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Nach Hubschrauberunfall: Bürgerinitiative fordert Tiefflugverbot | BR24

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Ein Apache-Kampfhubschrauber der US-Armee musste auf einem Feld bei Linden im Landkreis Ansbach notlanden. Zuvor ist der Pilot in eine Hochspannungsleitung geflogen und hat dabei zwei Strommasten beschädigt.

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Nach Hubschrauberunfall: Bürgerinitiative fordert Tiefflugverbot

Gestern Abend hat ein US-Kampfhubschrauber in Linden im Landkreis Ansbach, alle sechs Seile einer Stromleitung durchtrennt. Wegen der Reparaturarbeiten wurde zeitweise die Autobahn A7 gesperrt. Die Sperrung wurde mittlerweile wieder aufgehoben.

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Gestern Abend hat ein US-Kampfhubschrauber die Stromleitung im Gebiet der Gemeinde Windelsbach, im Landkreis Ansbach, durchtrennt.

Nach Augenzeugenaussagen gab es einen lauten Knall, dann sei der Hubschrauber getaumelt und auf dem Boden aufgeschlagen. Der Frontbereich des US-Kampfhubschraubers sei dadurch beschädigt worden. Bei der Stromleitung handelt es sich um eine 110-kV-Leitung. Sie sei durchtrennt worden, so Annemarie Endner von der Main-Donau-Netzgesellschaft. Entstanden sei ein "ordentlicher" Schaden.

Seile anscheinend von Apache-Besatzung gekappt

Nach ersten Einschätzungen der Main-Donau-Netzgesellschaft habe die zweiköpfige Mannschaft die Seile von sich aus gekappt. Diese Notfallmaßnahme sei nicht selten in Deutschland und käme immer wieder vor, so Annemarie Endner von der N-Ergie AG. Noch gestern Abend wurde eine Spezialfirma für die Reparatur von Hochspannungsleitungen angefordert. In keinem Fall sei die Stromversorgung der Bevölkerung in diesem Gebiet gefährdet gewesen, so Endner weiter. Da die Leitung über die A7 in Richtung Colmberg führt, habe die Autobahn aus Vorsichtsgründen den ganzen Vormittag über gesperrt werden müssen.

US-Militär hat Leitung übernommen

Derzeit werde die Zuständigkeit abgeklärt, heißt es von der zuständigen Pressestelle. Durch Einheiten der Militärpolizei und der Feldjäger wurde die Absturzstelle als militärische Sperrzone erklärt und weiträumig abgesperrt. Die weiteren Sicherung- und Bergungsmaßnahmen werden ebenfalls durch die US- Streitkräfte koordiniert.

Verkehr war von Reparaturarbeiten betroffen

Die A7 Ulm – Würzburg war zwischen Rothenburg ob der Tauber und Bad Windsheim in beiden Richtungen bis 12.30 Uhr gesperrt, weil die Stromtrasse repariert werden musste. Die Sperrung sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, so die Main-Donau-Netzgesellschaft.

Anwohner kennen das Problem

Jürgen Weidmann ist Anwohner im Dorf Linden und beobachtete aus 150 Metern Entfernung das Geschehen. Nach einem großen Knall ging er erst von einem Motorschaden des Hubschraubers aus, denn das sei nicht unüblich. Linden befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Übungsgebiet der US-Armee. Der Hubschrauber musste notlanden. Jürgen Weidmann hat schon öfters beobachtet, wie US-Kampfgeräte versuchten, unter der Hochspannungsleitung durchzufliegen.

Offiziell sei ihm durch eine Vertreterin der US-Armee auch bestätigt worden, dass das Gelände bei Linden ein Übungsgebiet für Hubschrauber sei. Schon mehrmals habe er sich deshalb bei den zuständigen Stellen beschwert. In unmittelbarer Nähe zum Ort würden immer wieder Senkrechtsstarts geübt, gefährliche Manöver geprobt, so Weidmann.

"Heute haben wir das Ergebnis, nämlich den ersten Absturz hier. Wenn hier ein verantwortlicher Politiker wohnen würde, dann würde er das schnell beenden." Jürgen Weidmann, Bewohner in Linden

Jürgen Weidmann fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Die Deutschen hätten keine Weisungsbefugnis gegenüber den Amerikanern und dort werde dies nur als Zwischenfall verbucht, so Weidmann.

Bürgerinitiative fordert Tiefflug-Verbot für US-Armee

Den Hubschrauberunfall nimmt die Bürgerinitiative "Etz langt´s" zum Anlass, strengere Sicherheitsvorschriften zu fordern. Für das US-Militär müsse unverzüglich ein Verbot von Tiefflügen erlassen werden. Erlaubt seien Tiefflüge bis drei Meter über dem Boden und Landungen auf freiem Feld, auch in der Nähe von Siedlungen. Dies sei unverantwortlich, schreibt die Bürgerinitiative in einer Mitteilung. Die Region Westmittelfranken sei für die Flugübungen der US-Kampfhubschrauber ungeeignet. Daher habe es auch in der Vergangenheit schon Hubschrauberunfälle gegeben, etwa im Juli 2016. Damals sei ein Apache in der Nähe von Neusitz bei Rothenburg durch die Baumwipfel gefahren. Nur durch Glück seien keine Forstarbeiter durch herabfallende Äste verletzt worden.

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In Linden bei Ansbach hat offenbar ein US-Kampfhubschrauber eine Stromleitung gekappt. Die beiden Piloten konnten notlanden. Anwohner hatten schon länger befürchtet, dass bei den riskanten Flugübungen etwas schiefgehen könnte.

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US-Kampfhubschrauber im Landkreis Ansbach kappt Stromleitung