Prozess im Landgericht Nürnberg-Fürth
Bildrechte: BR / Andreas Schuster

Die beiden Angeklagten im Prozess wegen eines Raubüberfalls auf einen Reisebus im Landgericht Nürnberg-Fürth.

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Urteile nach bewaffnetem Überfall auf Reisebus bei Höchstadt

Zwei Urteile und trotzdem viele offene Fragen: Im Prozess um einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Reisebus bei Höchstadt hat das Landgericht Nürnberg-Fürth zwei Täter zu Haftstrafen verurteilt. Die Beute ist allerdings nicht aufgetaucht.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Weil sie an einem bewaffneten Überfall auf einen Reisebus nahe Höchstadt an der Aisch beteiligt waren, hat das Landgericht Nürnberg-Fürth am Donnerstag zwei der vier Täter zu Haftstrafen verurteilt. Bei dem Prozess blieben viele Fragen nach Mittätern, der Beute und den beim Überfall benutzten Waffen offen.

Einer der beiden 22-Jährigen muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Er hatte zugegeben, die Busfahrer mit einer Schreckschusswaffe bedroht und zur Herausgabe einer mit Geld gefüllten Reisetasche gezwungen zu haben. Der andere 22-Jährige wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe nach Jugendstrafrecht verurteilt. Laut seinem Verteidiger war er lediglich im Fluchtauto dabei und hatte bei dem Überfall keine Rolle gespielt.

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Mit Waffen Bus zum Halten gezwungen

Der zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilte 22-Jährige hatte zuvor zugegeben, im April vergangenen Jahres in Frankfurt in den nach Serbien fahrenden Reisebus zugestiegen zu sein, gemeinsam mit einem bereits verurteilten Komplizen. Ziel sei es gewesen, eine im Bus befindliche und mit Geld gefüllte Reisetasche zu erbeuten. Beide Männer seien bewaffnet gewesen, schilderte der Anwalt des 22-Jährigen. Auf Höhe Höchstadt an der Aisch hätten sie den Busfahrer mit vorgehaltenen Waffen zum Anhalten gezwungen.

Zweiter Angeklagter habe keine nennenswerte Rolle gespielt

Dann seien zwei weitere Komplizen zu dem Bus dazugekommen: der zweite, zur Jugendstrafe verurteilte, 22-Jährige und sein älterer Bruder. Der gilt als Strippenzieher des Überfalls und war bereits zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der zweite Angeklagte gab die Beteiligung an dem Überfall ebenfalls zu. Laut seinem Verteidiger sei er aber lediglich im Fluchtwagen dabei gewesen und habe bei dem Überfall keine nennenswerte Rolle gespielt.

Widersprüchliche Aussagen eines Zeugen zu Geständnissen

Nach den Geständnissen hatte das Gericht einen wegen des Überfalls bereits verurteilten 60-Jährigen als Zeugen vernommen. Er war bei dem Überfall ebenfalls mit im Bus gewesen und hatte die beiden Busfahrer mit vorgehaltener Waffe bedroht. Bei seiner Vernehmung gab es etliche Widersprüche zu den Geständnissen der beiden 22-Jährigen.

Viele Fragen blieben offen: Wie viel Geld war es und wo ist es?

Im Prozess blieben – trotz der Geständnisse – viele Fragen offen: Etwa, ob es sich bei dem Überfall tatsächlich, wie behauptet, um Schreckschusswaffen oder doch um echte Waffen gehandelt hat. Unklar ist außerdem, ob es womöglich weitere Tatbeteiligte und ein zweites Fluchtauto gab.

Auch wem die Reisetasche gehört hat und wie viel Geld sich tatsächlich darin befand, bleibt offen. Im Laufe des Verfahrens war von fünf Millionen Euro, aber auch von 107.000 Euro Beute die Rede. Wo das Geld jetzt ist, konnte im Prozess ebenfalls nicht geklärt werden.

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