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Die Angeklagten im Gerichtssaal
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Christine Haberlander
Matthias Lauer
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Die Angeklagten im Gerichtssaal

Die Jugendkammer am Landgericht Traunstein wird heute Nachmittag im Prozess um die Anschläge auf das Asylbewerberheim in Nußdorf am Inn die Urteile sprechen. Die Staatsanwaltschaft hat für die beiden Angeklagten je 6 Jahre und 5 Monate Haft gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Bewährungsstrafen für den 24 Jahre alten Spengler und den 21 Jahre alten Schreiner in Ausbildung. Die beiden jungen Männer müssen sich wegen schwerer Brandstiftung, einer Hakenkreuzschmierei, und der 21-Jährige zusätzlich für illegalen Waffenbesitz verantworten.

Angeklagte geben Taten zu

Die beiden Angeklagten haben die ihnen zur Last gelegten Taten am ersten Prozesstag, am vergangenen Dienstag, eingeräumt. Die beiden Nußdorfer gaben an, dass sie Wut auf Asylbewerber gehabt und sich vor jedem Anschlag in Rage getrunken hätten. Sie wollten den Asylbewerbern Angst einjagen. Der jüngere der beiden, ein Schreiner, wollte sich dadurch - wie er sagte - aufwerten. Er sei auch enttäuscht gewesen, dass ihn eine Freundin für einen Ausländer verlassen habe. Der 21-Jährige, der am Mittwoch vor Aufregung im Gerichtssaal zusammengebrochen war, versuchte seine Mittäterschaft herunterzuspielen, und die Verantwortung auf den 24-jährigen Mitangeklagten zu schieben.

Rechtsradikale Gesinnung nicht zugegeben

Für eine rechtsradikale Gesinnung spricht, dass auf dem Computer des 21-Jährigen umfangreiches fremdenfeindliches Material gefunden wurde und er sich in der Wehrmachtsuniform seines Urgroßvaters fotografieren ließ. Beide Angeklagte waren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nußdorf am Inn und wurden per Piepser nach dem ersten Brandanschlag auf das Asylbewerberheim im März alarmiert, zu dem sie ausrückten.

Angeklagte entschuldigen sich

In mehreren Briefen entschuldigten sich die beiden zum Beispiel beim Asylbewerberheim und dessen Bewohnern, beim Asylhelferkreis und beim Nußdorfer Bürgermeister. Der 21-Jährige bereue zutiefst, wie er sagte, auf Hetze und blinde Hassparolen gegen Asylbewerber eingegangen zu sein, und schäme sich seiner Taten. In der Untersuchungshaft hätte er freundliche Ausländer kennengelernt, mit denen er nun befreundet sei, sagte er im Prozess aus. Auch der ältere Angeklagte hatte sich in seinem letzten Wort entschuldigt und Wiedergutmachung angekündigt.

Brandanschläge auf Asylbewerberunterkunft

Die beiden Männer hatten im März und April dieses Jahres selbstgebastelte Brandsätze auf die Asylbewerberunterkunft in Nußdorf am Inn geworfen. Im März traf ein Brandsatz die Fassade des Gebäudes und setzte sie in Brand. Im Heim wurde niemand verletzt. Im April explodierte ein weiterer abgefeuerter Sprengsatz im Garten der Unterkunft. Im Februar beschmierten die beiden Angeklagten die Fassade mit einem Hakenkreuz.