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Sparkassen-Affäre: Bewährungsstrafen für Bromme und Kreidl | BR24

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Es sei erfreulich, dass jetzt erstmals auch das Fehlverhalten von Aufsichtsräten in Sparkassen bzw. Verwaltungsräten eine öffentliche Transparenz bekommen, so Ralf Jasny, Professor an der University of Applied Sciences in Frankfurt.

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Sparkassen-Affäre: Bewährungsstrafen für Bromme und Kreidl

Im Prozess um die sogenannte Miesbacher Sparkassen-Affäre hat das Landgericht München den Ex-Vorstandschef Georg Bromme und den Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU) zu Bewährungsstrafen verurteilt.

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Regungslos nahmen die drei Männer das Urteil entgegen: Elf Monate Haft auf Bewährung für den früheren Verwaltungsratsvorsitzenden und Ex-CSU-Landrat Jakob Kreidl, 18 Monate für den ehemaligen Sparkassen-Vorstandschef Georg Bromme, ebenfalls auf Bewährung. Die vom Staatsanwalt geforderte Gefängnisstrafe bleibt ihm damit erspart. Außerdem muss Bromme 300 Sozialstunden ableisten, Kreidl 200 Sozialstunden. Der amtierende Sparkassen-Chef Martin Mihalovits kam mit einer Verwarnung davon und muss 20.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Richter: Gehandelt wie im "Bankhaus Bromme"

Brommes Verhalten in der Affäre wäre nachvollziehbar gewesen, so der Richter, wenn es sich nicht um die Sparkasse, sondern um das "Bankhaus Bromme" gehandelt hätte. Dass sich Bromme um alles gekümmert habe, sei für Kreidl wiederum angenehm gewesen, ebenso die von der Sparkasse finanzierten Reisen. Aber: Kreidl habe in Zusammenhang mit der Kreissparkasse auch Gutes für den Landkreis getan, betonte der Richter in Richtung des früheren Landrats. Dieser machte sich während der Ausführungen ständig Notizen. Der dritte Anklagte, der amtierende Sparkassen-Chef Martin Mihalovits, kam mit einer Verwarnung davon.

Auslöser war die Geburtsfeier von Jakob Kreidl

Auslöser der Affäre war eine Geburtstagsfeier im August 2012. Jakob Kreidl, der Miesbacher Landrat, feierte seinen 60. Geburtstag im Wasmeier-Museum am Schliersee gemeinsam mit 460 teils prominenten Gästen. Darunter waren auch Kardinal Marx und der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer. Monate später kam heraus: Landrat Kreidl bezahlte selbst nur 7.600 Euro für die Feier – der Rest – das waren zum einen 77.000 Euro, die die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee berappte, zum anderen 33.000 Euro, die das Miesbacher Landratsamt für die Geburtstagsfeier bezahlte.

Teure Reisen, Weine und Geschenke

Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee soll über Jahre hinweg auch teure Reisen, Einladungen und Geschenke für Kommunalpolitiker und Verwaltungsräte mitfinanziert haben. Fahrten in die Schweiz und nach Österreich hatten mit fünfstelligen Beträgen zu Buche geschlagen, immer wieder standen sehr teure Weine auf der Getränkerechnung. Es gab Geschenke - und Blumen für die Damen. Das sei jahrzehntelange Praxis gewesen - und nicht jeder habe diese in veränderten Zeiten als Unrecht gesehen, so die Argumentation der Anwälte der Hauptangeklagten im Prozess.

Der Fall ist juristisch noch nicht beendet

Mit dem Urteil ist die juristische Aufarbeitung noch nicht beendet: Die Staatsanwaltschaft hat eine zweite Anklage gegen sechs weitere, weniger schwer belastete Mitglieder des Verwaltungsrates verfasst. Das Gericht hat diese aber noch nicht zur Hauptverhandlung zugelassen.

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