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Verbot statt Lockerung: Fitness- und Ballsportler enttäuscht | BR24

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Fitness-Studios, Tanzschulen, Ballettstudios und andere Sportvereine müssen ihre Hallen während des Teil-Lockdowns geschlossen lassen. Einige Vereine haben sich Alternativen überlegt, um ihre Kunden dennoch fit zu halten.

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Verbot statt Lockerung: Fitness- und Ballsportler enttäuscht

Bis Donnerstag konnten Sportstudios noch Ballsportarten anbieten – mit strengen Hygieneauflagen. Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs machte Hoffnung für mehr Spielraum. Doch nun hat die bayerische Staatsregierung Indoor-Sport komplett verboten.

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Von
  • Frank Strerath

Im Sport- und Gesundheitspark Roth flogen am Donnerstagabend noch die Bälle – auf dem Badmintonfeld und dem Squash-Court. Auf dem Platz gab es jedoch strenge Regeln – nur zwei Spieler auf dem Feld, nur bei Personen aus einem Haushalt wäre ein Doppel möglich. Der Weg zum Spielort und zurück nur mit Maske. Keine Sauna, keine Dusche, Sport machen und schnell wieder nach Hause, mit möglichst wenig Begegnungen.

Doch kurz nachdem die letzten Gäste gegangen waren, bekam Inhaber René Wischer die Nachricht – das ist nun auch verboten. Ab sofort.

Keine Lockerung – Verschärfung der Regeln

Der Grund dafür ist ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts. Das sah den Gleichheitsgrundsatz verletzt, wenn Ballsportler beim Tennis, Squash oder Badminton in die Halle dürfen, Sportler im Fitnessstudio jedoch nicht. Das Gericht empfahl eigentlich eine Lockerung - und in solch einem Rahmen auch die Fitnessstudios wieder zu öffnen.

Doch die Bayerische Staatsregierung zog andere Konsequenzen – und interpretierte den Gleichbehandlungsgrundsatz vollkommen anders. Sie verbot kurzerhand auch die Ballsportarten: Hallensport war ab sofort nicht mehr erlaubt.

Für René Wischer in Roth hieß das – noch am Abend änderte der Studiobetreiber den Eintrag auf der Internetseite und sagte den Gästen für den nächsten Tag ab. "Es kommt kein Kunde mehr rein, kein Mitglied mehr, kein Ballsportler mehr, nichts mehr, die Tür bleibt zu, es bleibt dunkel", sagte Wischer dem BR. Besonders hart für den Unternehmer – sein angeschlossenes Fitnessstudio musste er schon Anfang November schließen. Das war der erste Einschnitt während des Teil-Lockdowns.

Ministerium begründet Schritt mit steigenden Infektionszahlen

Für den zuständigen Staatssekretär im Gesundheitsministerium ließ das Gerichtsurteil keinen anderen Schluss zu. Das Gericht habe ja nicht die Schutzwirkung beanstandet, sondern das Thema Gleichbehandlung aufgeworfen, erklärt Staatssekretär Klaus Holetschek.

"Wenn wir jetzt einen Höchststand an Infektionen haben, dann müssen wir, denke ich, den Schutz weiter hochhalten. Und um den Argumenten des Gerichts nachzukommen, gab es eigentlich keine Alternative mehr, außer die Sporthallen auch konsequent zu schließen." Klaus Holetschek, Staatssekretär im bayerischen Gesundheitsministerium
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Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, weist darauf hin, dass Sport in dieser Zeit extrem wichtig ist - körperlich wie psychisch. Der Verband selbst kann nicht klagen, aber seine Vereine planen das.

Herbe Enttäuschung für das Fitnessstudio

Die vergangenen Wochen hatten sie in Roth wie an vielen anderen Orten auch eine Menge Zeit und Engagement in das Hygienekonzept investiert – und die Kunden zogen mit. Diese Entscheidung ist nun ein herber Rückschlag. "Wir haben Tag für Tag erlebt, wie sich unsere Kunden an diese Konzepte halten, wirklich absolut vorzüglich, und deswegen ist es umso trauriger, dass man jetzt unsere Branche nochmal so abstraft", meint René Wischer. Den Kontakt zu den Kunden zu halten, wird nun noch schwieriger. Eigentlich ist der November der stärkste Monat im Jahr. Der fällt nun flach.

In den vergangenen Tagen hatte er schon einige Kündigungen der Studio-Mitglieder auf dem Tisch. Das könnten nun noch mehr werden, befürchtet Wischer. Eigentlich wollten die Kunden ja nichts lieber tun, als Sport zu machen. Die einzige Möglichkeit, den Kontakt weiter zu halten sind nun die Online-Kurse der Fitness-Trainer.

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