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User verteidigen Nürnberger Christkind gegen Angriff von AfD | BR24

© dpa/Daniel Karmann

Die 17-jährige Benigna Munsi wurde von einer Jury am 30. Oktober 2019 auf zwei Jahre zum neuen Nürnberger Christkind gewählt.

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    User verteidigen Nürnberger Christkind gegen Angriff von AfD

    Benigna Munsi war gerade zum Nürnberger Christkind gekürt, da kommentierte der AfD Kreisverband München-Land ihre Wahl mit einem rassistischen Facebookpost. Viele empörte User nahmen Munsi in Schutz. Mittlerweile wurde der Beitrag gelöscht.

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    Die 17-jährige Benigna Munsi ist ein echtes Vorzeige-Christkind: Die gebürtige Nürnbergerin spricht vier Sprachen, sie ist Ministrantin, singt im Jugendchor und spielt Oboe. Als Statistin und Mitglied im Jugendclub des Staatstheaters schnupperte sie schon erste Bühnenluft. "Ihre Frische, ihre herzliche Art und Ehrlichkeit" hatten die 15-köpfige Jury bei der Wahl zum neuen Nürnberger Christkind überzeugt.

    AfD-Kreisverband hetzt gegen neues Christkind

    Munsis Vater ist indischer Herkunft. Dass das Nürnberger Christkind dadurch eine dunklere Hautfarbe hat, daran störte sich offenbar der ein oder andere. Und so mischten sich unter die vielen positiven Rückmeldungen und zahlreichen Glückwünschen in den sozialen Netzwerken auch rassistische Bemerkungen.

    Der AfD-Kreisverband München-Land etwa nahm die Wahl Munsis zum Anlass, gegen die 17-Jährige auszuteilen und veröffentlichte auf seiner Facebookseite ein Pressefoto von ihr mit dem Kommentar: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen." Eine Anspielung auf die Ausrottung der indigenen Völker Amerikas.

    Shitstorm für die AfD: User stellen sich hinter Benigna Munsi

    Viele User zeigten sich empört, ein regelrechter "Shitstorm" brach über den Verband herein - oder besser, ein sogenannter "Candystorm" für Benigna Munsi. Gut 1.600 überwiegend positive Kommentare und Gratulationen häuften sich innerhalb weniger Stunden unter dem Beitrag der AfD an.

    "Perfekte Wahl" und "eine bezaubernde junge Frau"

    Mit dem Kommentar "So ein schönes offenes Lächeln! Deswegen habe ich sie u. A. auch gewählt", nahm eine Facebook-Userin beispielsweise das neue Christkind in Schutz und bekam dafür mehr als 1.000 Likes. Andere posteten unter dem Beitrag der AfD Komplimente an Munsi und beglückwünschten sie zum Wahlergebnis: "Eine perfekte Wahl [...] Sie wird das Christkind toll repräsentieren!" oder: "Was für eine bezaubernde junge Frau! Ich wünsche ihr ganz viel Spaß bei dieser Aufgabe!"

    Auch bei Twitter wurde der Facebook-Post der AfD zuhauf diskutiert und kommentiert: "Was wohl geschieht, wenn die AfD erfährt, dass Jesus Christus kein blonder, blauäugiger arischer Deutscher war...?", twitterte zum Beispiel ein User.

    AfD löscht Beitrag nach 1.600 positiven Kommentaren

    Einige Kommentare richteten sich auch direkt gegen die AfD: "Sie hat Euch ganz viel voraus: Eine nette und empathische Ausstrahlung!" Und: "Man kann zumindest sicher sein...dass sie nicht blaubraun vorbelastet ist...Herzlichen Glückwunsch für die sehr gute Wahl..."

    Nachdem der Post fast einen halben Tag online war, wurde er kommentarlos von der Facebookseite des AfD-Kreisverbandes entfernt. Das sei klar, meint ein User: "Nach 1.600 positiven Kommentaren und einem wunderbaren Eigentor für die AfD, kein Wunder."

    AfD-Kreisvorsitzende entschuldigt sich bei Benigna Munsi

    Die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte auf dpa-Anfrage, der Beitrag entspreche nicht den Werten der AfD und sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten.

    "Solche Inhalte teile ich definitiv nicht. Ich möchte mich im Namen des Kreisverbands bei Frau Munsi entschuldigen. Wir finden, dass sie ein sehr gutes Christkind für Nürnberg sein wird." Christina Specht, AfD-Kreisvorsitzende München-Land

    Im Kreisverband seien Iraner und Chinesen Mitglied. Als Konsequenz aus dem Posting gelte nun im Kreisverband bei Kommentaren in sozialen Netzwerken ab sofort das Vier-Augen-Prinzip, sagte Specht.

    Auch AfD-Marl stichelt auf Facebook gegen Christkind

    Nur wenige Stunden nach dem umstrittenen Beitrag des AfD-Kreisverbands München-Land legte die AfD-Marl (NRW) auf Facebook nach und schrieb: "Auch wenn das 'Christkind' auf den Bildern eigentlich immer nur goldenes Haar besitzt, schicken wir einen herzlichen Glückwunsch von der AFD Marl nach Nürnberg."

    In der ursprünglichen Fassung des Posts, die man über den Bearbeitungsverlauf einsehen kann, hieß es zunächst: "Nürnberger Christkind heißt Benigna Munsi. War da nicht mal was mit 'Christkind und goldenen' Haar?" Die AfD-Marl hatte den Beitrag also offensichtlich angepasst, nachdem der "Candystorm" mit Komplimenten, Glückwünschen und positiven Kommentaren vonseiten der User auch hier nicht lange auf sich warten ließ.

    Eine Userin kommentierte beispielsweise: "Die junge Frau ist in Nürnberg geboren, spricht vier Sprachen, ist Ministrantin und singt im Kirchenchor. Und was ist nun euer Problem?" Eine direkte Antwort der AfD blieb aus.

    Stattdessen meldete sich die Partei mit folgendem Kommentar zur Wort: "Mit so einer enormen Resonanz hätten wir nicht gerechnet, schön dass man unsere Beiträge liest. Eventuell auch mal ein gefällt mir hinterlassen."

    17-jährige Gymnasiastin setzte sich gegen fünf Mitstreiterinnen durch

    Die 17-jährige Benigna Munsi hatte sich in der Endausscheidung der Wahl des Nürnberger Christkinds einstimmig gegen fünf weitere Bewerberinnen durchgesetzt. Damit tritt die Schülerin des Labenwolf-Gymnasiums die Nachfolge von Rebecca Ammon an, deren Amtszeit nach zwei Jahren endet.

    "Wir sind überzeugt, dass Benigna eine sehr gute Botschafterin Nürnbergs sein wird und ihre Aufgaben gut meistern wird", sagte Stadtsprecher Siegfried Zelnhefer.

    Christkind eröffnet traditionell Nürnberger Christkindlesmarkt

    Auf Munsi warten jetzt zwei spannende, aber auch anstrengende Jahre. Zu den Aufgaben des neuen Christkindes gehören nicht nur die Eröffnung des weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt von der Empore der Frauenkirche aus, sondern auch Besuche in Obdachlosenheimen, Krankenhäusern und Altenheimen. Ein voller Terminkalender also.

    Und eine bestimmte Vorstellung, wie es nach der Zeit als Christkind weitergehen soll, hat Benigna Munsi jedenfalls auch schon: "Nach der Schule möchte ich gerne Schauspiel studieren."