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Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung für Ingolstädter Ex-OB Lehmann | BR24

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Im Korruptionsprozess gegen den Ingolstädter Alt-OB Alfred Lehmann ist das Urteil gefallen: Das Landgericht Ingolstadt verurteilte den CSU-Politiker zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Bestechlichkeit. Lehmann zeigte keine Regung.

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Urteil: Zwei Jahre auf Bewährung für Ingolstädter Ex-OB Lehmann

Im Korruptionsprozess gegen den Ingolstädter Alt-OB Alfred Lehmann ist das Urteil gefallen: Das Landgericht Ingolstadt verurteilte den CSU-Politiker zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Bestechlichkeit. Lehmann zeigte keine Regung.

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Zwei Jahre auf Bewährung – so lautet das Urteil im Korruptionsprozess gegen Ingolstadts ehemaligen Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU). Dieses Strafmaß hat die große Strafkammer am Landgericht Ingolstadt verhängt – wegen Bestechlichkeit und Vorteilsannahme im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften.

Freiheitsstrafe auf Bewährung für mitangeklagten Bauträger

Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von 383.000 Euro an. So hoch setzt das Gericht die Vorteile an, die der 69-Jährige aus den widerrechtlichen Taten zulasten der Stadt gezogen hat. Lehmann hatte erst spät im Prozess zugegeben, beim Kauf mehrerer Wohnungen Vorzugspreise erhalten zu haben. Einen mitangeklagten Bauträger verurteilte das Gericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Vorteilsgewährung.

Lehmann und auch der Bauträger zeigten keine Regung bei der Verkündung des Urteils. Die Anklage hatte drei Jahre Gefängnis für den Ex-Rathauschef gefordert, seine Verteidiger hatten auf eine Bewährungsstrafe unter zwölf Monaten plädiert. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde Lehmann seine Pensionsansprüche verlieren.

Lehmann kaufte Wohnungen zu Vorteilspreisen

Die Immobilienkäufe standen im Zusammenhang mit zwei Sanierungsprojekten der Stadt. Lehmann war als Amtsträger am Verkauf einer ehemaligen Kaserne und des früheren Krankenhauses beteiligt, später erwarb er selbst Wohnungen in den modernisierten Anlagen weit unter Marktwert.

"Wie bei Mundgeruch": Richter zitiert Papst Franziskus

Der Vorsitzende Richter Jochen Bösl begann seine Urteilsbegründung mit einem Zitat von Papst Franziskus zum Thema Korruption: "Der Bestechliche nimmt seine Tat nicht wahr. Es ist ein bisschen wie bei Mundgeruch. Der Betroffene selbst nimmt ihn nicht wahr. Andere müssen es ihm sagen." So sei es auch bei diesem Fall der Korruption. Da habe Lehmann im Laufe des Verfahrens einen langen Weg zurückgelegt.

Der Gerichtssaal war zu Beginn der Urteilsverkündung komplett gefüllt. Etliche Zuschauer bekamen keinen Platz mehr und standen vor der Saaltür.

Stadt Ingolstadt: Kommentieren Urteil nicht

Die Stadt Ingolstadt werde das Urteil nicht kommentieren, sagte Pressesprecher Michael Klarner dem BR. Das Thema werde aber die betroffenen Gremien der städtischen Töchter bei deren nächsten Sitzungen beschäftigen. Wenn die Urteilsbegründung schriftlich vorliege, würden die städtische Wirtschaftsfördergesellschaft und der Krankenhauszweckverband "zivilrechtliche Forderungen gegenüber Dr. Lehmann" prüfen, so Klarner.

SPD-Kandidat: "Tiefpunkt in der Ingolstädter Kommunalpolitik"

Der SPD-Kandidat für das Amt des Ingolstädter Oberbürgermeisters bei der Kommunalwahl 2020, Christian Scharpf, sprach vom "Tiefpunkt in der Ingolstädter Kommunalpolitik". Das Urteil im Fall Lehmann "sei symptomatisch dafür, dass das CSU-Politiksystem aus verkrusteten Strukturen und Seilschaften nach einem halben Jahrhundert abgewirtschaftet" habe.