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Vater hofft auf Umdenken in Raserszene nach Samerberg-Urteil | BR24

© BR/Martin Binder

Die beiden Angeklagten mit ihren Anwälten kurz vor der Urteilsverkündung

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    Vater hofft auf Umdenken in Raserszene nach Samerberg-Urteil

    Es waren schwere Tage im Gericht für die Eltern zweier junger Frauen vom Samerberg, die bei einem Unfall starben. Der Berufungsprozess endete mit Haftstrafen. Der Vater eines der Opfer hofft, dass das Urteil etwas in der Raserszene bewirkt.

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    Die beiden Angeklagten hatten im ersten Prozess am Rosenheimer Amtsgericht Freiheitsstrafen ohne Bewährung bekommen. Dagegen hatten sie Berufung eingelegt. Nun fiel das Strafmaß noch höher aus: Einer muss zwei Jahre und fünf Monate in Haft, der andere zwei Jahre und drei Monate. Das Landgericht Traunstein verurteilte beide unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

    Mahnung an alle Raser

    Die Angehörigen der beiden getöteten Mädchen nahmen das Urteil mit Erleichterung auf – "auch wenn keine Strafe dieser Welt unsere Kinder zurückbringt", sagte Ralf Rüth. Bei dem Unfall starb seine 21-jährige Tochter. Rüth hofft, dass das Urteil etwas in der Raserszene bewirken wird. Die Fahrer wüssten nun, dass sie mit drastischen Strafen rechnen müssen – sogar Gefängnis. Die beiden Angeklagten waren zwar bei dem tödlichen Unfall nicht mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, einer der beiden ist aber wegen eines illegalen Autorennens verurteilt worden. Und: In Rosenheim gibt es eine Raserszene, die seit gut zwei Jahren von einer eigenen Ermittlungsgruppe der Polizei beobachtet wird.

    Angehörige: Jahrelanges Verfahren ging an die Substanz

    "Wir hoffen, dass wir jetzt endlich Ruhe finden und die ganze Sache abschließen können", sagte Franz Daxlberger. Er hat bei dem Unfall eine Tochter verloren, eine zweite wurde schwerst verletzt und leidet immer noch unter den Folgen. Das Verfahren, das sich über drei Jahre hinzog, sei an die Substanz gegangen. Die Familien seien täglich mit dem Unfall konfrontiert worden.

    Ein bestimmter Satz entscheidend fürs Strafmaß

    "Die Schweine habe mich nicht reingelassen." Dieser Satz war mit entscheidend für das Gericht, die beiden Angeklagten zu Haftstrafen ohne Bewährung zu verurteilen. Gesagt hat diesen Satz der Verursacher des tödlichen Unfalls auf der Rosenheimer Südumgehung vor fast genau drei Jahren. Der Fahrer eines Golf GTI war im Gegenverkehr mit einem Kleinwagen frontal zusammengestoßen. In diesem Wagen saßen die drei Frauen.

    Telefonat nach Frontalzusammenstoß

    Unmittelbar nach dem Unfall, noch an der Unfallstelle, hatte der Golf-Fahrer – selbst schwer verletzt – in einem Telefonat mit seiner Schwester diesen Satz gesagt. Er meinte damit, dass ihn die beiden BMW-Fahrer, die er gerade überholt hatte, nicht mehr rechtzeitig einscheren ließen und es deshalb zum Unfall kam. Für Richter Jürgen Zenkel ist das ein authentischer Satz, den sich niemand unmittelbar nach einem so traumatischen Erlebnis wie einem Frontalzusammenstoß ausdenkt. Zumal der Golf-Fahrer diese Aussage später immer wieder so gesagt habe. Er war vom Rosenheimer Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten und 3.000 Euro Geldauflage verurteilt worden und hatte das Urteil akzeptiert.

    Gesamtschau statt objektiver Beweismittel

    "Objektive Beweismittel gibt es nicht", sagte der Richter, deshalb sei dieser Satz so wichtig gewesen. Es gebe viele einzelne Indizien, die für die Täterschaft der Angeklagten sprechen. "In der Gesamtschau haben wir die sichere Überzeugung gewonnen, dass der Fahrer des hinteren BMW den Abstand zum vorderen verringert hat und der vordere Gas gegeben hat, um den überholenden Golf nicht mehr einscheren zu lassen", so der Richter.

    Aus Sicht des Richters "hochkriminelle Handlung"

    Der Richter betonte allerdings, dass es vor dem Unfall kein Rennen gegeben habe, zumindest nicht von den Angeklagten. Wenn jemand ein Rennen fuhr, dann höchstens der Unfallverursacher, der sich von den beiden Angeklagten provozieren ließ. Zum Schluss seiner Urteilsbegründung sagte Zenkel zu den Angeklagten: "Es handelt sich um keinen Dummejungenstreich, sondern um eine hochkriminelle Handlung, die knapp am Vorsatz vorbeigeschrammt ist."

    Revision möglich

    Der Anwalt eines der beiden Angeklagten, Harald Baron von Koskull, bedauerte das Urteil. Er habe darauf vertraut, dass die Justiz ein Urteil trifft, das nicht beeinflusst ist von der öffentlichen Meinung. "Es sollte das Prinzip der Justiz sein, wenn man nur die Vermutung hat und es nicht beweisen kann, dass man dann die Leute nicht wegsperren kann", so von Koskull zum BR. Er könne nicht ausschließen, dass sein Mandant in Revision gehe.