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Bildrechte: dpa/Armin Weigel

In vielen Impfzentren in Oberpfalz und Niederbayern sind bis auf Weiteres kaum noch Erstimpfungen möglich. Das ergab eine BR-Umfrage. Der Grund: Der vorhandene Impfstoff wird für die Zweitimpfungen verwendet, der Nachschub stockt.

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Vakzin-Mangel: Kaum Erstimpfungen mehr in den Impfzentren

In vielen Impfzentren in der Oberpfalz und Niederbayern sind bis auf Weiteres kaum noch Erstimpfungen möglich. Das ergab eine BR-Umfrage. Der Grund: Der vorhandene Impfstoff wird für die Zweitimpfungen verwendet, der Nachschub stockt.

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Von
  • Marcel Kehrer
  • BR24 Redaktion

Kommt die Impfkampagne wieder ins Stocken? In den bayerischen Impfzentren sind bis auf Weiteres kaum noch Erstimpfungen möglich. Das Gesundheitsministerium in München bestätigte dem BR, dass man den begrenzten Impfstoff derzeit für Zweitimpfungen brauche. "Bei nahezu gleichbleibenden Liefermengen für die Impfzentren durch den Bund bedeutet dies eine Verteilung des Impfstoffs hin zu einem Großteil an Zweitimpfungen", hieß es auf BR-Anfrage. Wie lange diese Situation andauern wird, präzisierte das Ministerium nicht.

Landkreis Regensburg: Mittwoch ist Schluss

Die Impfzentren sollen beim Impfstoff von Biontech zudem die mögliche 7. Dosis entnehmen. Das sagte das Landratsamt Regensburg dem BR. Die bestehende europäische Zulassung sieht nur sechs Impfstoffdosen pro Ampulle vor. Das Impfzentrum des Landkreises Regensburg beispielsweise werde voraussichtlich nur noch bis Mittwoch Erstimpfungen durchführen können, so ein Sprecher des Landratsamtes. Dann müsse man sehen, ob und wie es weitergeht. Den Kreisverwaltungsbebörden sei eine klare Priorisierung auf Zweitimpfungen vorgegeben worden.

Auch im Impfzentrum der Stadt Regensburg werden in Zukunft nicht mehr allzu viele Termine für Erstimpfungen angeboten, weil der Impfstoff rar ist.

Kreis Straubing-Bogen: Keine Lieferung in Sicht

Das Landratsamt Straubing-Bogen sagte dem BR, dass für diese, die nächste und die übernächste Woche keine Impfstofflieferungen für Erstimpfungen angekündigt seien. Das Landratsamt Schwandorf teilte ebenfalls mit, dass sich alle Impfungen mit Biontech zunächst ausschließlich auf Zweitimpfungen konzentrieren. Einer der Gründe sei auch, dass die mit AstraZeneca erstgeimpften Personen unter 60 Jahren ihre Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Hierfür werde Moderna verwendet.

Die beiden mRNA-Impfstoffe Biontech und Moderna werden in den Impfzentren vorrangig eingesetzt. Einige Impfzentren haben auch Sonderzuweisungen von Johnson & Johnson bekommen, der wie AstraZeneca ein Vektorimpfstoff ist.

"Umfassende Versorgung aktuell nicht möglich"

Die Impfzentren erhalten eine nach Bevölkerungsschlüssel festgelegte Menge Impfstoff vom Bund. Ärzte beziehen den Impfstoff hingegen über die Regelversorgung, also vom Großhandel über die Apotheken. "Gleichwohl ist die Menge des vorhandenen Impfstoffs natürlich bundesweit noch limitiert, sodass eine sofortige und umfassende Versorgung aktuell noch nicht möglich ist", betont das Bayerische Gesundheitsministerium.

Kritik von Lokalpolitikern

Die Landrätin des Landkreises Regen im Bayerischen Wald, Rita Röhrl, kritisiert die derzeit stockende Impfstoffversorgung. Die SPD-Politikerin spricht von einer "Mangelverwaltung". Derzeit bekomme das Impfzentrum in Regen, ähnlich wie andere bayerischen Landkreise, keine Vakzine für Erstimpfungen. "Fakt ist, wir könnten wesentlich mehr impfen, die Impfwilligen wären mehr als wir derzeit Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen," so Röhrl im Gespräch mit dem BR. Sie habe zwar "vollstes Verständnis" dafür, dass die Zweitimpfungen ordnungsgemäß durchgeführt werden können. Aber, "Ab der KW 22 (Anfang Juni) brauchen wir wieder zuverlässige Impfstoffliefermengen, sonst ist die Auslastung des Impfzentrums eine Katastrophe."

Ministerium sieht Impffortschritt

Ab dem 7. Juni können auch Betriebsärzte in die Impfung einsteigen. Bislang gab es hier nur Pilotprojekte. Das Ministerium betont, dass "mit der hohen Zahl an Erstimpfungen seit der 13. Kalenderwoche" ein großer Impffortschritt erzielt worden sei. "Naturgemäß müssen die begonnenen Impfserien innerhalb der vorgegebenen Intervalle abgeschlossen werden". Der Umfang der nun anstehenden Zweitimpfungen sei so erwartet worden. Die Impfstoff-Liefermengen blieben aber nahezu gleich.

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