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Vatertag: Häftlinge nehmen CDs für ihre Kinder auf | BR24

© BR/Sarah Beham

Vatertag im Gefängnis Straubing: Damit die Kinder ihre Väter nicht zu sehr vermissen, haben inhaftierte Papas CDs aufgenommen, auf denen sie vorlesen.

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Vatertag: Häftlinge nehmen CDs für ihre Kinder auf

Auch im Straubinger Gefängnis gibt es Väter. Doch wegen Corona dürfen sie zum Vatertag nicht besucht werden. Damit die Kinder zuhause aber ein Stück Papa am Vatertag haben, haben die Männer aus dem Gefängnis CDs für ihre Kinder aufgenommen.

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Inhaftierte Väter können dieses Jahr am Vatertag nicht von ihren Kindern besucht werden. Damit der Nachwuchs zuhause deswegen nicht traurig ist, haben die Männer aus der Justizvollzugsanstalt Straubing CDs für ihre Kinder aufgenommen: Damit sie den Papa zumindest hören können.

Häftling liest aus "Die kleine Hexe Leonie"

Ein 45-jähriger Häftling liest aus dem Buch "Die kleine Hexe Leonie" vor. Er hat sich viele Gedanken gemacht, welches Buch zu seiner fünfjährigen Tochter passen würde. Für seinen achtjährigen Sohn hat er das Buch "Wer weiß das" ausgesucht - der Junge sei sehr an Naturwissenschaften interessiert, sagt der Vater.

Mit Hilfe von Sozialpädagogen das Sprechen geübt und aufgenommen

Doch die Kinder können nicht auf dem Schoß ihres Vaters sitzen, während er vorliest. Denn der 45-Jährige ist Häftling im Straubinger Gefängnis. Seit drei Jahren ist er hinter Gittern, weitere drei Jahre wird er hier verbringen. Er liest ganz alleine in einem Tonstudio im Gefängnis vor - seine Worte werden auf CD aufgenommen. Das gehört zum Projekt "Storybook-Dads" im Straubinger Gefängnis. Sozialpädagogen helfen beim Sprechen, beim Aufnehmen und Schneiden. Per Post kommt die CD pünktlich zum Vatertag bei den Kindern an:

"Da haben sie die Stimme dann, das ist wichtig. Man hört den Papa, man freut sich. Umgekehrt ja auch: Man freut sich genau so, wenn man die Stimmen der Kinder hört. Sie haben halt den Papa ein bisschen nah - man ist wieder mehr Vater." 45-jähriger Häftling in Straubing

Situation ohne Besuch ist schwierig für die Väter

Die Situation für Gefangene ist derzeit schwierig. Wegen Corona können sie nicht besucht werden. Der 45-Jährige hat seine Kinder seit Februar nicht mehr gesehen: "Das ist ein Ausnahmezustand, das ist sehr schwer. Man hat seine Momente, wo man in sich kehrt und nachdenkt und die ein oder andere Träne verdrückt, schwierig, total hart. Das ist das Wichtigste, Familie."

Telefonieren und Skypen ist möglich

Wie schwierig die Situation während Corona für die Gefangenen ist, weiß stellvertretender JVA-Leiter Marcus Hegele. Doch die Häftlinge nehmen die strengen Regeln gut an und dürfen deswegen auch öfter Telefonieren oder sogar Skypen. Aus einem ganz bestimmten Grund: Den Menschen hinter dem Straftäter zu erkennen.

"Denn er ist nicht nur Straftäter, sondern Ehemann, Sohn, Papa. Und da müssen wir bestrebt sein, menschlich zu agieren. Die Familie darf während der Haft nicht kaputt gehen. Wenn wir es sogar schaffen, die Familie wieder zu stärken oder besser zu verbinden, wäre das ein super Resozialisierungserfolg." Marcus Hegele, stellvertretender JVA-Leiter Straubing

Hegele ist selbst Vater und gerührt von den Tonaufnahmen der Häftlinge für ihre Kinder: "Wenn dann vor allem die Papas emotionale Botschaften an das Kind richten, wie "Mein Herzi, mein Schatzi, ich liebe dich, ich denke an dich" - ja, das bewegt auch einen erfahrenen Anstaltsjuristen."

© JVA Straubing

Die CD-Cover haben die Väter selbst gestaltet

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