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US-Amerikaner in der Oberpfalz: Briefwahl ohne Wahlkampf | BR24

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Kein US-Wahlkampf auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr

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    US-Amerikaner in der Oberpfalz: Briefwahl ohne Wahlkampf

    In knapp zwei Wochen entscheidet sich, wer künftig als Präsident die USA regieren soll. Von Wahlkampf ist bei den 40.000 US-Amerikanern in der Oberpfalz allerdings nur wenig zu spüren. Politik ist hier ein Tabu-Thema.

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    In den USA ist der Wahlkampf auf dem Höhepunkt. Noch knapp zwei Wochen, dann soll feststehen, wer künftig als Präsident die USA regieren soll. In der Oberpfalz leben rund um Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels mehr als 40.000 US-Amerikaner. Sie wählen derzeit oder haben bereits abgestimmt.

    Kein Wahlkampf auf Truppenübungsplatz

    Kürbisse, Skelette im Vorgarten und Spinnennetze vor der Haustür. In einer US-Siedlung in Grafenwöhr dominiert Halloween-Dekoration, Wahlplakate oder Wahlwerbung sucht man vergebens. Politik ist Tabu-Thema auf dem Truppenübungsplatz. Das Militär ist zur Neutralität verpflichtet, schließlich geht es um den Oberbefehlshaber des Militärs, der zu Wahl steht. Deshalb findet hier kein Wahlkampf statt. Die Soldaten dürfen sich offiziell nicht zu politischen Themen äußern.

    US-Amerikanerin will nicht wählen

    Zu den 15.000 Soldaten, die hier stationiert sind, gehören auch Familienangehörige. Sie werde dieses Mal nicht wählen, sagt die Ehefrau eines Soldaten über den Zaun. Freunde und Bekannten würden ihr deshalb vorwerfen, ihre Stimme zu verschenken. Aber beide Kandidaten, also Donald Trump (Republikaner) und Joe Biden (Demokraten), findet sie nicht geeignet, so dass sie stolz wäre sie zu wählen. Sie seien nicht respektvoll, sagt die junge Frau. Den Wahlkampf aus Übersee über Facebook und Fernsehen zu verfolgen sei kein stolzer Moment für sie. Ihr entspräche eher die politische Richtung der Grünen (Green Party) oder Liberalen (Libertarian Party). Aber diese bekämen nicht die Repräsentation, die sie verdient hätten. Sie zählen zu den sogenannten Third Partys. Eine weitere junge Ehefrau sagt gerade heraus, sie habe Trump gewählt. Biden (77) sei zu alt für dieses Amt und Trump (74) habe viel für das Militär getan.

    Briefwahl bis zum 3. November

    Die US-Amerikaner in der Oberpfalz wählen per Brief. Sie mussten sich in den vergangenen Monaten in ihren Heimatorten in den USA registrieren und rechtzeitig Wahlunterlagen beantragen. Auf dem Truppenübungsplatz gibt es einen Ansprechpartner, der die Soldaten und ihre Angehörigen informiert, wie sie an ihre Wahlunterlagen kommen. Das ist nämlich unterschiedlich in den verschiedenen US-Staaten. Für manche läuft die Frist in wenigen Tagen ab, dann muss der unterschriebene Stimmzettel per Brief im Wahllokal in den USA sein. Einige Staaten akzeptieren auch noch den Poststempel vom 3. November, dem Wahltag, ist auf dem Internet-Portal des Federal Voting Assistance Program zu lesen. Nur wenige Staaten ermöglichen eine Stimmabgabe per Email.

    Wahlatmosphäre in diesem Jahr "anders"

    Die Familienangehörigen in Grafenwöhr sind sich einig, dass die Atmosphäre vor den Wahlen dieses Mal eine andere sei. Und dass die USA ein schwieriges Jahr 2020 hinter sich hätten. Auch wenn sie die Heimat manchmal vermisse, 2020 sei hier in Deutschland der sicherste Platz gewesen für sie und ihre Familie, sagt diese Ehefrau. Es habe so viele Feuer, so viele Hurrikans gegeben heuer in den USA, dann das Corona-Virus dazu und der Wahlkampf.

    Die letzten Tage bis zur Wahl am 3. November und auch das Auszählen selbst verfolgt jede Familie hier privat. Wahlpartys oder Public Viewing gibt es nicht, weil das Militär zur Neutralität verpflichtet ist.

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