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Urteil: Starnberg darf Elfenbein-Klavier nicht beschlagnahmen | BR24

© picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Der Teure Flügel mit Elfenbein-Tastatur

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    Urteil: Starnberg darf Elfenbein-Klavier nicht beschlagnahmen

    Die Tastatur eines teuren Flügels aus geschütztem Elfenbein darf nun doch beim Besitzer bleiben - vorerst. Das Verwaltungsgericht München hob einen Bescheid des Landratsamts Starnberg auf, das die Tastatur aus Artenschutzgründen einziehen wollte.

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    Der Besitzer des teuren Flügels von der renommierten Wiener Klavierfabrik Bösendorfer wollte ihn in die Schweiz verkaufen. Doch wegen der Elfenbein-Tastatur benötigte er eine Vermarktungsbescheinigung zum "Handel mit geschützten Tieren" vom zuständigen Landratsamt Starnberg. Weil aber schon die Suche nach einem Käufer als Vermarktung gilt, wurde die Klaviatur praktisch über Nacht illegal. Das Landratsamt wollte sie deshalb gleich einziehen. Dem schob das Münchner Verwaltungsgericht nun einen Riegel vor.

    Sicherstellung höchstens vorübergehend

    Eine Beschlagnahme sei unverhältnismäßig, entschied das Gericht im heute veröffentlichten Urteil. Dadurch wäre der Freistaat Eigentümer der Elfenbein-Tastatur geworden. Das Landratsamt könne jedoch den Flügel - wohl um den Druck zu erhöhen - immer noch vorübergehend sicherstellen, bis der Besitzer die für den Artenschutz nötigen Nachweise erbracht habe.

    Aus welchem Jahr stammt das Elfenbein?

    Elfenbein unterliegt längst dem Artenschutz. Wer Gegenstände aus den edlen Stoßzähnen verkaufen will, muss nachweisen, dass er sie erworben hat, bevor die Elefanten geschützt wurden. Laut Gericht hätte dem Kläger die Gelegenheit gegeben werden müssen, einen solchen Nachweis zu erbringen.

    Nur Klaviere mit Elfenbeintasten aus der Zeit vor 1974 dürfen nach der EU-Regelung für den Elfenbeinhandel ohne Bescheinigung gehandelt werden. Der Flügel des Mannes aus dem Raum Starnberg wurde 1983 gebaut, das Elfenbein für die Tastatur könnte aber viel älter sein. Zum Verkauf in die Schweiz bräuchte es neben der europäischen Bescheinigung auch eine Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz.

    Ersatzdokumente über Herkunft nicht akzeptiert

    Da die Originaldokumente über Erwerb und Herkunft des Flügels durch ein Hochwasser zerstört worden seien, hatte der Besitzer bereits Ersatzdokumente vorgelegt. Mit Ihnen wollte er belegen, dass das Elfenbein aus einem Lagerbestand vor 1974 stammt, bevor der Afrikanische Elefant unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fiel. Das Landratsamt akzeptierte die Dokumente allerdings bisher nicht.