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Wie geht's weiter in Vilseck? Beratung zum US-Truppenabzug | BR24

© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Straßenschild in Vilseck. Zusammen mit den Familienangehörigen würden etwa 9.000 US-Amerikaner die Region verlassen.

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    Wie geht's weiter in Vilseck? Beratung zum US-Truppenabzug

    Dank der US-Armee fließen jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Euro in die Oberpfälzer Wirtschaft. Damit könnte es bald vorbei sein. Denn 4.500 US-Soldaten sollen abgezogen werden. In Vilseck findet deshalb heute ein Krisengipfel statt.

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    Die USA wollen rund 4.500 Soldaten aus Vilseck abziehen. Am Nachmittag informieren sich Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU), Finanzminister Albert Füracker (CSU) und der Parlamentarische Staatssekretär aus dem Bundesverteidigungsministerium Thomas Silberhorn (CSU) in der Burg Dagestein in Vilseck über die Pläne und deren Auswirkungen auf die Region. Sie tauschen sich mit den örtlichen Abgeordneten, Kommunalpolitikern und Arbeitnehmervertretern aus. Silberhorn hatte seit Bekanntwerden der Pläne immer wieder Kontakt mit dem Pentagon in Washington.

    Ende Juli verkündete der US-Verteidigungsminister Marc Esper, dass insgesamt 12.000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen werden sollen. Etwa die Hälfte davon soll zurück in die USA verlegt werden. Die andere Hälfte soll in anderen NATO-Ländern in Europa stationiert werden.

    9.000 Amerikaner würden Region verlassen

    Vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit seinen beiden Standorten Grafenwöhr und Vilseck soll die Stryker-Brigade in die USA zurückverlegt werden. Sie kam 2006 nach Vilseck und umfasst derzeit rund 4.500 Soldaten. Zusammen mit den Familienangehörigen würden dann etwa 9.000 US-Amerikaner die Region verlassen.

    US-Truppenabzug in Grafenwöhr und Hohenfels unklar

    Derzeit sind 13.000 US-Soldaten in der Oberpfalz stationiert an den Standorten Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Ob auch Grafenwöhr und Hohenfels von einem Truppenabzug betroffen ist, steht noch nicht fest.

    Die Stadt Vilseck hat gut 6.400 Einwohner. Kommunalpolitiker fürchten erhebliche wirtschaftliche Schäden, sollten die Amerikaner tatsächlich einen Teil der Soldaten abziehen. Betroffen wären dann nicht nur zivile Arbeitsplätze auf dem Truppenübungsplatz, die abgebaut werden könnten, sondern auch viele Firmen, die den Übungsplatz beliefern oder dort ihre Aufträge generieren, der Mietmarkt in der Region, sowie Gastronomie, Hotels und der Einzelhandel.

    Großer Wirtschaftsfaktor in der Oberpfalz

    Der sogenannte Economic Impact der Amerikaner in der Oberpfalz beläuft sich im Haushaltsjahr 2018 (das bis ins Jahr 2019 reicht) auf 660,8 Millionen Euro. Davon gehen nach Angaben der US-Garnison Bavaria 106 Millionen Euro in Mieten in der Region. Etwa 18.500 Amerikaner leben nicht in einer Kaserne, sondern in angemieteten Wohnungen oder Häusern in den umliegenden Kommunen.

    Die privaten Ausgaben der hier lebenden Amerikaner belaufen sich in dem Zeitraum auf 104 Millionen Euro, dazu gehören Einkäufe in Geschäften für Lebensmittel, Bekleidung, Souvenirs sowie Dienstleistungen wie Friseure, Taxiunternehmen oder auch Hotel und Gastronomie. 283 Millionen Euro hat die US-Armee im Haushaltsjahr 2018 für Bauaufträge und Instandhaltungen auf dem Truppenübungsplatz ausgegeben.

    Söder kündigte Unterstützung des Freistaats an

    Derzeit werden 120 Millionen US-Dollar investiert in den Neubau einer Grundschule, eines militärischen Schulungszentrums, Wohnhäuser sowie energetische Sanierungen. In Planung seien laut Garnison zudem weitere Baumaßnahmen für rund 400 Millionen US-Dollar. Täglich kommen mehrere hundert Besucher auf den Truppenübungsplatz, deren Economic Impact in der Region sei in die Zahlen nicht eingerechnet.

    Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte noch am Tag der Ankündigung aus dem US-Verteidigungsministerium Ende Juli gesagt, es brauche Ersatzkonzepte "vielleicht durch die Bundeswehr, aber auch wir als Staatsregierung werden uns da einspreizen mit Behördenideen oder anderen, damit die Standortkommunen nicht allein gelassen werden“. Ein Zeitrahmen, wann die Soldaten abgezogen werden sollen, steht noch nicht fest.

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