ein Siegel, das anzeigt, unter welchen Bedingungen die Milchkühe gehalten werden. Das fordert die Verbraucherzentrale Bayern.

Laut Verbraucherzentrale gibt es zwar durchaus schon vertrauenswürdige Label – wie etwa das des Deutschen Tierschutzbundes. Doch oft wüssten die Verbraucher nicht, welches Label wofür genau steht. Tatsächlich finden sich auf manchen Milchpackungen gleich mehrere Kennzeichen zu Haltung, Herkunft und Fütterung der Milchkühe.

Verpflichtende Kennzeichnung könnte helfen

Die Lösung wäre nach Ansicht der Verbraucherschützer eine verpflichtende Kennzeichnung, die auf jeder Packung stehen müsste:

"Eine verpflichtende Haltungskennzeichnung auf Tierwohlkriterien erweitert, europäisch! Und dann wären alle auf dem gleichen Level und die Verbraucher hätten wirklich eine Wahl, könnten sich entscheiden und müssten sich entscheiden." Jutta Saumweber, Verbraucherzentrale Bayern

84 Prozent wünschen sich mehr Tierwohl

Vielen ist das Thema offenbar wichtig: In einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums geben 84 Prozent der Befragten an, dass sie sich mehr Tierwohl wünschen. Und auch nach Tierschutzskandalen wie zuletzt in Bad Grönenbach drehen sich in sozialen Netzwerken die Diskussionen immer wieder um die generelle Haltung der Kühe.

Bei Eiern hat es funktioniert

Dass eine verpflichtende Kennzeichnung funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Eier. Seitdem es die verpflichtende Haltungskennzeichnung für frische Eier gibt, hat sich der Verkauf im Supermarkt innerhalb der letzten zehn Jahre stark verändert: War 2008 noch mehr als jedes dritte Ei aus einem Kleingruppen-Käfig – der schlechtesten Haltungsform - gibt es solche Käfig-Eier heute in den Supermärkten gar nicht mehr. Stattdessen ist jetzt fast jedes dritte Ei ein Freiland-Ei. Und der Bio-Anteil hat sich mit immerhin 14 Prozent fast verdoppelt.

Tierwohl soll Thema der EU-Ratspräsidentschaft werden

Die Politik ist bei einer einheitlichen Kennzeichnung bislang zurückhaltend. Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilt aber mit: "Unsere Bundesministerin hat wiederholt deutlich gemacht, dass es Ziel sein muss, auf europäischer Ebene eine verpflichtende Tierwohlkennzeichnung einzuführen. Sie hat angekündigt, dies zum Thema der bevorstehenden deutschen Ratspräsidentschaft 2020 zu machen." Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.

Kennzeichnung bedeutet mehr Aufwand für Hersteller

Beim Verband der Milcherzeuger Bayern ist man auch eher skeptisch:

"Wir sind grundsätzlich bei verpflichtenden Kennzeichen sehr zurückhaltend und haben es lieber, wenn man am Anfang auf Freiwilligkeit setzt. Freiwilligkeit, um zu sehen, wie derartige Programme und Initiativen auch am Markt honoriert werden. Letztendlich geht es auch immer um die Frage: Was bleibt bei wem hängen?" Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer Verband der Milcherzeuger Bayern

Denn Tierwohl verpflichtend zu kennzeichnen, bedeutet auch mehr Aufwand: Bei der getrennten Abholung und Verarbeitung der Milch in den Molkereien zum Beispiel.

Mehr Platz und Liegeboxen mit Stroh

Milchbauer Albert Sporer aus Oberliezheim im Landkreis Dillingen produziert in seinem Stall schon Tierwohl-Milch – für ein Label des Deutschen Tierschutzbundes. Seine Kühe haben unter anderem deutlich mehr Platz und die Liege-Boxen sind mit Stroh eingestreut. Er sagt, wenn der höhere Aufwand auch bezahlt wird, seien sicher viele seiner Kollegen bereit, die Ställe noch mehr an das Tierwohl anzupassen.

Dann braucht der Kunde nur noch mehr Orientierung beim Einkauf, damit er tatsächlich mitentscheiden kann, wie die Kühe hierzulande gehalten werden.