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USA ziehen 4.500 Soldaten aus oberpfälzischem Vilseck ab | BR24

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Die Befürchtungen waren groß, nun gibt es eine Gewissheit: Aus Vilseck sollen die fast 5.000 Soldaten des 2. US-Kavallerie-regimentes abgezogen werden. Ein schwerer Schlag für die Region.

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USA ziehen 4.500 Soldaten aus oberpfälzischem Vilseck ab

Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden - und damit stärker als bislang bekannt. 4.500 Soldaten werden aus dem oberpfälzischen Vilseck abgezogen. Offenbar ist auch der Standort Grafenwöhr betroffen.

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Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden - und damit deutlich stärker als bislang bekannt. Rund 6.400 Soldaten sollen in die USA zurückgeholt werden, weitere 5.600 sollen in andere europäische Länder verlegt werden, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärte. Bislang hatte die US-Regierung von einem Abzug von rund 10.000 der etwa 36.000 Soldaten in Deutschland gesprochen.

4.500 Soldaten aus Vilseck werden abgezogen

Esper kündigte an, dass die 4.500 US-Soldaten des "2nd Cavalry Regiment" in ihre Heimat zurückkehren werden. Diese Einheit ist im bayerischen Vilseck (Lkr. Amberg-Sulzbach) stationiert. Der Südwestrundfunk hatte zuvor berichtet, dass auch der Standort Grafenwöhr (Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab) betroffen ist. Dazu sagte der Minister jedoch nichts. Gerechnet wird nach dpa-Informationen mit möglicherweise rund 1.000 Soldaten, die Grafenwöhr verlassen. Derzeit sind an beiden Standorten insgesamt mehr als 10.000 Soldaten stationiert.

Esper erwähnte konkret auch den Standort Stuttgart in Baden-Württemberg. US-General Tod Wolters präzisierte, das regionale Europa-Hauptquartier (Eucom) werde von der baden-württembergischen Landeshauptstadt ins belgische Mons verlegt. Die F16-Staffel der US-Air Force, bislang stationiert in Spangdahlem in der Eifel, soll nach Italien verlegt werden.

Die Truppenverlegung soll Esper zufolge "so schnell wie möglich" geschehen, womöglich innerhalb von "Wochen". Der Minister erklärte, mit der Truppenverlegung würden die Nato und die Abschreckung gegenüber Russland gestärkt.

Söder bedauert Entscheidung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reagiert enttäuscht auf die Ankündigung: "Dies belastet leider das deutsch-amerikanische Verhältnis. Dabei ist der militärische Nutzen nicht erkennbar." Auf Dauer schwäche die Entscheidung auch die Nato und die USA selbst. Söder betonte, man werde alle betroffenen Standorten helfen.

Der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen sagte der "Augsburger Allgemeinen", die US-Regierung handle mit dem Schritt gegen ihre eigenen Interessen. "Statt der Stärkung der Nato führt der Truppenabzug zu einer Schwächung des Bündnisses", warnte Röttgen.

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Die Zahl der US-Soldaten in Deutschland soll um fast 12.000 verringert werden - und damit deutlich stärker als bislang bekannt.

Weltweit größter US-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr gilt bei US-Militärs als "Kronjuwel", er ist laut Aussagen der US-Militärs und des Grafenwöhrer Bürgermeisters Edgar Knobloch der modernste und auch größte Truppenübungsplatz der US-Armee weltweit. Hier üben die US-Armee und die Bundeswehr im Verbund mit der NATO. Am kommenden Montag startet eine weitere Großübung mit knapp zehn Nationen. Zur US-Garnison Bavaria gehören neben Grafenwöhr und Vilseck die Standorte Hohenfels und Garmisch. Auch in Ansbach-Katterbach ist eine Einheit der US-Armee stationiert.

Bundesregierung vorab nicht informiert

US-Präsident Donald Trump hatte angeordnet, die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten deutlich zu reduzieren. Der Präsident begründete den Abzug mit den aus seiner Sicht weiterhin zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands. Die Bundesregierung wurde von Washington vor der Entscheidung über den Truppenabzug nicht konsultiert. Zuletzt stand sie dazu aber im Austausch mit der US-Regierung.

Im US-Kongress formiert sich Widerstand

Zur Umsetzung des geplanten - und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen - Teilabzugs dürfte aber noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei Trumps Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Der Plan wird dort vor allem kritisch gesehen, weil er das Verteidigungsbündnis Nato schwächen und Russland in die Hände spielen könnte. Im Senat und im Repräsentantenhaus gibt es daher Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Zudem bewirbt sich Trump im November um eine zweite Amtszeit. Falls er die Wahl verlieren sollte, könnte der neue Präsident die Pläne auf Eis legen.

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